Soziale Medien: 30 Millionen voll unter Kontrolle

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30 Millionen voll unter Kontrolle (Foto: Pixabay)

Wenn man Google nach den Nutzerzahlen von Facebook Deutschland fragt, erhält man bei allfacebook.de die Auskunft für den 02.06.2017: 30 Millionen offizielle Nutzer. In einem Volk von 80 Millionen.

Von Max Erdinger

Was immer auch offizielle Zahlen von inoffiziellen unterscheidet: Das ist eine Menge. Ein wesentlicher Teil der gesellschaftlichen Kommunikation läuft über dieses soziale Netzwerk. Facebook ist nicht Zuckerbergs kleines Laberstübchen am Hindenburgplatz, sondern ein Gigant, der davon lebt, daß ihm die Kommunikationsfreudigen Zeit widmen. Viele Menschen im Internet plus viel Zeit bei seinem Unternehmen bedeuten jede Menge Werbeeinnahmen für den Giganten.

Der vielgepriesene gesellschaftliche Diskurs findet also nicht mehr im öffentlichen Raum statt, der ja den diskurswilligen Diskutanten und Labertanten gehören würde, sondern auf dem Privatgrundstück von Herrn Zuckerberg. Herr Zuckerberg sagt: „Schaut her, mein Marktplatz ist viel bequemer und größer als der in euren Städten. Da könnt ihr euch doch auch bei mir unterhalten“. Alle denken sich: „Oha, der Herr Zuckerberg ist aber ein feiner Mann, daß er uns so bequeme Marktplätze erfindet. Richtig sympathisch. Da gehen wir hin. Soll er ruhig reich werden damit.“ Nirgendwo steht ein großes Schild, auf dem steht, daß man nur das sagen darf, was dem freundlichen Herrn Zuckerberg gefällt. Das steht in den „Gemeinschaftsstandards“, die so etwas wie die gesammelten Gesetze darstellen, die auf dem Privatgrundstück von Herrn Zuckerberg gelten. Wer sich also zum Zwecke des vielgepriesenen gesellschaftlichen „Diskursierens“ auf das virtuelle Privatgrundstück des Herrn Zuckerberg begibt, verläßt damit das Hoheitsgebiet des Landes, in dem er wohnt. Dort sollte der vielgepriesene gesellschaftliche Diskurs aber eigentlich stattfinden, damit es auch schön demokratisch zugeht. Herr Zuckerberg zieht also Demokraten aus dem öffentlichen Raum ab. Auf seinem Privatgrund verwandeln sie sich in Zuckermännchen und Zuckerweibchen, für die wiederum die Gemeinschaftsstandards gelten und nicht die Gesetze des Landes, in dem sie zuckersüß wohnen.

Gern übersehen wird, daß jemandem, der im öffentlichen Raum gegen das geltende Recht verstößt, genau nachgewiesen werden muß, wie und wann er gegen welche Paragraphen des Rechts verstossen hat. Nicht so bei Herrn Zuckerberg. Auf dem Privatgrundstück von Herrn Zuckerberg reicht der sehr viel allgemeinere Vorwurf, jemand habe pauschal gegen das ganze Gesetzeswerk verstossen. Präzisierungen unnötig. Einsprüche unmöglich. Gemeinschaftsstandards seien schließlich etwas anderes als Gesetze, auch wenn sie wie simulierte Gesetze gehandhabt werden in der virtuellen Welt. Weil das also gern übersehen wird, wird logischerweise auch übersehen, daß es der reale gesellschaftliche Diskurs ist, der sich auf dem virtuellen Privatgrundstück des Herrn Zuckerberg abspielt.

Nun sollte man annehmen, daß eine Regierung der sogenannten freien Welt, welcher die Freiheit der Meinungsäußerung am Herzen liegt, besorgt sein müßte darüber, daß sich der Souverän, der sie zu seinem Interessenvertreter bestellt hat, bei der Ausübung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung den Gesetzen des freundlichen Herrn Zuckerberg unterstellt, wodurch er es eigentlich verliert, auch wenn es sich dabei um ein Recht im Zusammenhang mit dem vielgepriesenen und sehr realen gesellschaftlichen Diskurs handelt. Man sollte also ebenfalls annehmen, daß diese Regierung dann, wenn sich ein Herr Zuckerberg recht schlau schon einen Teil des öffentlichen Raumes zu seinem höchstpersönlichen Vorteil mopst, wenigstens darauf dringen würde, daß er die im öffentlichen Raume geltenen Regeln mit übernimmt. Und zwar aus Sorge um den vielgepriesenen gesellschaftlichen Diskurs, der ja der vielgepriesenen Meinungsbildung dient, auf Grundlage welcher wiederum die vielgepriesenen Wahlen entweder so oder eben anders ausgehen. Falsch gedacht!

