Michael Klonovsky über „Die Hierarchie der Opfer“

(Foto: Screenshot/Youtube
Die Opfer vom Breitscheidplatz (Foto: Screenshot/Youtube)

Gestern tat ich mir den Tort an, das Buch „Die Hierarchie der Opfer“ von Martin Lichtmesz zu lesen, erschienen übrigens in derselben Reihe wie Rolf Peter Sieferles binnen Rekordzeit zum Klassiker in der Kategorie „Bête noire“ nobilitiertes Opus postumum „Finis Germania“. Der Terminus „Tort“ bezieht sich keineswegs auf den Autor, sondern auf das von ihm sehr erhellend und im besten Sinne aufklärerisch beschriebene, widerwärtige Phänomen.

Von Michael Klonovsky

In seinem Buch widmet sich Lichtmesz einer aktuell herrschenden Form magischen Denkens. Seine Kernfrage lautet: Warum werden zumindest die deutschen Opfer des Massenmords vom Berliner Breitscheid-Platz still und heimlich fast wie Aussätzige verscharrt, kennt niemand ihre Namen, hat der Anschlag nichts mit dem Islam zu tun und darf nicht verallgemeinert werden, während um die Opfer des NSU-Trios – die zahlreichen Fragwürdigkeiten bei der Aufklärung der Mordserie hier ganz beiseite gelassen – ein an den kommunistischen Ostblock erinnernder Kult getrieben wurde, mit live übertragenem Staatstrauerakt im Berliner Schauspielhaus in Anwesenheit der halben Regierung, nationaler Selbstbezichtigung (Merkel: „eine Schande für Deutschland“), Gedenkminuten in Schulen und Betrieben, öffentlichen Lautsprecherdurchsagen im Nahverkehr, Straßenumbenennungen nach den Opfern, Gedenktafeln, uferloser Berichterstattung und ganzen Entschuldigungstitelseiten? Warum wird der eine Massenmord kleingeredet, setzen sofort die Abwehrreflexe ein, man dürfe ihn nicht verallgemeinern, man müsse seiner Instrumentalisierung entgegentreten, während der andere zu einer Art „Mikroholocaust“ (Lichtmesz) stilisiert, ja sakralisiert wird?

Ich sagte: magisches Denken. Aber was heißt das? Es bedeutet, dass ein- und derselbe Ermordete, je nachdem, wer ihn getötet hat bzw. dafür verantwortlich gemacht wird, entweder als säkularer Totem umtanzt oder der totalen Vergessenheit überantwortet werden kann. Ursprünglich galten die Opfer der polizeiintern so genannten „Döner-Morde“, von denen einige Kontakte ins Drogen- und Rotlichtmilieu unterhalten hatten, als gewöhnliche Fälle der Kriminalstatistik – und auch die Art ihrer Ermordung (Schüsse in den Kopf) sprach bzw. spricht für Täter aus diesem Milieu. Kein überregionales Medium und erst recht keine Merkel hätten je vom Tod dieser Menschen erfahren. Bis der magische Moment ihrer Verwandlung in Opfer deutscher Neonazis eintrat. Über Nacht wurden sie Märtyrer, heilige Zeugen gegen die immer noch nicht besiegte deutsche Teufelei. Mit den Tätern saß plötzlich ein ganzes Volk, für diesen kurzen Augenblick der bloßen sozialen Konstruiertheit seiner Existenz enthoben, auf der Anklagebank, dessen politische und mediale sogenannte Vertreter sich einmal mehr routiniert in der Mitschuld (der anderen Deutschen) suhlten. Dieses Ritual beherrschen sie seit Jahrzehnten im Schlaf, ungefähr wie ihre männlichen Vorfahren die MP 40 im Schlaf auseinandernehmen und wieder zusammensetzen konnten, und man würde dergleichen Lippenbekenntniseifer vielleicht sogar noch tolerieren, wenn er alle Gewaltopfer gleichermaßen einschlösse.

Das ist bekanntlich nicht der Fall. Die Ermordeten und Schwerverletzten vom Breitscheidplatz sind den Bekennern so gleichgültig wie die Toten von Nizza. Das Bild des Anfang September 2015 an der Küste der türkischen Stadt Bodrum ertrunkenen syrisch-kurdischen Jungen ging um die Welt und diente den No-Border-Propagandisten als erschütterndes Zeugnis der Unmenschlichkeit von Grenzen, obwohl für den Tod des Kleinen eher sein Vater verantwortlich war, die zehn zermalmten Kinder von Nizza indes nennt niemand, beklagt niemand, erinnert niemand außerhalb des Kreises ihrer Angehörigen.

