Milo Yiannopoulos: „Ich bin ein geistiger Brandstifter und Querkopf“!

Foto: Buchpräsentation
Geliebter und gehasster Bestsellerautor: Milo (Foto: Buchpräsentation)

Milo Yiannopoulos ist das intellektuelle Aushängeschild der konservativen Trump-Revolution. Nach seiner kontroversen und erfolgreichen Collegetour während des Wahlkampfs 2016 wurde er im Februar 2017 der Pädophilie bezichtigt und verlor seinen Job bei Breitbart und Buchvertrag. Sein geplanter Vortrag an der Uni Berkeley löste einen Antifa-Aufstand aus. Nun ist er wieder da: sein Buch „Dangerous“ ist eines der ersten im Eigenverlag erschienene Bücher in der Geschichte, das zum Besteller geworden ist.

Übersetzt von Collin McMahon

„Mein Name ist Milo, und in diesem Buch erfährst du, wie ich in Amerika als „der fabelhafteste Internetsuperbösewicht“ und „die gefährliche Schwuchtel“ berühmt wurde.

Wenn Mariah Carey mit Patrick Bateman (aus „American Psycho) Sex hätte, ihr Sprössling ein Exemplar von Von der Freiheit von John Stuart Mill lesen würde und ein Faible fürs Schlachten Heiliger Kühe entwickeln würde, das wäre dann ich.

Ich bin ein geistiger Brandstifter und Querkopf, der vom unbekannten britischen Techblogger zu einem der gefragtesten Redner an amerikanischen Unis aufstieg. Der Anblick meiner teuren Lederschuhe und blondierten Spitzen, der Klang meines neckischen Lachens auf ihrem Uni-Campus bringt Dozenten, Journalisten, Direktoren, Aktivisten und Musikern eine Einsicht, die der Linken in Amerika schon lange abhanden gekommen ist: Gefühle sind nicht wichtiger als Fakten.

Meine Kritiker hassen mich, weil sie mich nicht schlagen können. Sie halten mich verantwortlich für die Posts anderer Leute. Wenn irgendein anonymer Troll auf Twitter auf Promijagd geht, bin ich daran Schuld.

Meine Fans sehen mich als das, was ich bin: Ein kritischer Geist im Widerstreit gegen die politische Korrektheit, ein Fundamentalist der Meinungsfreiheit, der um jeden Preis unser Recht verteidigt, zu sagen, was wir wollen. Junge Konservative und Libertarier fahren auf mich ab, weil ich sage, was sie sich nur zu denken trauen.

Querdenker lieben mich, aber trauen sich nicht, es öffentlich zu sagen, weil sie Angst vor den Reaktionen haben. Ich weiß genau warum: Die Namen der Hollywoodgrößen, Rapper, Reality-TV-Stars, Schriftsteller, Produzenten und Investoren in meinem Maileingang würden dir den Kopf explodieren lassen.

Ich kenne ein lustiges Spielchen: Wenn du wissen willst, welche Promis Republikaner sind, google einfach mal, ob sie sich öffentlich zur Politik äußern. Wenn nicht, sind sie Republikaner.

In meinen Augen spiele ich die angestammte Rolle der Schwulen in der höflichen Gesellschaft: Ich lote die Grenzen des gesellschaftlich Akzeptablen aus. Meine sozialen und religiösen Überzeugungen passen einfach nicht in das Schema F von Nihilismus und Egoismus, das uns die Gutmenschen und Linken seit den 60er Jahren aufdrängen. Aber sie haben mich und meine Legion von Fans befreit.

Ich stelle eine Bedrohung dar, weil ich keinem Lager angehöre. Ich gehorche nur mir selbst.

Sie hassen das.

So wie ich mich kleide und benehme, sollte ich brave, MTV-kompatible Ansichten haben. Da muss ich sie leider enttäuschen.

Ich bin Barbies Ken-Puppe aus der Hölle.

Seit 15 Jahren entspringen die gesellschaftlichen Tabus alle der progressiven Linken. Sie sind eine unsäglich unansehnliche Armee von Bestimmern, die dir sagen wollen. was du tun und zu lassen hast. Libertarier und Konservative sind die neue Gegenkultur.

