Zombienation

Satire-Collage
Wer hat Angst vor "Zombies"? (Satire-Collage)

George Romero ist tot. Er hat den modernen Zombie erfunden. Und Horror mit Gesellschaftskritik verknüpft. Das macht sein Werk erschreckend aktuell.

Was ein Zombie ist, weiß heute jedes Kind. Zombies sind Pop. Doch für den am Sonntag gestorbenen George Romero war der Zombiefilm auch ein Blick auf unsere Art zu leben.

Von Volker Kleinophorst

Lange war das Zombiegenre die Domäne die Billigkinos, wie sie früher in Bahnhöfen angesiedelt waren. Da hing dann mal ein Zombie billigster italienischer Produktion am Glockenseil, aber auch die neuen Genreklassiker wie der Erstling Romeros „Nacht der lebenden Toten“ buhlten mit „Schulmädchenreport“ um Zuschauer.

In „Nacht der lebenden Toten“ hat der Regisseur 1968 den neuen Zombie definiert, der heute noch Gültigkeit hat. Ein von der Gier nach Menschenfleisch getriebener Untoter, der sich selbstständig aus seinem Grab erhebt. Kein mit Zaubertränken willenslos gemachter Voodoosklave. In der Zombiemythologie ist von der Gier nach Menschenfleisch auch nicht die Rede, das ist eine Dramatisierung des Kinos, Romeros.

Das sich dieses „Zombie nagt am Knochen“-so eingebrannt hat, liegt an dem Film mit dem der Zombie zum Pop wurde, Romeros zweitem Zombiefilm, dem 1979er Genre-Klassikers „Dawn oft he Dead“ (Erwachen der Toten) hier ganz platt unter dem Namen „Zombie“ auch in den großen Kinos.

Auch mein ersten Zombiefilm. Überredet, denn Horror war nicht meins. War denn auch ein Flop. So was von ekelhaft, wie die Zombies da an Gliedmaßen rumnagten…

Die Story ist simpel. Die Lage hat sich seit Romeros erstem Teil „Nacht der lebenden Toten“, verschärft. Die Zombies werden immer mehr, da jeder nach Biss auch zum Zombie wird. Unter den Menschen, die „schon länger hier leben“, herrscht Chaos.

Vier Leuten verschanzen sich in einem Einkaufszentrum und schauen im Fernsehen dem Untergang der Menschheit zu.

Denn der Film stellt neben der üblichen Metzelei auch eine Frage. Was machen Menschen Angesichts einer Bedrohung, die nicht mehr zu kontrollieren ist?

Da hatte Romero einen schönen Kunstgriff, der mich auch beim ersten Sehen schon beeindruckt hat. Während des ganzen Films wird immer wieder in ein TV-Studio geschaltet, in dem es so eine Art Dauertalk läuft zur Frage: „Was tun mit der Zombieinvasion?“

Denn darüber ist sich die Menschheit mächtig uneins. Statt die Situation zu akzeptieren und sich gemeinsam den Zombies zu stellen, kocht jeder sein eigens Süppchen. Auch Gutmenschen, die Zombies nicht „ausgrenzen“ wollen, kommen schon vor. Da hat der Film etwas Visionäres.

Der satirische Charakter des Films hat auch schon in den späten 70ern Moralisten auf den Plan gerufen. Die Katholische Filmkommission: „Ein ekelerregender naturalistischer Horrorfilm, der über seine vordergründige Geschichte hinaus als Parabel auf die gesellschaftliche Situation interpretiert werden kann. Durch seinen Aufruf zur Gewalt und die Herrenmenschideologie äußerst fragwürdig – wir raten ab.“

Heute würde man wohl sagen: „Niemand ausgrenzen. Lass uns auf die Zombies zugehen.“

Auf der Filmbewertungsseite „Rotten Tomatoes“ beurteilen 92 % den Film positiv, das Museum of Modern Art hat ein Exemplar in seiner Sammlung.

Der Film endet damit, dass die Zombies das Einkaufzentrum stürmen und die letzten Überlebenden, ein schwarzer Mann und eine weiße Frau, mit einem Hubschrauber fliehen. Mit wenig Sprit und vielen schlechten Aussichten, was aber dennoch zu weiteren vier (schlechten) Fortsetzungen führte…

Die Talkshows waren da schon lange zu Ende.

Die Zombies haben das Studio gestürmt und alle aufgefressen.

Und die Moral von der Geschicht:

Lass uns drüber reden, ist manchmal zu wenig.

Wandere aus, solange es noch geht!
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