Kulturbruch mit Sturzgeburt

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Die Schwulen in Deutschland haben eine große Lobby (Foto: Durch wavebreakmedia/Shutterstock)

In seinen wundersamen „Kindergeschichten“ erzählte Peter Bichsel von einem alten Mann, der einsam und gedankenverloren in seiner Kemenate vor sich hin sinnierte und eines Tages auf einen seltsamen Gedanke verfiel. Warum, so fragte er sich, heißt der Tisch eigentlich Tisch, der Stuhl Stuhl, das Bett Bett, das Bild Bild? Und bei all diesem Fragen dämmerte ihm, warum ihm der Alltag so trostlos, so nutzlos erschien. Der alten gewohnten Welt überdrüssig, sehnte er sich nach einer Welt mit einer Sprache, in der die alten Begriffe neue Inhalte vermittelten. Ja, das schien ihm die Lösung zu sein!  Und so begann er, für sich eine neue Welt zu schaffen. Aber wie, fragte er sich? Nach einer Weile fand er die Lösung: Alle Dinge müssen neue Namen bekommen! Und so machte er sich ans Werk. Fortan nannte er das Bett nicht mehr Bett, sondern „Bild“, den Stuhl nicht mehr Stuhl, sondern „Wecker“, das Bild nicht mehr Bild, sondern „Tisch“.

Satirisches von Eric Beyer

Wenn der alte Mann abends müde wurde, so legte er sich nicht mehr ins Bett, sondern ins Bild. Die neue Art zu sprechen, weckte in ihm Glücksgefühle und ein neues unbekanntes Wohlbehagen! Seine neue Welt verdrängte die alte Welt mehr und mehr und die neue Sprache schaffte eine Ordnung, die vom Alltag aller anderen Menschen abwich, ihn selbst aber mehr und mehr zufriedenstellte.

Eine ähnlich wundersame Geschichte, wie der alte Mann sie einst erlebte, und dadurch zu einem unverhofften Glück fand, bescherte uns der Deutsche Bundestag am letzten Sitzungstag vor den Parlamentsferien im Lutherjahr 2017.

Die Volksvertreter lösten an jenem Freitag, dem 30.Juni, holterdiepolter, oder wie es Erika Steinbach ausdrückte „in einer Art Sturzgeburt“, ein gesellschaftliches Erdbeben aus. Sie schufen ein neues Gesetz: Bisher verstand jeder unter dem Begriff „Ehe“ das Zusammenleben von Mann und Frau, jetzt sollte „Ehe“ auch das Miteinander von Lesben und Schwulen sein – und das ohne das Volk zu befragen. Ein politischer Handstreich! Aber was sollʼs, 393 sagten JA und 226 sagten NEIN zur „Ehe für alle“. Basta!

Volker Beck, ein Grüner Anführer, konnte sich vor Glück nicht halten, hatte er doch als Stellwerker auf der politischen Geisterbahn die falschen Weichen gestellt und den Zug der Zeit auf ein Nebengleis bugsiert, wo er vor einem Prellbock zum Stehen kam – bis, ja bis Volker das Signal für die Weiterfahrt auf Grün stellen wird: die Vielehe! Unsere Moslems freuen sich: Mit welchem Recht wollen ihnen die Parlamentarier (und künftig auch den „fortschrittlichen“ deutschen Männern) je vier Frauen verweigern, wenn anders gepolte in den Ehestand wechseln dürfen?

Jahrelang hatte der unbeugsame Volker (oder müssen wir sagen „die unbeugsame“?) für die geschlechtliche Gleichstellung gekämpft  Beistand leistete ihm der flotte Klaus Wowereit (oder müssen wir sagen „die flotte“ Klausin?), der mit dem Halbsatz „Und das ist auch gut so“ Geschichte schrieb? Mit der „Ehe für alle“ taumelt die genderberauschte grün-rote Gemeinde in das neue alte Leben, das laut Tucholsky immer enttäuschend endet: „Die Ehe war zum größten Teile verbrühte Milch und Langeweile“. Oder ist das nur Dichtung?

