Abt. Wölfe & Schanzen: Geschichtsbücher umschreiben!

Mit Ketten gesichert: Elektrische Reichsrechenmaschine der Außerordentlichen Sozial Unterhaltungs Spezialeinheit (ASUS) (Foto: Pixabay)

Mißtrauisch beäugen die Sicherheitsleute vor dem Eingang zur Facebook-Zentrale in Berlin einen gebeugten, sehr alten Mann, der langsam auf sie zuhinkt. Er kichert und murmelt ständig etwas vor sich hin. Sie können nicht verstehen, was es ist. Erst, als der Alte bis auf fünf Meter herangekommen ist, wird sein kicherndes Gemurmel deutlich. „Nix getroffen, Schnaps gesoffen, Zucker geschleckt und scheinverreckt …“, plappert der Alte in Dauerschleife vor sich hin und zittert dabei rhythmisch mit seinem Gehstock.

  • „Halte er ein, Alter! Wer ist er und was ist sein Begehr?“
  • “ … Zucker geschleckt und scheinverreckt …“
  • „Wer er ist, wollten wir wissen. Ein Facebooker wird er wohl nicht sein, haben wir recht?“
  • “ … nix getroffen, Schnaps gesoffen …“
  • „Er wollte es nicht anders: Durchsuchen wir ihn. Aha, was haben wir denn da? Einen Reichsbürgerausweis. Herr Claus Schenk Graf von Stauffenberg … donnerlittchen. Uralter Adel! Das könnte Ärger geben. Entschuldigen Sie, daß wir Sie aufgehalten haben, Herr von Stauffenberg! Wir hatten ja keine Ahnung. Passieren Sie! Die Dame am Empfang wird sich umgehend Ihres Anliegens annehmen …“
  • “ … scheinverreckt.“
  • „Guten Tag und herzlich Willkommen in der wunderbaren Facebook-Welt, Herr … moment, ich lese gerade die message von der Security am Entrance … Claus Schenk Graf von Stauffenberg! Was kann ich für Sie tun?“
  • „Schluß mit scheinverreckt. Ich hätte gerne ein Fäisbuckprofil zur Veröffentlichung meiner Ansichten. Meine Enkel und Urenkel haben leider keine Zeit, mir eines einzurichten. Selbst komme ich mit der Schoßobentechnik nicht zurecht. Ob Sie wohl so freundlich wären?“
  • „Und deswegen, Herr Clausgrafschenkvonstauffenberg, haben Sie den ganzen weiten Weg von Jettingen Königreich Bayern bis zu uns nach Mörkl-Berlin auf sich genommen? Sie celebraten im Herbst immerhin Ihren 110ten Geburtstag … wie ich … äh … der message von der Security am Entrance entnehme!“
  • „… Zucker geschleckt … äh … ja, in der Tat, das habe ich. Mit dem modernen Transreichs-Hochgeschwindigkeits-Schnellzug in der ersten Klasse ist das kein Problem gewesen. Es lebe das eilige Deutschland! … nix getroffen …“
  • „Ja dann … würde ich sagen, reichen Sie mir doch einfach einmal Ihre … äh … Schoßobentechnik über den Tresen, Herr Schenkvonclausgrafenberg …“
  • „… scheinverreckt. Hier bitteschön. Seien Sie vorsichtig. Es ist noch ein Gerät vom Reichspropagandaamt. Von der Außerordentlichen Sozial Unterhaltungs Spezialeinheit (ASUS). … Schnaps gesoffen …“
  • „Gut … dann wollen wir mal … Ihr Name war … wie … Clausvonschenkstauffgrafenberger …“
  • „Claus Schenk Graf von Stauffenberg, wenn ich bitten darf … Zucker geschleckt …“
  • „Das hätten wir, Herr von Stauffengraf … berger. Ihr Geburtsdatum war der … moment … 15.11.1907, ist das richtig?“
  • „… nix getroffen. Jawohl, das stimmt. Schnaps gesoffen …“
  • „Haben Sie Hobbies, Herr … Sie wissen schon?“
  • „… Zucker geschleckt. Was sind Hobbies, verehrtes Fräulein? … scheinverreckt.“
  • „Hobbies sind … wie expressed man sich da … Vorlieben. Hobbies sind Vorlieben! Das ist es, was sie sind: Vorlieben, Herr von …. eigentlich mehr: Tätigkeiten, die man mit Vorliebe performt … also … äh … ausübt.“
  • „Vor allem liebe ich mein Vaterland, tragen Sie das ruhig ein, verehrtes Fräulein vom Amt … Zucker geschleckt …“
  • „Soll ich es in Ihren Privatsphäre-Einstellungen so einrichten, daß nur Sie selbst das lesen können, Herr von Schnk …grfstff … brg?“
  • „… nix getroffen. Wie meinen? Ich soll mir eine Notiz zu meiner eigenen Erinnerung machen … äh … lassen? Auch wenn ich schon alt bin, verehrtes junges Fräulein: Der einzige Termin, den ich manchmal vergesse, ist die Maniküre bei der Walküre. Wegen meiner Hornhaut. Vererbte Erbadelserkrankung, wissen Sie …nein, nein … machen Sie meine Vorliebe ruhig so, daß sie auch jeder sehen kann, der mich auf meiner Fäisbuckprofilseite besuchen kommt…. Schnaps gesoffen …“
  • „Moment, Herr …. ich schicke kurz eine Message an die Security vom Entrance … die Herren werden sich dann weiter um Sie kümmern. Guten Tag!“
  • „… scheinverreckt. Ob ich wohl meine elektrische Reichsrechenschoßobenmaschine zurückhaben könnte? Ich würde Sie ungern hier bei Ihnen zurücklassen. Geleiten mich die Herren von der Sicherheitswachtstaffel am Eingang zu einem Spezialvorliebenspezialisten hier im Hause? … nix getroffen …“
  • “ …………………. „
  • „Er, der Alte dort, packe er sein altes Gerümpel und verpfeife er sich, auf daß unsereiner ihm nicht noch Beine machen muß!“
  • “ … Schnaps gesoffen. O tempora, o mores … Zucker geschleckt …“

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