Die vielgepriesene Regierung denkt stattdessen etwas völlig anderes. Die denkt sich: „Unternehmen – Wahlfreiheit – niemand muß dort diskutieren – nützlich.“ Nützlich deshalb, weil sie ein großes Ärgernis vom Hals hat: Sie selbst darf keine Meinungen zensieren. Herr Zuckerberg darf. Und die vielgepriesene Regierung denkt weiter: Wenn der Herr Zuckerberg schon Meinungen zensieren darf, ohne daß er ganz konkret nachzuweisen braucht, aufgrund welches Paragraphen genau er das tut, dann könnten wir uns doch den Herrn Zuckerberg praktischerweise zum Freund machen und ihm ein bißchen einsagen lassen, was er so alles zensieren soll, damit auch alles gut beibt zwischen ihm und uns. Genial außerdem: Wir können uns gleich mit hinter seinen schwammigen Gesamt-Gemeinschaftsstandards verstecken, die ihm jeder deutsche Richter, wäre er zuständig, um die Ohren hauen würde. Richter sind nämlich ein genau so ärgerliches Hindernis wie die Rechte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am gottverdammten gesellschaftlichen Diskurs, dem lästigen. Uns ist scheißegal, wohin der vielgepriesene gesellschaftliche Diskurs von den tatsächlichen Marktplätzen aus hingewandert ist. Gut für uns. Das ist die Hauptsache. Da machen wir doch gemeinsame Sache mit dem freundlichen Herrn Zuckerberg und seinem praktischen Kommunikationsunternehmen!?

Wir sehen: Diese Regierung denkt gar nicht daran, der Tatsache Abhilfe zu verschaffen, daß der vielgepriesene gesellschaftliche Diskurs, von dem offiziell ihr eigenes Schicksal abhängt – was sie übrigens ebenso offiziell auch unglaublich gut, demokratisch und freiheitlich finden muß -, nach den Regeln des Herrn Zuckerberg funktioniert, statt nach den Regeln des Staates, auf dessen Hoheitsgebiet das Ganze stattfindet und wo sie eigentlich die Interessen des demokratischen Souveräns zu vertreten hätte. Der Herr Zuckerberg mit seinem virtuellen Privatgrundstück im öffentlichen Raum ist das perfekte Mittel, um den gesellschaftlichen Diskurs selbst zu steuern. Zuckerberg ist der Mann, der freundlicherweise das tut, was die Regierung selbst nicht darf. Kein Grund, ihm das Handwerk zu legen, sondern ein Grund, mit ihm zusammenzuarbeiten.

30 Millionen demokratische Diskursfreudige voll unter Kontrolle. Da staunt man. Unsereiner ist eben lediglich in einer deutschen Bundesrepublik sozialisiert worden, die Kanzlerin allerdings in einer richtigen deutschen und demokratischen Republik. Der Justizminister ist saarländischer Sozialist. Da ist wirklich zusammengewachsen, was zusammengehört: Ein stein- und erfindungsreicher Salonbolschewist, eine DDR-Funktionärin und ein westdeutscher Salonbolschewist. Das Ganze unter der Schirmherrschaft eines milliardenschweren Globalutopisten, dessen Teilnahme am vielgepriesenen gesellschaftlichen Diskurs von niemandem behindert wird. Alle reden sie sich heraus, daß wir freie Marktwirtschaft hätten und daß Zuckerbergs Privatgrundstück im öffentlichen Raum lediglich ein Unternehmen sei, das eben auch wie ein Unternehmen behandelt werden müsse.

Und solche „Argumente“ schluckt er dann, der deutsche Diskursmichel in seiner ganzen Teilhabe am vielgepriesenen gesellschaftlichen Diskurs, anstatt selbstbewußt seiner Regierung die Löffel lang zu ziehen und ihr ein für allemal klarzumachen: Öffentlicher Raum ist immer genau da, wo ich am öffentlichen und vielgepriesenen Diskurs teilnehme, verstanden? Da gelten Gesetze und keine Gemeinschaftsstandards! Das macht ihr diesem Zuckerberg klar oder es setzt was! Haben wir uns? 30 Millionen Stimmen in der demokratischen Kommunikation repräsentieren die Macht des Faktischen und nicht die Definition für „erfolgreiches Unternehmen“. Es wird einem Herrn Zuckerberg klarzumachen sein, daß die reale gesellschaftliche Diskussion auf einem Privatgrundstück stattfindet, auf dem die Gesetze genau so gelten, wie in dem Staatsgebiet, auf welchem sein virtuelles Privatgrundstück steht.

Stattdessen schlafwandelt der teutsche Diskursmichel und murmelt mantraartig vor sich hin: „Facebook ist ein Unternehmen, ein Unternehmen, das Unternehmen, meine Regierung ist meine Regierung, die Regierung, meine Regierung …“. Dabei patscht er sich mit einem hölzernen Kochlöffel stoisch immer wieder auf die Stirn.

Facebook Deutschland ist ein Instrument der Regierung zur Kontrolle der öffentlichen Meinung und zur grundgesetzwidrigen Zensur der öffentlichen Meinung via Mittelsmann geworden. Etwas anderes ist Facebook nicht mehr. 30 Millionen Schlafschafe, die sich einbilden, sie seien Nutzer, sind tatsächlich Benutzte in einem Regierungsputsch gegen Recht und Freiheit.

 

 

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