Nach der erfolgreichen Abstimmung im Bundestag tanzten die Grünlinge im Flitterregen. Unter ihnen besonders hingebungsvoll Claudia Roth, die mit der blonden Schüttelfrisur, und Katrin Göring-Eckardt, die aus Friedrichsroda, einst Mitglied der EKD-Synode. Sie wagte ein Tänzchen mit erhobenen Armen, was dem Ganzen sogar eine gewisse Weihe gab. Und die EKD-Pastoren sehen eine neue Einnahmequelle durch „Homo- und Lesben-Trauungen“ aufblühen. Die Kirchenkasse füllt sich. Scherflein kommt zu Scherflein, auch wenn die Gläubigen dem sonntäglichen Gottesdienst fernbleiben.

Kurz und gut: Wir durften am letzten Freitag im Juni 2017 eine kafkaeske Verwandlung unseres Miteinanders via TV miterleben, die Norbert Geist mit dem revolutionären Wort „Kulturbruch“ belegte – zu Recht:

  • Das große Narrativ der Menschheit, das mit Adam und Eva, also mit Mann und Frau, begann, ist passé. Katrin und Claudia oder Volker und Klaus hätten der Menschheit ein Weiterleben nicht garantieren können („Holla-di-hiti“ jodelt Otto Waalkes).
  • Passé ist auch die Ansicht der alten Römer, die unter heiraten „zur Mutterschaft führen“ (in matrimonium ducere) verstanden.
  • Auch mit dem Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare lässt sich in der „Ehe für alle“ der Mangel nicht beheben (aber für Päderasten oder Pädophile öffnet sich eine Hintertür).
  • Die kulturhistorische römische Basis ist bei Germanen und Griechen ähnlich. Dabei nannten Sozis, Grüne und Linke, noch vor kurzem die Ehe eine „lebensfeindliche Einrichtung“ und wollten sie ganz abschaffen.

Die Pädophiliedebatte, bei der Tabubrecher Cohn-Bendit in den 80er und 90er Jahren so schwere Blessuren erlitten hat, weil die Öffentlichkeit Straffreiheit für Pädophiliehandlungen ablehnte. Diesmal waren die Grünen gewitzter, überrumpelten jeden Einwand, schalteten mit Dringlichkeitsanträgen öffentliche Debatten aus  –  und erreichten, was sie wollten.

Nun leben wir in einer neuen Welt, wie der alte Mann bei Peter Bichsel. In dieser Wunschwelt der Grünen, Roten und Linken wäre Alexandra mit ihrem Lied vom „Zigeunerjungen“ als Nazi-Göre diskreditiert worden.

Wir sagen also nicht mehr Zigeuner oder gar Zigeunersauce, nicht mehr Eskimo, nicht mehr Mohrenköpfe oder Negerküsse, nicht mehr Dakota, nicht mehr Russische Eier, nicht mehr Kameruner – das alles und vieles mehr ist Nazi-Jargon, Diskriminierung von Menschen und Völkern.

Wieder einmal lehrt Deutschland, wie die Welt zu denken und zu sprechen hat. Als besonders fortschrittlich erweist sich die Leipziger Universität. Dort gilt nicht mehr das Schrägstrichwort Professor/Professorin, dort gebraucht man das sogenannte generische Femininum und sagt „Herr Professorin“, um der Gender Equality zu genügen.

Wer nun zum Schluß der Narretei wissen will, wie die Geschichte bei Peter Bichsel ausging:

Der alte Mann kaufte sich blaue Schulhefte und schrieb alle die neuen Wörter auf. So hatte er eine Sprache gefunden, die ihm ganz allein gehörte. Die alte vergaß er mehr und mehr. Und mit der Zeit konnten ihn die Leute und er die Leute nicht mehr verstehen. Und deshalb sagte er nichts mehr, sprach nur mit sich selbst, grüßte nicht einmal mehr.

Ist das nicht lustig?

 

 

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