10 Fragezeichen zu Bitcoins: Wie viel Substanz steckt hinter dem Hype mit den Digitalwährungen?

Bitcoin (Bild: BTC Keychain; Bitcoin GreenFlare_IMG_8289; CC BY 2.0; siehe Link)
Bitcoin (Bild: BTC Keychain; Bitcoin GreenFlare_IMG_8289; CC BY 2.0; siehe Link)

Nachdem es bei Bitcoin eine Kompromisslösung gab für das Kapazitätsproblem der Währung und die Aufspaltung des Betreibernetzwerkes vom Tisch zu sein scheint, sind die Preise der Digitalwährung in dieser Woche wieder gestiegen. Wie Thomas Glucksmann, Marketingleiter der in Hong Kong ansässigen Bitcoin Börse gegenüber Bloomberg meinte, sind „die Investoren positiv gestimmt“ aufgrund der gefundenen Lösung. Die Frage ist nun, wie sich Bitcoin weiter entwickeln wird und ob diese wie auch andere Digitalwährungen wie Ethereum ihrem Versprechen gerecht werden können sich zum „Edelmetall des 21. Jahrhunderts“ zu eentwickeln.

Von Ingmar Blessing

Neben der Endlichkeit an Bitcoins, sie werden anhand eines Algorithmus berechnet und jede Neuberechnung ist etwas komplizierter als die vorige, besteht eine der Errungenschaften der Währung darin, dass jede vorige Transaktion in die Signatur des Bitcoins quasi eingebrannt ist. Bislang lag die maximale Anzahl an speicherbaren Transaktionen bei 3.000, allerdings wurde aufgrund der Beliebtheit der Währung der Platz etwas knapp. Die Lösung dafür, von einigen Entwicklern als fauler Kompromiss bezeichnet, wurde diese Woche umgesetzt. Es kann also weitergehen.

Aktuell kostet ein Bitcoin knapp 2.000 Euro und wer sich vor Beginn des ersten Hypes darum mit welchen eingedeckt hat – und sie zwischen drin nicht verkauft oder verloren hat – der dürfte heute ein ziemliches Lächeln auf dem Gesicht haben. Einige behaupten bereits, dass die Währung schon bald die Millionenmarke knacken und damit zum ultimativen Anlagegut aufsteigen wird und einige Euphoriker aus der staats- und damit zentralbankkritischen Ecke können ihre Freude über Bitcoins kaum noch zurückhalten.

Die Vorteile von Bitcoins – also jene jenseits des aktuellen Kaufrausches – sind nicht von der Hand zu weisen. Dank der Blockchain Technologie können Bitcoins sehr sicher gehandelt werden. Die Transaktionskosten sind genauso vernachlässigbar oder gar noch geringer als bei Geldscheinen, zumal sie nach Belieben geteilt werden können, ohne dass dabei etwas verloren geht. Dank des Internets als dezidiert dezentral konzipiertes militärisches Netzwerk zur Vermeidung eines Totalausfalls besteht eine hervorragende technologische Grundlage für den Handel mit Digitalwährungen und nicht zuletzt ist dank der weltweiten Vernetzung ein Markt von einer Größe möglich, der viele bestehende und potenzielle Nachteile von Bitcoins und anderer Digitalwährungen nichtig machen könnte. Ähnlich, wie es heute beim US Dollar und seiner absolut dominanten Rolle in der Welt der Fall ist. Die Potenziale sie sind eindeutig da.

Etwas weniger enthusiastische Zeitgenossen dagegen weisen auf die Schwächen von Bitcoin und anderen Digitalwährungen hin, die ihren ultimativen Aufstieg zum Allgemeingut noch verhindern könnten. Es gibt tatsächlich noch einige Fragezeichen hinter dem Konzept, die im derzeitigen Kaufrausch aber nur zu leicht übersehen werden.