Das macht die Linken noch wütender.

Der unglaubliche Aufschrei, den die Ankündigung dieses Buches verursacht hat, ist der ganze Grund, warum ich es schreiben will. Es gab einen totalen Shitstorm, obwohl das Buch zwischen Weihnachten und Silvester angekündigt wurde, wenn die meisten Leute was anderes zu tun haben. Es hat die üblichen Lügen über mich gehagelt. Ich bin es gewohnt. Aber mein damaliger Verlag, Simon & Schuster, war vor Angst wie gelähmt. Und sogar ich war erstaunt, wie groß der Aufschrei war. Das Chicago Review of Books hat mit großem Trara angekündigt, wegen meines Buches nie wieder ein Buch von Simon & Schuster zu besprechen.

Ich muss euch enttäuschen: In diesem Buch steht gar nichts so Skandalöses. Aber der Berichterstattung nach zu urteilen, ist dies das unsäglichste Machwerk seit OJ Simpsons Und wenn ich doch der Mörder wäre.

Wovor haben die bloß soviel Angst?

Es geht nicht um mein skandalöses Verhalten, meine Verarschung der Ideologien, die heute in USA als das Allerheiligste gelten, oder um meine Sucht nach unbequemen Wahrheiten. Nein, die wahre Angst des Establishments ist, dass dieses Buch Menschen tief bewegen wird, vor allem junge Leser. Konkret befürchten sie, dass die jungen Menschen im Epizentrum der politischen Korrektheit in den USA, den Universitäten, wegen dieses Buches beginnen werden, diese Ideologien in Frage zu stellen, die ihnen dort vorgebetet werden.

Meine Ansichten sind beileibe nicht so radikal oder „hasserfüllt“ wie meine Gegner zu glauben vorgeben. Ich glaube an freie Meinungsäußerung, freie Wahl des Lebensstils – für hedonistische Linke genau wie für traditionelle Konservative – und das Primat der Fakten über das der Gefühle. Wer weißen Nationalismus sucht, sollte lieber zu Richard Spencer gehen. Ich bin eher ein konservativer Lenny Bruce, der Denkverbote aufzeigt und sie vor euren Augen vergewaltigt. (Wenn Lenny Bruce sehen könnte, was für mutlose Schwachmaten sich heute als kontroverse Komiker ausgeben, würde er sich gleich noch einen goldenen Schuss setzen.)

Politische Korrektheit war einmal eine bestimmte Art zu reden und zu denken, um allen anderen zu signalisieren, was für ein moralisch überlegener Mensch du bist. Die anderen Linken wissen vielleicht nichts über dich, aber sie wissen, dass du einer von den Guten bist, weil du „Mitbürger mit Migrationshintergrund“ sagst anstatt „illegaler Ausländer“.

Die neue Art der politischen Korrektheit, die inzwischen an den Unis und im Netz vorherrscht, ist aber der Ansicht, dass es keine Meinungen geben darf, die den ihren zuwider laufen. Für diese studentischen Heulsusen und die linken Professoren, die sie gepampert haben, ist es ein Sakrileg, dass ich bei ihnen auf dem Campus sprechen dürfen soll.

Linke bezeichnen alle Meinungen, die ihnen nicht passen, als „Hate Speech“. Dieser Begriff ist mittlerweile so überstrapaziert, dass er bedeutungslos geworden ist. Die Vorstandsvorsitzende von Simon & Schuster Carolyn Reidy hat eine lachhaft vage Ankündigung herausgegeben, dass mein Buch keine „Hassreden“ enthalten würde. Also habe ich sie nach den Richtlinien gefragt, wie „Hassreden“ zu definieren seien. So etwas gibt es natürlich nicht. „Wenn ich es sehe, werde ich es schon wissen“, ist meist die Antwort.

Adam Morgan, Chefredakteur des Chicago Review of Books schrieb im Guardian, mein Buch könne Menschen dazu bewegen, Terrorakte zu begehen und zitierte konkret (Orlando-Massenmörder) Omar Mateen und (weißem Nationalisten und Massenmörder) Dylann Roof als Beispiele.

