Bleibt Broder ein Scherzkeks, oder hat man ihn umgedreht?

Ein Schlawiner vor dem Herrn: Henryk M. Broder (Foto: Von Foto: Bernd Schwabe in Hannover - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28233736
Ein Schlawiner vor dem Herrn: Henryk M. Broder (Foto: Von Foto: Bernd Schwabe in Hannover - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0)

In der „Welt“ hat Henryk M. Broder mal wieder einen rausgehauen, der für Zwietracht unter seinen vielen Fans sorgen könnte. Er hat nämlich eine ganz tolle Idee, wie man die Flüchtlingskrise meistern könnte, ohne das Mittelmeer austrocknen zu müssen:

…So kann es nicht weitergehen. Statt die Flüchtlinge auf eine lange, gefährliche Reise zu schicken, holen wir sie dort ab, wo sie sind. In Eritrea, im Sudan, im Senegal, in Mali, Libyen und Nigeria. Wir richten eine Luftbrücke ein. Nicht mit den klapperigen Transalls der Bundeswehr oder den neuen, nur bedingt flugtauglichen A400M, nein, wir chartern ein paar Antonows oder Tupolews bei den Russen und lassen sie pendeln. So vermasseln wir den Schleppern das Geschäft und den Rettern den Abenteuerurlaub im Mittelmeer. Das wird nicht billig. Aber wenn es darum geht, Menschenleben zu retten, darf Geld keine Rolle spielen.

Und jetzt komme bitte keiner und sage, damit würden viele, die gar nicht fliehen möchten, erst zur Flucht angeregt werden. Kein Mensch verlässt seine Heimat freiwillig. Wer fliehen will, der findet Wege, „um in Deutschland anzukommen“. Da hat Martin Schulz ausnahmsweise recht…

Mir kommen gleich die Tränen bei so viel humanitärem Getexte. Aber natürlich hat Broder Recht, kein Mensch verlässt seine Heimat freiwillig. Allerdings gibt es noch genügend andere Menschen, die gar keine Kraft haben, die Heimat zu verlassen, auch wenn sie es gerne möchten:

Laut des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen leiden rund 795 Millionen Menschen weltweit an Hunger (Stand 2015), also etwa jeder neunte (11 %). Nach Angaben der FAO ist die Zahl der Hungernden seit 1990 um 216 Millionen zurückgegangen. Damals litten also sogar über eine Milliarde Menschen an Hunger (18,6 % der Weltbevölkerung 1990). An den Folgen von Hunger und Unterernährung sterben mehr Menschen als an HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. Jedes Jahr sterben etwa 8,8 Millionen Menschen an Hunger, was einem Todesfall rund alle drei Sekunden entspricht (Stand 2007). Häufig sind Kinder unter fünf Jahren betroffen. Jedes siebte ist weltweit untergewichtig (Stand 2014) und jedes vierte ist chronisch unterernährt (Stand 2012). Unterernährung trägt jährlich und weltweit zum Tod von 3,1 Millionen Kindern unter fünf Jahren bei, was mehr als 45 % aller Sterbefälle von Kindern unter fünf Jahren entspricht (Stand 2013).

98 % der Hungernden leben in Entwicklungsländern (779,9 Millionen). Die meisten leben in Asien (511,7 Millionen) und Afrika (232,5 Millionen), aber auch in Lateinamerika (26,8 Millionen), in den Industriestaaten(14,7 Millionen), in der Karibik (7,5 Millionen) und in Ozeanien (1,4 Millionen).

Da man sich als hoch anständiger Mensch – und so schätze ich Broder ein – in seinem Engagement  nicht nur auf die Länder Eritrea, Sudan, Senegal, Mali, Libyen und Nigeria beschränken sollte, müssten diese Luftbrücken also auch, oder vor allen Dingen, für diese armen Menschen gebaut werden.

Und noch mal Broder: Aber wenn es darum geht, Menschenleben zu retten, darf Geld keine Rolle spielen.

Also, lieber Herr Broder, dann fangen Sie mal an zu spenden! Oder war das alles wieder nur überspitzte Satire?

Wir lassen unsere Leser entscheiden:

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