  1. Auf dem Markt für Bitcoins gibt es ein Angebotsoligopol. Die Hälfte aller etwa 13 Millionen Bitcoins befinden sich im Besitz von weniger als 1.000 Personen. Diese verfügen über eine entsprechende Macht zur Beeinflussung der Preise, indem sie den Markt in kurzer Zeit fluten können. Solche Situationen kamen in der Vergangenheit auch immer wieder vor und sorgten für einen plötzlichen Preisrutsch im zweistelligen Prozentbereich.
  1. Nicht alle Bitcoins beruhen auf der als sicher erachteten Blockchain Technologie. Dies führt dazu, dass deren Existenz auf dem Markt im Zweifel nicht verifiziert werden kann. Dies ist in etwa vergleichbar mit wolframgefüllten Goldmünzen, die zwar so aussehen wie Gold und eine fast identische Dichte haben, aber nur einen Bruchteil so viel wert sind.
  1. Bitcoins brauchen eine digitale Infrastruktur. Sobald es zu einem großflächigen Ausfall des Internets oder des Stromnetzes durch eine Naturkatastrophe oder eine EMP Schockwelle kommt ist die Zahlungsmethode erst einmal tot. Dies ist zwar äußerst unwahrscheinlich, kann aber nicht ausgeschlossen werden, vor allem nicht langfristig. Zwar ist die Sicherung dagegen möglich und es ist anzunehmen, dass wichtige Knotenpunkte und Speichermedien über einen Schutz verfügen, allerdings gilt dies nicht zwingend für alle Marktteilnehmer. Daher kann nicht darauf gebaut werden, dass es in einer solchen Situation noch einen Markt gibt und abgeleitet daraus einen Wert für Bitcoins.
  1. Bitcoins haben keinen intrinsischen Wert. Hier wird der Unterschied zu klassischen Edelmetallen und anderen Anlage- und Zahlsystemen besonders deutlich. Während Gold in den Industrien für Schmuck, Medizin und Elektronik reichlich verwendet wird und Unternehmen wie Siemens oder der Amtskirche zahlreiche Immobilien in guter Lage gehören, sind digitale Währungen lediglich Zahlenreihen. Man kann sie zwar ausdrucken, doch dann hat man ein Stück Papier in der Hand, das im Zweifel so viel Wert ist wie ein auf 1 Milliarde Reichsmark notierter Geldschein abzüglich Sammlerwert. Das einzige mit einem intrinsischen Wert ausgestattete bei Bitcoins ist die Technologie dahinter. Diese aber steht in keiner kausalen Verbindung zum Wert der Währung.
  1. Aufgrund ihres Status als Währung sind Bitcoins dem Willen und der Gnade der staatlichen Zentralbanken ausgeliefert. Ein wichtiger Aspekt für das Funktionieren eines Regimes mit Geldmonopol besteht darin, dass es keine Konkurrenz gibt. Bitcoins sind potenziell eine Konkurrenz, die aufgrund der niedrigen Einstiegshürden ein Problem für das Funktionieren der Zentralbankpolitik darstellen können. Eine klassische Regel lautet, dass schlechte Währungen gute Währungen verdrängen. Sobald Bitcoin im Vergleich zur Zentralbankwährung im Sinne von „werthaltig“ als gute Währung wahrgenommen wird, wird diese gehortet und verschwindet vom Markt, was dem Geldkreislauf seine Kraft entzieht. Da die Verhinderung einer solchen Situation als oberste Aufgabe von Zentralbanken erachtet wird, würde im Zweifelsfall der Konkurrenz die rechtliche Existenzgrundlage entzogen werden müssen. Etwas, das im Internet besonders einfach ist.
  1. Bitcoins gelten gemeinhin als sicher und anonym. Im Dark Web beispielsweise haben sich Bitcoins daher zum Zahlungsmittel für allerlei zwielichtige Geschäfte entwicklt. Gesetzeshüter sind solche Zahlungssysteme daher ein Dorn im Auge, da es aus ihrer Perspektive den Preis für illegale Aktivitäten senkt. Daher drängen sie entweder auf die Regulierung und damit Offenlegung der Bitcoinhalter, oder aber auf ein Verwendungsverbot. In China und Russland gibt es bereits eigene Projekte für Digitalwährungen, um diese „Schwäche“ bereits auf Konzeptebene zu verhindern. Wie die Beispiele Facebook, Twitter und Google zeigen, zögert die chinesische Regierung auch nicht, ausländische Dienstleistungen vom eigenen Markt zu entfernen, wenn diese nicht der eigenen Agenda folgen.
  1. Im Widerspruch zu Punkt 6 sollen Bitcoins eine Kreation der CIA sein, wobei hinter dem Erfinder, angeblich ein Japaner namens Satoshi Nakamoto, in Wahrheit eine Gruppe CIA-Entwickler steckt. Während ersteres bestätigt ist, Nakamoto ist keine Person sondern eine Gruppe, so ist die instrumentale Verbindung zur CIA spekulativ. Seit den „Vault 7“ Enthüllungen durch WikiLeaks ist lediglich sicher, dass die CIA Techniken zum Bitcoin Diebstahl entwickelt hat und auch Zahler und Empfänger von Bitcoins enttarnen kann. Das muss direkt nichts Schlechtes heissen, da es auch heisst, dass eine bedeutende, wenn auch berüchtigte Institution ein Interesse am Erhalt von Bitcoins hat. Langfristig jedoch könnte es den Markt für illegale Waren und Dienstleistungen sowie Schwarzgeldversteckern von der Verwendung von Bitcoin abbringen, die momentan mutmaßlich für das Gros des Transaktionsvolumens verantwortlich sind. Der Markt könnte also austrocknen und Bitcoins würden einen Gutteil ihres Wertes verlieren. Die Relevanz dieses Arguments lässt sich daran ablesen, dass das Phänomen, also Geld aus dem internationalen Drogenhandel in umgekehrter Reihenfolge unser Fiat Geldsystem am laufen halten soll, wie Antonio Maria Costa, der ehemalige UN Verantwortliche für Drogen und Kriminalität meint.
  1. Ein Problem, das sicherlich nicht nur bei Bitcoins auftritt, sondern überall möglich ist, wo es keine klaren Hierarchien gibt, ist projektinterner Streit bei Zukunftsentscheidungen. Es gibt bereits Alternativwährungen, die sich dieses Problems annehmen, wobei auch bei diesen nicht ausgeschlossen ist, dass es zu einem Patt kommen könnte, gefolgt von einer Spaltung, wie es kürzlich beinahe bei Bitcoin der Fall war, angesichts der nicht einhellig unterstützten Lösung des Speicherproblems.
  1. Schliesslich ist der Wert von Bitcoins extrem volatil. Aufgrund des erwähnten Streits aufgrund des Speicherproblems mit der Drohung einer Spaltung etwa, sank der Preis in nur wenigen Wochen um 25 Prozent, nur um nach der Lösung des Problems wieder um 10 Prozent zuzulegen. Der Preis gleicht mehr einem Fähnchen im Wind als einer Währung.
  1. Es kann gut zwar sein, dass Bitcoins bald schon 1 Million Euro wert sind, Bitcoins dienen immer mehr als Fluchtwährung für Menschen in Ländern mit geringer Stabilität. Griechen etwa, die ihr Geld aus dem Land bringen, es aber nicht in Plastiktüten nach Deutschland bringen wollten, um dort ein Immobilie zu kaufen, nutzen Bitcoin als heimliches und günstiges Fluchtmittel. Nicht anders ist es in China, wo ein Gutteil der in der Heimat legal oder illegal gemachten Millionen bislang bei der ersten Gelegenheit in Hong Kong in Form von Beton angelegt wurden, fließen seit der Öffnung Chinas gegenüber der Währung Ende 2013 auch beträchtliche Teile in Bitcoins ab, was sich damals in Form eines sofortigen Preissprunges bemerkbar machte. Nicht anders – und aufgrund der leichten Zugänglichkeit und der vermeintlichen Anonymität noch mehr als bei Gold – helfen krisenhafte Entwicklungen der Währung zu immer weiteren Höheflügen. Das aber kann morgen schon vorbei sein. Der Preis von Bitcoins ist bislang jedenfalls seriös kaum berechenbar.