Das zeugt von einen ganz besondern Art des Wahnsinns auf Morgans Seite – denn ich habe nur wenige Schritte von dem Ort, an dem Mateen sein Massaker an Schwulen ausgeübt hat, eine Rede über die Gefahren des Islamismus gehalten. Und Typen wie Dylann Roof und alle andere echten Nazis, die da draußen rumlaufen, hassen mich genau so sehr wie dieses Stück Scheiße Mateen es tun würde, würde er nicht in der Hölle schmoren. Ich bin eine jüdische Schwuchtel, die auf schwarze Kerle steht, verdammt! Was für eine hinrissige Logik ist das, vor allem von einem professionellen Literaturkritiker?

Die Propagandisten der neuen politischen Korrektheit sind gar nicht für eine Welt gerüstet, wo man auch anderer Meinung sein kann. Ihre Methode ist es, die Opposition mit Hysterie  zum Schweigen zu bringen, anstatt sich mit den besseren Argumenten zu behaupten. Wenn es bis jetzt keine Rezension zu diesem Buch gibt, dass es mit Mein Kampf vergleicht, dann dauert es sicher nicht mehr lange. Und genau deshalb ist dieses Buch so dringend notwendig. Absichtlich oder unabsichtlich hat eine ganze Generation von Amerikanern heute panische Angst vor kritischem Denken.

Die Meinungsfreiheit ist das wichtigsten Recht in Amerika, und dazu gehört das Recht, anderer Meinung zu sein. Ich bin nicht der typische konservative Kommentator. Meine Arbeitsweise unterscheidet sich erst mal grundlegend: Wenn ich bei Neimann Marcus in der Herrenmodeabteilung nicht mindestens $5.000 auf den Kopf gehauen habe, bringe ich keine 500 Worte aufs Papier. Ich bin die Zsa Zsa Gabor der politischen Diskussion.

Aber ich sage die Wahrheit. Das ist mein Erfolgsrezept.

Politische Korrektheit ist nur eine Maske. Wir dürfen heute auf keinen Fall irgendwen  beleidigen. (Außer ich. Deshalb schreibe ich jetzt dieses Buch.) Wir sind übervorsichtig geworden. Aber so zu leben widerspricht unserem natürlichen Drang nach Wut und Anarchie. Jeder spürt diesen Drang ab und zu. Schreckliche Dinge können passieren, wenn sie immer nur unterdrückt werden – wie Massenmord. Je mehr du versuchst, das Tier in dir zu zähmen, desto stärker wird es. Früher oder später hast du keine Wahl, außer nachzugeben.

Der nächste Amokläufer in Amerika wird kein Milo-Fan. Es wird einer dieser armen, irregeleiteten Demonstranten mit Nasenring und einem Schild auf dem „STOPPT DEN HASS!“ steht, sein. Auf meinem Podcast hat der kanadische Komiker Alex Kazemi prophezeit, dass wütende Lesben bald zu Amokläufern werden würden. Ich gebe ihm vollkommen recht.

Wenn wir diesen Kulturkampf gewinnen wollen, müssen wir hart kämpfen und dabei jede Menge Spaß haben. Es geht um die Körper und Seelen der amerikanischen Jugend.

In diesem Buch werde ich dir beibringen, dieselbe Art von Chaos zu stiften wie ich, im Namen des allerwichtigsten Grundrechts, das du besitzt: Dem Recht zu denken und zu sagen, was auch immer du verdammt nochmal willst. Ich bin ein assimilierter Ausländer, ich habe den American way of life angenommen, samt der Freiheit zu sagen was ich denke, ohne mich entschuldigen zu müssen, und Fakten, Fun und Fabelhaftigkeit über Gefühle zu setzen.

Mein Motto ist: Lachen und Kämpfen. Lese weiter und erfahre wie du für die Kräfte der politischen Korrektheit und des Social Justice so furchterregend wie ich werden kannst. Und du musst dafür nicht mal schwul sein.

Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti“) und Übersetzer („Gregs Tagebuch“). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump. Bei Verlagsinteresse bitte Zuschrift.

 

 

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