Illegale: Und sie kommen doch alle über den Brenner!

Immigranten (Foto: Durch MikeDotta/Shutterstock)
Immigranten (Symbolfoto: Durch MikeDotta/Shutterstock)

In den sozialen Netzwerken grassiert gerade ein so genanntes Fake-Video, dass zeigt, wie hunderte illegale Migranten angeblich über den Brenner marschieren. Die „Tagesschau“ hat sofort „dementiert“ und die Macher der Lüge bezichtigt. Tatsächlich wird nicht klar, in welchem Ort und wann diese Aufnahmen entstanden sind.

Aber die Realität ist noch viel dramatischer, wie diese Reportage beweist.

Die britische Journalistin Sue Raid hat sich für MailOnline auf die Reise nach Italien gemacht und schildert ihre Eindrücke der Situation. Was sie berichtet, lässt alle Alarmglocken schrillen.

Übersetzung Von Marilla Slominski

In der Nähe von Venedig, verborgen zwischen Kornfeldern, liegt eines der riesigen Migrantencamps in Italien. Hier leben mehr als 1000 illegale Einwanderer. Einer von ihnen ist der 16jährige Nigerianer Osarume Ehiz. Er hofft auf seine baldige Weiterreise Richtung Norden. „Ich bin Tänzer“, erklärt er der Reporterin auf einem Feldweg nahe des Lagers.“Hier in Italien kann ich keine Karriere machen, deshalb warte ich auf ein spezielles Visum, mit dem ich in jedes andere Land gehen kann.“

Mit diesem „speziellen Visum“ kann eigentlich nur die „nukleare Lösung“ gemeint sein, mit der Italien vor wenigen Tagen dem Rest Europas gedroht hat: 200.000 sogenannte vorläufige Visa, die den freien Zugang zu jedem anderen Land auf dem Kontinent ermöglichen. (jouwatch berichtete). Entsprechend groß war die Aufregung in Brüssel und den Medien. Schnell dementierte der italienische Außenminister Angelino Alfano die entsprechenden Presseberichte.

Das Dementi scheint jedenfalls nicht bei den Empfängern angekommen zu sein.

Die Lage in den Migrantencamps, spitzt sich angesichts hunderter und tausender Neuankömmlinge – allein am vergangenen Wochenende ging die Zahl der „Geretteten“ in die Tausende-  immer mehr zu.

Auch viele Italiener verlieren angesichts der Massen die Geduld. In dem kleinen Ort Conetta südlich von Venedig, fühlen sich die nur 190 Einwohnern von 2000 Migranten im nahen Camp regelrecht überrannt und protestierten in ihrer Verzweiflung bereits mit Bettlaken auf dem Marktplatz: „Bringt sie wieder nach Hause,“ stand auf ihnen geschrieben.

Und so brechen immer mehr Migranten aus überfüllten Camps wie Bagnoli di Sopri und Conetta auf den Weg Richtung Österreich auf. Viele von ihnen nehmen in den Lagern nur eine Mahlzeit und eine Dusche in Anspruch, dann marschieren sie los. Sie wollen unter allen Umständen eine Registrierung ihrer Fingerabdrücke vermeiden.

Ihre Reise beginnt in der schönen italienischen Stadt Bozen, rund 250 km entfernt von der österreichischen Grenze. Von hier fahren die Züge Richtung Innsbruck.

Die Migranten kaufen sich hier völlig ungehindert unter den Augen der Offiziellen ihre Fahrkarte. Sie sitzen entspannt mit ausgestreckten Beinen auf Bänken, vertreiben sich mit ihren Smartphones und bei einem Hotdog die Wartezeit. Kontrollen in den Zügen – Fehlanzeige!

Auf dem Bahnhof am Brenner, dasselbe Bild. Drei italienische Soldaten patrouillieren auf dem Bahnsteig und sehen zu, wie die Migranten den Zug Richtung Innsbruck besteigen und Italien verlassen.

Auf dem Innsbrucker Hauptbahnhof angekommen, begrüßt sie der Somalier Hussein, der seit fünf Jahren in Österreich lebt: „Sie kommen die ganze Zeit. Tag für Tag, zu jeder Zeit. Ich bringe sie dann in die nahegelegene Moschee. Die Italiener machen die Augen zu. Sie sehen die Migranten auf den Bahnsteigen und sagen „Geht jetzt“, wenn der Zug Richtung Österreich einfährt“, erklärt der 30jährige.

Noch reisen die neuen illegalen Einwanderer still und fast unbemerkt Richtung Norden – und sind kein Thema für unsere Medien. Doch lange wird das nicht so bleiben, bis zur Wiederwahl Angela Merkels sind es nur noch wenige Wochen. Dann wird es mit der Geduld und Leidensfähigkeit der italienischen Nachbarn endgültig vorbei sein. Und da Angela Merkel nichts mehr fürchtet, als „schlimme Bilder“ an den Grenzen, wird es mit ihrer Hilfe wahrscheinlich erneut kein Halten für Tausende illegale Migranten aus Afrika geben.

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