Hilft Google Merkel im Wahlkampf?

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Merkel und Google - das Dreamteam (Foto: Collage)

Google und Angela Merkel verbindet ein langes freundschaftliches Verhältnis. Kritiker beschuldigen Google, konservative Inhalte bei den Suchergebnissen zu benachteiligen. Kann der Internet-Riese den deutschen Wahlkampf beeinflussen?

Von Collin McMahon

In seinem am 4.7. in USA erschienenen Bestseller “Dangerous” behauptet der konservative Provokateur Milo Yiannopoulos, Internetdienste wie Twitter, Facebook und Google würden in den USA konservative Webseiten und Ergebnisse zensieren oder benachteiligen.

Im Falle von Google verweist Yiannopoulos auf die Tatsache, dass Google-Chef Eric Schmidt Barack Obama und Hillary Clinton im Wahlkampf unterstützt habe. Ähnlich wie Google und Angela Merkel, die auch Google+ Hangouts gemacht hat und damit Werbung für Google+ gemacht hat, dem Dienst, der sich gegenüber anderen Social-Media-Kanälen wie Facebook und Twitter nicht durchsetzen konnte.

Yiannopoulos belegt seine Behauptung mit dem Beispiel, dass man in der Autocomplete-Funktion bei Google andere Ergebnisse erhält als z.B. bei Yahoo!, dass z.B. bestimmte Begriffe nicht autocompleten wenn sie Hillary Clinton kritisieren. Google begründet dies laut Yiannopoulos mit der Erklärung, man filtere Beleidigungen und persönliche Angriffe, aber dies scheine bei konservativen Politikern nicht der Fall zu sein. Zum Suchbegriff „Donald Trump“ bekomme man jede Menge negative Stichworte in der Autocomplete-Funktion vorgeschlagen.

In Deutschland kann man dieses Experiment wiederholen. Gibt man z.B. bei Yahoo! und Google “Afd sch” ein, so kommt im Autocomplete bei beiden an oberster Stelle “AfD schiessbefehl”. Gibt man “Gauland ra” ein kommt bei beiden als meistgesucht “Gauland rassist”.

Gibt man jedoch bei Google „Merkel ver” ein, kommen bei Google Autocomplete an erster Stelle „Merkel verdienst”, „Merkel vermögen” oder „Merkel verheiratet”. Bei Yahoo! dagegen sind es die Begriffe „“Merkel vertrauensfrage”, “Merkel verrat”, “Merkel verarsche” und „Merkel verrückt”.

Bei den Google-Suchergebnissen fällt Lesern der alternativen Medien schon länger auf, dass sehr erfolgreiche konservative Webseiten wie Tichys Einblick, Achse des Guten oder JouWatch selten oder nur weit hinten in der Google-Ergebnisliste zu finden sind, obwohl sie mittlerweile viele Millionen Zugriffe im Monat haben. Tippt man „Achgut“ in die Google Autocomplete-Funktion ein, landet man statt auf der Achse des Guten auf der Wikipedia-Seite zum Broder-Blog, wo die „Achse“ als „islamfeindlich“ eingestuft wird.

Sucht man ein Thema, das nur durch alternative Medien publik geworden ist und national Wellen geschlagen hat, so wie die G20-Menschenjagd auf unschuldige Journalisten durch den entlassenen Zeit-JournalistenSören Kohlhuber“, kommen bei der Google-Suche als erstes dessen Twitter-Seite und das linksextreme Antifa-Blog Indymedia, erst auf den hinteren Seiten kommen die Beiträge von JournalistenWatch, die den Skandal erst enthüllt haben und bis zu 10.000 Mal gelesen wurden.

Im Jahre der „Flüchtlingskrise“ 2015 wurde mitgehört, wie Angela Merkel bei einer UNO-Veranstaltung Facebook-Chef Mark Zuckerberg aufforderte, etwas gegen Kritik an ihrer Politik im Netz zu unternehmen. Bundesjustizminister Heiko Maas forderte drei Tage nach der Verabschiedung seines u.a. von der UNO und EU kritisierten Netzwerkdurchsetzungsgesetzes durch den Bundestag eine „Digitalagentur“, die sich in die Algorithmen von Google, Facebook und anderen Unternehmen einmischen soll. Konservative Medien in den USA sprechen bereits von „Angela Merkels Krieg gegen die Meinungsfreiheit“ .