Als der eritreische Asylbewerber Khaled Idris Bahray am 12. Januar 2015 in Dresden von einem Unbekannten erstochen wurde, versammelten sich die anständig Gebliebenen in der dunkeldeutschen Landeshauptstadt zu Kundgebungen, Mahnwachen und einer Großdemonstration „gegen rechts“, an welcher sogar die Oberbürgermeisterin und der Mörder teilnahmen. Der stern sprach verzückt vom „ersten Pegida-Toten“. Doch auch die schönste Party hat ein Ende; am 22. Januar 2015 gestand ein anderer Asylbewerber aus Eritrea, Bahray im Streit um Geld getötet zu haben. „Sobald diese Tatsache bekannt wurde, sank das mitfühlende Interesse der engagierten Antirassisten am Schicksal Khaleds rapide“, notiert Lichtmesz. „Nichts entlarvt die religiös-ideologische Struktur des antirassistischen Opferkultes gründlicher als dieser Vorgang.“

Natürlich sind den linken Antirassisten bis hinein in die Bundesregierung tote Kanaken ungefähr genau so egal wie tote Kartoffeln. Doch mag ihr Bekennertum auch ein zynisches Theater sein, so hat es doch Methode. Die Hierarchie der Opfer folgt denselben Kriterien, wie wir sie, freilich in XXL, aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts kennen. Den kultisch verehrten Opfern der Nationalsozialisten (denen der Kult freilich gar nicht gilt, denn er ist täterzentriert) entsprechen die vollkommen vergessenen Opfer Stalins, Maos, Pol Pots etc. Letztere standen aus linker Sicht schließlich der Revolution im Wege, und wo gehobelt wird, da fallen Späne, so wie heute viele weiße Europäer der nächsten Etappe des Menschheitsfortschritts schon wieder im Wege stehen und gewisse Kollateralschäden der Umvolkung, die nur erwähnen darf, wer sie gutheißt, eben in den Kauf genommen werden müssen. Das ist der einzige Grund für die Rangordnung der Opfergruppen. Wer als Begleithobelspan des Fortschritts zu Boden fällt, verdient allenfalls ein Achselzucken, wer aber inmitten seines raumgreifenden Emanzipiertwerdens von störrischen Eingeborenen in die ewigen Jagdgründe geschickt wird, ist gebenedeit und wird entrückt in die Sphäre der Heiligen.

Der „Flüchtling“ genießt als revolutionärer Golem den „Status des Unantastbaren“, wie der Publizist Alexander Menschig es nennt. Deshalb, ergänzt Lichtmesz, „wird den Migrations-, Multikulturalismus- und Willkommensbefürwortern ein gehobener moralischer und sozialer Status angeboten, während die Gegner dieser Politik zum menschlichen und gesellschaftlichen Sondermüll erklärt werden, ein Vorgang, den man durchaus als eine Form der psychologischen Kriegsführung interpretieren kann.“ Lichtmesz verwendet dafür den mir bis dato unbekannten Begriff „Gaslighting“, abgeleitet vom Thriller-Klassiker „Gaslight“ (1940). Die bekanntere Neuverfilmung trägt den Titel „Das Haus der Lady Alquist“ und stammt aus dem Jahr 1944; darin wird die von Ingrid Bergman gespielte weibliche Hauptfigur von ihrem Ehemann (Charles Boyer) systematisch in den Irrsinn getrieben, indem er ihr durch allerlei Manipulationen im Haus, unter anderem das ständig flackernde Gaslicht, suggeriert, sie sei nicht recht bei Verstand. „Gaslighting“ beschreibt eine Form des Psychoterrors, der darauf hinauswill, dass das Opfer seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr traut und schließlich seinen eigenen Verstand in Frage stellt. Insofern mag man ein Medium wie die Zeit als das momentane Zentralorgan des Gaslightings beschreiben, aber nahezu sämtliche Medienschaffenden sind, was die keineswegs nur Kollateralschäden der Masseneinwanderung betrifft, in der Pflicht, den Lesern ihre Alltagserfahrungen auszureden. Inwieweit das regierungsoffizielle Gaslighting zur gesinnungsethischen Verwirrtheit einzelner Medienvertreter beiträgt, sei dahingestellt.

Jedenfalls produziert dieses Vorgehen Narren, und an denen herrscht hierzulande, wo führungstreue kollektive Hysterien ja eine gewisse Tradition besitzen, auch in willkommenskulturellen Zeiten kein Mangel. „Als die ‚Flüchtlingskrise‘ im Spätsommer 2015 auf ihren Höhepunkt zusteuerte, geisterte ein Foto durch das Internet, das“, so Lichtmesz, „geradezu zum Emblem für die infantile Regression Deutschlands wurde. Es zeigt drei hübsche junge Frauen, keine zwanzig Jahre alt, die auf dem Frankfurter Hauptbahnhof mit strahlendem, arglosen Lächeln ein handgemaltes Plakat präsentieren: ‚Refugees Welcome‘ stand darauf zu lesen, in regenbogenbunten Farben, verziert mit Sonnen, Herzchen und einem ‚Smiley‘. Generell taten sich junge Mädchen dieser Sorte bei den Empfangskomitees besonders hervor, und man fragt sich, wie sie wohl von den zahllosen jungen arabischen Männern wahrgenommen wurden.“ Nun, mittlerweile kann man es allmorgendlich in den Polizeiberichten nachlesen. Die armen dummen Dinger! Wie unser aller Traumland und Musterbeispiel Schweden zeigt, stehen wir bei der von medialen Gasirrlichtern umflackerten, nicht ganz freiwilligen Horizontalbewillkommnung ja erst ganz am Anfang! Aber auch hier herrscht eine Hierachie der Opfer, insofern weiße Frauen, die von Muslimen und anderen Einwanderen vergewaltigt werden, in die Kategorie der erwähnten Hobelspäne fallen.

