#MacronLeaks: WikiLeaks hat Macrons enthüllte E-Mails verifiziert und katalogisiert veröffentlicht

Undurchsichtig und gefährlich: Emmanuel Macron (Foto: Mutualité Française/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)
Seine Partei verlor Sitze (Foto: Mutualité Française/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Wenige Tage vor der französischen Präsidentschaftswahl wurden tausende E-Mails aus Emmanuel Macrons Wahlkampflager veröffentlicht. Zunächst wurden sie als Fälschungen bezeichnet, die von „russischen Hackern“ in den Umlauf gebracht wurden und ignoriert. WikiLeaks hat sich der Sache angenommen und konnte knapp 30 Prozent der über 70.000 E-Mails als echt verifizieren. Wie der Express berichtet sind nun alle E-Mails katalogisiert über WikiLeaks abrufbar.

Von Ingmar Blessing

Aktivitäten im Bereich illegaler Waffenhandel, Steuerhinterziehung, Drogenkonsum, Wahlkampfstörungen anderer Parteien und noch einiges mehr kann in den E-Mails nachgelesen werden, die nur Stunden vor Beginn der Wahlkampfsperre zur zweiten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich veröffentlicht wurden.

Zunächst war unklar, was man davon halten sollte, da es zu spät war, um den Wahlausgang zu beeinflussen und die in den Dokumenten enthaltenen Vorwürfe eigentlich zu extrem sind, um glaubwürdig zu wirken.  Über die Motive der Enthüller kann nur spekuliert werden, wobei die Mainstream-Presse sofort auf Russland verwies und den Journalisten angriff, der die Nachricht über #MacronLeaks verbreitete. Die enthüllten E-Mails wurden fortan ignoriert und Frankreichs Regierung sperrte sogar den Zugriff darauf.

Abseits des Mainstreams wurde auf einen mysteriösen Tod noch am selben Tag hingewiesen, als die sozialistische Abgeordnete Corinne Erhel bei einer Wahlkampfveranstaltung von Macron sprach und auf der Bühne urplötzlich tot zusammenbrach. Vergleiche zum Mord an Seth Rich wurden gezogen. Die Theorie lautete, Erhel war der Maulwurf in Macrons Lager und wurde bestraft.

Seitdem hat sich in der Sache nicht viel getan, außer dass französische Ermittler meinten, keine Spuren russischer Hacker gefunden zu haben. Laut dem französischen Chef für Cybersicherheit Guillaume Poupard gibt es im digitalen Bereich keine Hinweise für russische Versuche der Einflussnahme auf die Wahl, wie es beim Express heißt.

Nun aber hat WikiLeaks, die Gruppe um Julian Assange, einen Gutteil der E-Mails aus Macrons Wahlkampflager mit Hilfe des DKIM Systems verifizieren können. Von den insgesamt 71,858 E-Mails mit 26.505 Anhängen, die von 4.493 Absendern stammten, sind mindestens 21.075 E-Mails echt.

Das heißt nicht, dass die übrigen gefälscht sind. Es war lediglich nicht möglich, ihre Herkunft eindeutig zuzuordnen. Laut einer Stellungnahme durch WikiLeaks deutet die „statistische Wahrscheinlichkeit“ darauf hin, dass „die überwältigende Mehrheit“ dieser gut 50.000 nicht verifizierten E-Mails ebenfalls echt sein müssen, zumal die meisten E-Mails in Ketten verschickt wurden und es daher in der Regel möglich ist, „die Integrität der Kette über die darin enthaltenen verifizierten E-Mail Adressen ebenfalls zu bestätigen,“ so WikiLeaks.

Man kann gespannt sein darauf, wie sich #MacronLeaks mit Emmanuel Macron an der Macht weiter entwickelt. Er selbst, der sich bereits als „römischer Gott“ bezeichnete und als Präsident mit überaus großen Machtbefugnissen ausgestattet ist, dürfte nur wenig Interesse daran haben, dass er wegen der möglichen Enthüllung von kriminellen Aktivitäten oder auch nur dem Verdacht darauf beschädigt wird.

Ähnlich sieht es in der französischen Medienlandschaft aus – und aufgrund von Macrons EU-freundlicher Haltung in allen Mainstream Medien in Europa wie auch in der europäischen Politik. Eine „unnötige“ Beschädigung des aktuell mit großer Mehrheit regierenden Macron würde auch ihre Interessen beschädigen. Zu sehr wird er gebraucht als Reformator des französischen Systems und für den Übergang von der nationalstaatlichen Souveränität in der EU hin zu einem Föderalstaat mit Zentrum Brüssel. Macron hat sich dem verschrieben und er hat es bereits deutlich gemacht.

Erschwerend kommt hinzu, dass so gut wie alle E-Mails auf Französisch sind, die Analyse der Dokumente durch internationale Freiwillige im Internet daher meist nur unter Zuhilfenahme von Übersetzungswerkzeugen möglich sein wird. So bleibt es letztlich an den Franzosen selbst, die E-Mails nach potenziellen Untaten von Emmanuel Macron zu durchforsten.

 Alle E-Mails von #MacronLeaks können hier angesehen werden.

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