Abt. Kriegsführung: Rechte „belagern“ Kleinstadt

Die Belagerung (Foto: Pixabay)

Zwischen Jouwatch-Chefredakteur Thomas Böhm und mir gibt es so etwas wie eine „meldungstechnische Seelenverwandtschaft“. Wenn ich nicht aufpasse wie ein Schießhund, picke ich mir immer Meldungen heraus, die auch Thomas Böhm schon bemerkenswert fand. So auch heute. Wir hatten bereits eine Meldung über die „5.000 Rechten von Themar“.

Aber die folgende Schlagzeile von t-online ist einfach zu „drollig“, als daß man sie unbeachtet lassen könnte. t-online titelte: „Mehr als 5.000 Neonazis belagern Kleinstadt“

Eine „Belagerung“ darf es wenigstens sein, wenn die rechten Spielverderber schon die Presse am ausgestreckten Arm verhungern lassen, anstatt alles zu Kleinholz zu schlagen, Molotow-Cocktails und Steine nach Polizisten zu werfen und die Geschäfte zu plündern. „Belagerung“ … – phhh! Gelogen ist es natürlich immer noch. Eine Belagerung dient u.a. dazu, die Belagerten auszuhungern und an der Flucht zu hindern. Im Dreißigjährigen Krieg waren Belagerungen populär. Rothenburg o.d.Tauber und Dinkelsbühl sind von den Schweden belagert worden. Die waren damals nämlich noch aus einem anderen Holz geschnitzt. Nichts und niemand kam mehr in die Stadt hinein oder heraus, während die Belagerer sich an den umliegenden Dörfern gütlich taten. Wenn alle Vorräte in der Stadt aufgebraucht waren, zog erst der Hunger ein und kurz danach zogen die Belagerten die weiße Flagge hoch. Das ist eine Belagerung.

In Themar war es aber anders. Die „Neonazis“ haben niemanden am Kommen oder Gehen gehindert, haben die umliegenden Dörfer nicht geplündert, die Bauern am Leben gelassen, die Bäuerinnen nicht vergewaltigt, das Vieh im Stall verschont und die Speisekammern nicht leergefressen. Also haben sie die arme, arme, kleine Stadt nicht „belagert“.

„Kleinstadt belagert“: Merkt er was? Irgendwie schafft es die merkeldeutsche DDR-Presse doch immer, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, wenn es gegen „die Rechten“ geht.

Was war? 5.000 mutmaßlich rechte Liebhaber des Wohlklangs haben sich friedlich und kunstinteressiert in Themar versammelt, um andächtig der Musik zu lauschen. Das war. Sonst war nichts. Weil man aber in Deutschland nicht schreiben kann, daß es einem stinkt, wenn sich 5.000 friedlich zu einem Open-Air-Konzert versammeln, die einem von A bis Z nicht passen, läßt man sie halt „die Stadt belagern“. Hinter der Belagerung steckt nämlich wenigstens noch „die feindliche Absicht.“ Verhüte Gott, daß sie womöglich noch das Festivalgelände selbst von ihrem Müll säubern, ehe sie wieder in ihre Heimatgaue abreisen.(ME)

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