Und bei unserem nördlichen Nachbarn wird kräftig gehobelt. Schweden ist gewissermaßen das irdische Paradies für Vergewaltiger aus dem Orient (vielleicht der Grund, warum dort Anschläge mit Dschanna-Ticket bisher ausgeblieben sind?) Lichtmesz schildert einige veritable Höhepunkte – für die Gesamtschau bedürfte es längst eines Enzyklopädisten – aus tausendundeiner schwedischen Nacht: „Im Dezember 2011 wurde eine 29jährige zweifache Mutter in Mariannelund von einer zwölfköpfigen Gruppe Afghanen aus einem lokalen Flüchtlingsheim sieben Stunden lang auf nur jede erdenkliche Weise geschändet, wobei sie zeitweise von drei Tätern zugleich penetriert wurde, während ihre johlenden Kumpane das Opfer als ‚Hure‘ und ‚Schlampe‘ beschimpften. Als Folge der Tat sitzt die Frau heute im Rollstuhl und muß Windeln tragen. (…) Im Oktober 2016 vergewaltigten fünf afghanische Teenager, asylwerbende ‚UMA‘, einen 14jährigen schwedischen Jungen in den Wäldern von Uppsala. Das Gericht lehnte eine Abschiebung der Täter ab, weil sie von der unsicheren Lage in Afghanistan ‚hart getroffen’ werden könnten. (…) Im selben Monat wurde eine behinderte, auf den Rollstuhl angewiesene Frau in einem Flüchtlingsheim in Visby von sechs Migranten vergewaltigt. (…) Im Januar 2017 wurde bekannt, daß eine Gruppe syrischer Flüchtlinge in Malmö eine schwedische Frau gekidnappt und im Keller eines Wasserpfeifenladens in Helsingborg angekettet und stundenlang vergewaltigt hatte.“ Man muss sich immer wieder ausmalen, was für ein Empörungsorkan losbräche, wenn die Opfer Migrantinnen und die Täter Einheimische wären.

Über all diese Opfer, deren Gesamtzahl längst in die Tausende geht, hört man fast nie ein Wort. Es handelt sich zwar um Kriegsszenen, die Vergwaltigungen sind eine Form des Beutemachens und der symbolischen Landnahme, der Angriff richtet sich sowohl gegen die Integrität der einheimischen Frauen als auch der Männer, die sie nicht schützen können oder, wenn sie es doch tun, mit staatlichen Verfolgungsmaßnahmen rechnen müssen, denn die einheimische Oberschicht macht aus Gründen der politischen Korrektheit gemeinsame Sache mit den in doppelter Hinsicht Eindringlingen. Keine dieser Taten habe dazu geführt, resümiert Lichtmesz, „daß das politisch korrekte Narrativ grundsätzlich in Frage gestellt wurde“. Damit ein multimediales Geplärr anhübe, müssten die Täter weiße Anhänger der Schwedendemokraten sein, wie es der 2004 gen Paradies entrückte Autor Stig Larsson, Kommunist und Feminist, in seiner „Millenium“-Trilogie, „einer Art linker Feindbild-Porno“ (Lichtmesz) über einen Clan sadistischer frauenhassender Vergewaltiger und Serienmörder, allesamt weiß und christlich, herbeiphantasierte. „Als die Schwedendemokraten im September 2014 bei den Parlamentswahlen einen erheblichen Stimmenzuwachs verzeichneten, schrieb der Stockholm-Korrespondent der Zeit allen Ernstes, dass ‚Stig Larssons Albtraum‘ in Gestalt von Jimmie Åkesson ‚wahr geworden‘ wäre (…) Während also der Heiligenstatus des Migranten ungeachtet seiner Taten unangetastet bleibt,  gilt ein Politiker, der die Migrantengewalt nicht zuletzt gegen Frauen beenden will, als Verkörperung von Larssons serienmordenden Frauenhassern.“

Merke denn also: Rassist ist, wer die Vergewaltigung anzeigt. Der antiweiße Linke hat sein Ziel erreicht, wenn der eingewanderte Vergewaltiger als freier Mann den Gerichtssaal verlässt, während der Publizist, der seine Ethnie zu erwähnen sich erfrechte, bestraft wird.

Ziehen wir an dieser Stelle den Vorhang zu und lassen wir die Nachfahren Gustav Adolfs uns in ihrem unfassbaren Glück vorauseilen. Heja Sverige! Aber wir sind euch auf den Fersen!

Martin Lichtmesz: „Die Hierarchie der Opfer“,  94 Seiten, Antaios (bestellbar hier).

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