Google-Sprecher Ralf Bremer sagte uns dazu: „Google hat noch nie und zu keinem Thema die Anordnung seiner Suchergebnisse verändert, um die Meinung der Nutzer zu manipulieren. Es gibt insbesondere auch keine Eingriffe in das Ranking, die auf Wahlen oder politische Kandidaten abzielen. Von Anfang an verfolgte die Google-Suche das Ziel, unseren Nutzern stets die relevantesten Antworten und Ergebnisse zu liefern. Es würde das Vertrauen der Menschen in unsere Ergebnisse und unser Unternehmen untergraben, wenn wir von diesem Grundsatz abrücken würden,“ stellt Bremer zurecht fest.

Scheinbar im Widerspruch zu dieser Aussge steht jedoch das im April von Google angekündigte Project Owl (Eule), mit dem „minderwertiger Content“ aus den Suchergebnissen verbannt werden soll. SearchEngineWatch schrieb dazu im Mai: „Im November 2016 wurde Donald Trump zum Präsidenten gewählt. Viele Leute wunderten sich darüber und gaben sog. Fake News die Schuld. Sie verlangten, dass etwas dagegen getan werde. Und wer sollte das sonst tun außer Facebook und Google? Ta-da: Project Owl!… Aber Google beschreitet damit einen sehr schmalen Grat: Denn wenn Suchmaschinen sogenannte Fake News herausfiltern, ist das 1.) ein Verstoß gegen die Meinungsfreiheit und 2.) eine Bevorteilung bestimmter Medien gegenüber anderen.“

Wie genau „minderwertiger Content“ zu definieren sei, ist schließlich offen. Trifft dies auf CNN zu, wenn sie Journalisten wegen Fake News entlassen müssen? Auf deutsche Medien, die ein „Handshake-Gate“ um Donald Trumps Polen-Besuch erfinden? Am 21.07 hat eine Studie der Hamburg Media School über „Die Flüchtlingskrise in den Medien“ kritisiert, „dass große Teile der Journalisten ihre Berufsrolle verkannt und die aufklärerische Funktion ihrer Medien vernachlässigt haben. Statt als neutrale Beobachter die Politik und deren Vollzugsorgane kritisch zu begleiten und nachzufragen, übernahm der Informationsjournalismus die Sicht, auch die Losungen der politischen Elite.“

Zuvor hatte die ARD schon zugeben müssen, Bilder von Flüchtlingsfamilien und Kindern manipulativ eingesetzt und Aufnahmen von „Refugees Welcome“ Demos gefälscht zu haben. Wenn in Deutschland heute über Donald Trump, Brexit, Viktor Orbán, Israel oder die AfD berichtet wird, ist es schwierig ein Medium zu finden, das nicht offen, offensiv und voller Stolz voreingenommen und einseitig berichtet. Wie und wer definiert also, welcher Content „minderwertig“ ist?

Wir fragten Google-Sprecher Ralf Bremer, ob regierungskritische Ergebnisse bei Google Autocomplete anders behandelt würden: „Nein. Die automatische Vervollständigung wird algorithmisch auf Basis des Suchverhaltens vieler Nutzer bei Google generiert. Die Vervollständigungen werden auf Grundlage von Faktoren wie der Häufigkeit und Aktualität der Suchbegriffe generiert.“ Die Ergebnisse würden nicht politisch beeinflusst, es gebe keine Absprachen mit Behörden in Deutschland.

Dem entgegen steht der Bericht von Meedia, laut dem einige automatische Zusatzbegriffe eliminiert werden die zwar häufig geklickt werden aber als nicht näher definierte „Hassrede“ zensiert werden. Tippt man aktuell auf Yahoo! „Angela Merkel ist“ ein, kommen als erstes die Ergebnisse „Angela Merkel ist jüdin“ (der Autor distanziert sich ausdrücklich von allen antisemitischen Kommentaren!), „Angela Merkel ist tot“, „Angela Merkel ist verrückt“ und „Angela Merkel ist der krise nicht mehr gewachsen“.

Auf Google sind es „Angela Merkel ist wahnsinnig“,„Angela Merkel ist wo geboren“, „Angela Merkel ist tot“ und „Angela Merkel ist schwanger“ – eine abwegige Vorstellung, auf die wir hier nicht näher eingehen wollen, die den Google-Algorithmus aber scheinbar mehr interessiert als „Angela Merkel ist der krise nicht mehr gewachsen“.

Wir haben Google um eine Stellungnahme zu den Artikeln von Meedia und SearchEngineWatch gebeten. Google verwies uns auf diesen Blog von Ben Gomes, in dem die gängige Praxis auf Englisch erläutert wird.

Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti“) und Übersetzer („Gregs Tagebuch“). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump. Bei Verlagsinteresse bitte Zuschrift.

 

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