„Merkel et Macron“ – der gemeinsame Weg ins Nirgendwo

Foto: Collage
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Es gab Zeiten, da haben sich Deutsche und Franzosen gehasst. Und es war eine lange, lange – wirklich lange Zeit. Und viele tun es heute noch. Wie sehr sich Frosch-  und Krautfresser hassten, symbolisiert der deutsche Ausdruck „Erbfeind“, der das (ehemalige) Verhältnis beider Länder mit einem Wort trefflich umschrieb. Die Konflikte beider Länder in der Geschichte, die sich über 600 Jahre hingezogen haben, konnten durch keinen der vielen Kriege gelöst werden. Dass sich Franzosen und Deutsche nicht leiden konnten, lag offensichtlich in der Natur; vererbte Feindschaft eben!

Von Klaus Peter Schäfer

Heute ist das anders. Hand in Hand gehen Angela Merkel und Emmanuel Macron ihren Weg in die gemeinsame Zukunft. Wo dieser Weg hingeht, wissen beide nicht, aber das wird auch nicht gefragt. Hauptsache es geht „volle Kraft“ voraus. Dass die Vollgasfahrt auch einmal schnell in die Hose gehen kann, kennen wir aus der Geschichte der Titanic. Wenn Verantwortungsträger blind vor Geltungssucht die Gefahren ignorieren, vor denen andere warnen.

Wie Frankland und Deutschreich Europa und das Weltklima retten

 Das Problem „Weltklima“ ist ein großes Thema zwischen Merkel und Macron. Beide stehen hinter dem Pariser Klimaabkommen. Die Rettung des Klimas und damit der ganzen Menschheit liegt also in den Händen Merkels und Macrons, die zusammen den neuen „Geist der Zuversicht“ geschaffen haben. Dass Deutschland sein CO2-Budget, das uns laut Pariser Klimaabkommen für dieses Jahr zusteht, bereits im April „verbraucht“ hatte, spielt da keine Rolle. Man muss sich ja nicht selbst an die Abkommen halten, Hauptsache man kann Hand in Hand andere Klimaschädlinge denunzieren. Linksliberale Journalisten aus ganz Europa bejubeln Emmanuel Macron und vergessen dabei, dass er Finanzdirektor im öffentlichen Dienst bei der Inspection des Finances war und damit Mitglied der einflussreichsten Abteilung des französischen Finanzministeriums war. Das ist aber nicht so wichtig, genauso wie seine neoliberalen Reformen, die zunächst aber warten müssen. Erst muss Emmanuel seine Hausaufgaben machen, den „Euro-Deal“ abschließen. Dann kann er sich seiner Arbeitsmarktreformen widmen und zusammen mit unserer Kanzlerin, die dann aber vielleicht keine mehr ist, ganz Europa mit dem französisch-deutschem Reformpaket zukleistern.

Noch glauben die Kanzlerin und ihr französischer Dackel, dass die Menschen „mehr Europa“ wollen. Macron will etwas mehr gemeinsames Militär, Merkel will etwas mehr Freihandel. Aber: Mehr Europa wollen die Menschen nur, wenn sie mehr Gerechtigkeit erfahren würden, einen sicheren Arbeitsplatz mit Perspektiven hätten und mehr Demokratie spüren würden. Nur dann, wenn sich die Kanzlerin und der Staatspräsident nicht wie Götter benehmen würden. Denn sonst laufen sie Gefahr, dass das Europa, das sie schaffen wollen, genau das Europa ist, das die Europäer nicht wollen.

Wahlkampfunterstützung von Links

 Zusammenfassend kann man sagen, dass sich wohl in naher Zukunft nicht viel ändern wird. Der einzige große Vorteil – zumindest für die Kanzlerin – ist die indirekte „linke“ Unterstützung für ihren Wahlkampf. Denn es ist schon nicht schlecht, wenn linksliberale Journalisten der Kanzlerin zutrauen, zusammen mit Marcon Europa auf einen besseren Weg bringen zu können. Dass dieser Weg und die Ziele gar nicht genau definiert werden, ist ein weiterer kluger Schachzug. Das ist gerade so, als ob man in den Urlaub fährt, ohne ein Ziel zu nennen. Denn egal, wo man landet. Man hat sich wenigstens nicht verfahren!

Wandere aus, solange es noch geht!
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