„Willkommen“ im Wahlkrampf

Foto: Screenshot
Wahlkrampf der CDU (Foto: Screenshot)

Nichts ist „in diesen Zeiten“ so Kartoffel-Deutsch wie der Wahlkampf. Und alle großen Themen finden überhaupt nicht statt. Stattdessen setzt man auf Plattitüden aus der Mottenkiste.

Von Volker Kleinophorst

Was ich wirklich zum Schreien finde, ob Kommunalwahlen, Landtagswahlen und auch bei der kommenden Bundestagswahl: Auf allen Plakaten im Wesentlichen Bio-Deutsche, Kandidatenkonterfeis mal ausgenommen.

Für mich ein klarer Fall von Rassismus und Ausgrenzung.

Doch kein Verband, niemand der üblichen Verdächtigen beschwert sich, dass kein Afro-Wasauchimmer oder Moslem oder TransMensch oder Flüchtling auf den Plakaten zu sehen ist.

Ich vermisse Slogans wie:

„Für eine Buntes Deutschland – CDUSPDGRÜNELINKE….“

„Weniger Leistung – mehr Inklusion“

„Jeder hat sein Recht auf sein eigenes Geschlecht“

„Islam heißt Frieden“

„Antänzer gegen Nazi-Muff – für eine offene Gesellschaft“,

„Keine Grenzen – Wir machen das“, „Weil wir es wissen – keine Volksabstimmungen“

„Alternativlos – Einfach ist mehr – befreie dich vom Rest (Aldi)“

Wo sind die Großplakate mit:

„Wir schaffen das – und noch viele mehr.“ Deshalb CDU

„Wenn sie wüssten, dass die Deutschen ihre Politik ablehnen, würde Sie die dann ändern?“ „Nein!!!“ Klare Kante Angela – CDU

„Man hat nun schließlich kein Recht auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft für alle Zeiten“ Kopfüber ins Ungewisse – Darum CDU

Stattdessen die mir nun teilweise schon aus der Kindheit bekannten Worthülsen aus der Steinzeit der Parteienwerbung: Familie, Sicherheit, Deutschland…

Möglichst flockig:

Da kommt die SPD mit:

„Das moderne Deutschland. Zukunft – Gerechtigkeit – Europa.“

Grüne:

„Zukunft wird aus Mut gemacht.“ Eine einmaliger Verweis auf die Gestrigkeit der Grünen, stammt der Solgan doch aus dem 1984er Nena-Song „Irgendwie-Irgendwo-Irgendwann, übrigens auch ein perfekter Slogan für die Grünen.

Die FDP inszeniert sich auf Gala-Niveau mit einem Lindner als Hugh Jackman für Arme:

„Denken wir neu.“

Die CDU setzt auf Merkel, die ja die CDU ist, wie die CDU ja Merkel ist…:

„Für ein Deutschland in dem wir gut und gerne leben“

Die Linke:

Keine Lust auf weiter so – Die Linke

Geradezu ein Heerlager der Worthülsen, die Webseiten von CDU und Angela Merkel. Mein Favorit im „originellen“ CDU-Fanshop ist der demnächst erhältliche Schlüsselanhänger „Für eine Politik, die Türen öffnet.“ In schwarz-rot-gold, eigentlich ja nicht die Lieblingsfarben der Kanzlerin.

Wann war es jemals überhaupt Wahlkampfthema, haben wir jemals darüber abgestimmt:

Ob Deutschland ein Einwanderungsland sein soll.

Ob der Islam zu Deutschland gehört (gehören sollte).

Ob die Türkei in EU muss.

Ob wir den Euro wollen.

Ob unser Steuergeld in Griechenland zur Bankenrettung verfeuert wird.

Ob hier unbedingt noch 70 US-Kasernen unter Wind sein müssen.

OB EU und NATO auf Biegen und Brechen erweitert werden müssen.

Ob wir diesen Gender-Quatsch (von dem die meisten immer noch nicht wissen, was das eigentlich ist) wollen.

Ob wir „politisch korrekt“ sein wollen.

Könnte man ja ewig weiterführen, diese Liste.

Mein Liebling:

Ob wir nicht vielleicht doch ganz gerne, die in unserem ach so tollen „Die ganze Welt beneidet uns um unser Grundgesetz“ eigentlich zwingend vorgeschriebene gemeinsame Verfassung inklusive Verfassungsdiskussion, hätten.

Da könnte man alle diese Fragen nämlich wunderbar diskutieren.

Aber alles und natürlich auch die Sache mit der Verfassung wird ja vorsorglich für uns entschieden. Wir können das ja nicht.

Dabei ist es einfach schon eine Frechheit, das Grundgesetz überhaupt Verfassung zu nennen. Eine Verfassung gibt sich ein Volk selbst. Da gibt es nichts, aber auch gar nichts dran zu deuten. Genau so wenig wie das genau dies auf das Grundgesetz nicht zutrifft.

Wahlen sind „in diesen Zeiten“ der demokratischen Einheitsfront ein Blankoscheck für die Politik, die ja in rechtlichen Dingen eh weit über dem Gesetz agieren darf, wie der Europäische Gerichtshof festgestellt hat. Legal, Illegal, scheißegal.

Weil das so absolut spitzenmäßig funktioniert, wird im Wahlkampf traditionell über nichts wichtiges geredet.

Im gemeinsamen Wahlkampfprogramm von CDU und CSU kommt die Flüchtlingspolitik unter „ferner liefen.“ Ist ja eigentlich gelöst. Martin Schulz hat da jetzt zwar kurz mal das Flüchtlingsfass aufgemacht, wird aber schnell merken, dass er und seine SPD in dem Fass selber drin stecken.

Egal, was man wählt, man wählt Merkel.

Das nennt man dann Demokratie.

Hauptsache der Wähler wacht nicht auf.

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.