Der Vergleich von Bitcoins zu Edelmetallen als alternative Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel anstelle der Fiatwährungen der Zentralbanken liegen auf der Hand. Die Vor- und Nachteile von Gold und Silber sind seit mehreren Jahrtausenden bestens bekannt, auch wenn immer wieder neue Gründe für oder gegen den Kauf von Edelmetall vorgebracht werden.

Glaubt man der kirgisischen Zentralbank, so sollte jeder Bürger 100g (etwa 4 Unzen) Gold besitzen. Laut Bloomberg sagte Kirgistans Zentralbankgouverneur vor einem halben Jahr: „Gold kann lange Zeit bevorratet werden und trotz der Preisfluktuationen auf den internationalen Märkten, verliert es für die Bevölkerung seinen Wert als Sparmittel nicht.“

In Bezug auf Digitalwährungen hiess es, wie Zero Hedge berichtete, seitens der albanischen Zentralbank: „Wir rufen die albanische Öffentlichkeit dazu auf, bei der Handhabung von Ersparnissen und Zahlungsmittlen erwachsen und verantwortungsbewusst zu handeln. Man sollte sich beim Investieren in Finanzprodukte immer an Instrumente halten, die von der Zentralbank Albaniens und der Finanzmarktaufsicht genehmigt wurden.“

Zugegebenermaßen handelt es sich hierbei um zwei Außenseitermeinungen. Die Befolgung der beiden Ratschläge – einmal Gold und einmal keine Digitalwährungen – trägt also bereits ein gewisses Risiko in sich, unabhängig davon, um welche Anlageprodukte es überhaupt geht. Allerdings kann man davon ausgehen, dass auch die Währungshüter in Kirgistan und Albanien etwas von ihrem Fach verstehen.

Auf der anderen Seite steht natürlich die beliebige Teilbarkeit und einfache Erreichbarkeit von Bitcoins. Allzu teuer muss es also nicht sein, die gesparten Groschen am Ende des Monats einmal nicht in Gold- und Silbermünzen anzulegen, sondern sich davon 1/40 Bitcoin zu kaufen.

Wandere aus, solange es noch geht!
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