Grüne & Nerven: Hader & Zwietracht bei Palmer & Beck

Grüner Mediationsvorschlag (Foto: Jouwatch)

Boris Palmer und Volker Beck (Grüne) haben sich in der Wolle. Das passt ganz gut in die Zeit. Die bundesdeutsche Gewohnheitslinke scheint insgesamt nervös und dünnhäutig zu werden. Eine Betrachtung in einem größeren Zusammenhang.

Von Max Erdinger

Es gibt etwas, das meinereiner momentan noch mit abwartendem Interesse beobachtet: Es sieht ganz danach aus, als wähnte sich die ubiquitär vertretene deutsche Linke von der CDU über die SPD und die Grünen bis hin zu den sprichwörtlichen Linken nach den linksextremistischen Krawallen von Hamburg unter einem gewissen Rechtfertigungsdruck. Es plagt sie womöglich der Verdacht, dem Wähler könnte es in Sachen „links“ allmählich wie Schuppen von den Augen fallen.

Daß Sarrazin und Buschkowsky längst aus der SPD ausgeschlossen worden wären, wenn man bei der SPD nicht befürchten würde, damit genau das Urteil über die SPD zu bestätigen, das im Volke bereits kursiert, nämlich, daß es sich bei der SPD um eine abgehobene Politsekte handelt, die, von der Realität abgekoppelt, totalitaristisch in gutmenschlichen Sphären schwebt, halte ich zumindest für denkbar. Die Rebellen wider die Parteilinie nützen als Mitglieder mehr, denn als Dissidenten. Ihre weiter bestehende Parteimitgliedschaft soll vermutlich belegen, daß in der SPD etwas weiterlebe, das tatsächlich bereits abgestorben ist: Die Fähigkeit nämlich, das Argument als Basis der demokratischen Auseinandersetzung hochzuhalten. Sarrazin und Buschkowsky sind aber nicht die einzigen. Der Essener Lokalmatador Guido Reil zum Beispiel, weniger prominent als Sarrazin und Buschkowsky, verließ vermutlich genau wegen der tatsächlichen Weigerung, das Argument gelten zu lassen, nach 26 Jahren Parteimitgliedschaft die SPD – und wechselte zur AfD.

Überhaupt hat die SPD den stärksten Mitgliederschwund der jüngeren Geschichte zu verkraften. Als einzige Partei schrumpfte sie flächendeckend in allen Bundesländern. Sie hat gerade mal noch 442.814 Mitglieder. Im Jahr 1977 hatte sie kurzzeitig über eine Million. In den achtziger Jahren pendelte sich das dann bei etwa 900.000 ein. Über 400.000 Mitglieder verlor die Partei in den Jahren zwischen 1990 und 2008. Kanzlerkandidat und „Millionär aus Steuermitteln“ Schulz, entwickelte sich innert weniger Monate vom Messias der Partei zum Kandidaten mit dem Image eines Sargnagels. Und Bundesjustizminister Heiko Maas hat im Volke etwa das Image, das er vor hundert Jahren unter Kaiser Wilhelm dem Zweiten gehabt hätte: Der kleine Hofnarr. Mit dem übrigen Personal sieht es auch nicht viel besser aus. Hendriks, Schwesig, Gabriel, Özoguz, Scholz … – die Liste der Nieten ist schier endlos. Die Nerven liegen blank – und nicht nur bei der SPD. Immer mehr Linken scheint zu schwanen, daß die abgedroschenen Phrasen der Vergangenheit in Zukunft nicht mehr verfangen werden.

Bei den Grünen sieht es nicht viel anders aus. Es ist nicht ganz abwegig, darauf zu hoffen, daß die selbsternannte Moralelite Deutschlands bei der Bundestagswahl dieses Jahr an der 5-Prozent-Hürde scheitern wird. Von zwölf auf sechs Prozent innerhalb von vier Jahren? Da sollte der Horror bereits zugeschlagen haben. Zu sehr hat sich beim Wähler das Image einer vaterlandslosen Verbotspartei verfestigt, die praktisch nichts unversucht läßt, die deutsche Nation als solche zu beerdigen – Stichwort „Flüchtlingspolitik“.

Die Themen, bei denen Grüne sonst noch mit Vorliebe munter werden, tun ein Übriges zum Verlust der Wählergunst: Pädophilie, Gender Mainstreaming, E-Auto, Minderheitenfetischismus und alles das, was der deutsche Wähler so dringend braucht wie ein eitriges Furunkel am Arsche, ist einfach nicht mehr geeignet, den Grünen weiterhin das Image einer progressiven Durchblicker- und Fortschrittspartei zu erhalten. Sie gelten, ebenso wie die SPD, in weiten Teilen des Volkes als demaskiert. Mehr und mehr Deutschen wird bewußt, wie lange sie mit ihren Steuergeldern die grünen Nattern an ihrer Brust gesäugt haben – und sie haben genug davon. Auch bei den Grünen also: Die Nerven liegen blank. Es ist daher kein Wunder, daß sich die (relativen) Realisten in der Partei von den Traumtänzern abzusetzen versuchen, um wenigstens ihre persönlichen Ambitionen noch über die Zeit zu retten, wenn es schon mit dem Parteiprogramm nichts mehr zu retten gibt.

Dieser Tage gab es ein delektierliches Schauspiel bei Facebook zu verfolgen: Boris Palmer, der grüne OB Tübingens und Parteiprominenter bekam sich mit Volker Beck in die Wolle, dem Sorgenkind der Partei. Der grüne Paradeschwule Beck war letztes Jahr bei einer Polizeikontrolle mit 0,6 Gramm Crystal Meth in der Tasche ertappt worden, verlor daraufhin seine parlamentarische Immunität, mußte sich vor Gericht verantworten und kam mit einer Geldauflage von 7.000 Euro glimpflich genug davon, um nicht als vorbestraft zu gelten. Ganz verstossen wollten ihn die Grünen jedoch nicht, weil Schwulsein und Drogenkonsum bekanntermaßen fast so etwas wie Gründe zur Karriereförderung bei den Grünen darstellen. Man hätte sich bei einer gewissen Wählerklientel gewaltig Sympathien verscherzt, wäre man erbarmungslos mit einem Gestrauchelten im „repressiven System“ der politischen Konkurrenz umgegangen. Beck wurde also religionspolitischer Sprecher der Partei und ihr Migrationsexperte.  Hat jemand „Gnadenbrot“ gesagt?

Sei es wie es sei: Boris Palmer hat gerade ein Buch herausgebracht. Titel: „Wir können nicht allen helfen“. Nebenbei bemerkt: Nur Grüne scheinen der Ansicht zu sein, man müsse über Sachverhalte Bücher schreiben,  die Lieschen Müller sowieso schon klar sind. Daß nun ein Grüner wie Palmer praktisch verneint, was Grüne wie Göring-Eckardt vehement verfechten, nämlich, daß man den Planeten, die gesamte Menschheit und am besten das ganze Universum vor dem Bösen (nach grüner Definition von „böse“) retten müsse, sorgt bei Grünen verständlicherweise für größten Unmut. Sie fühlen sich und ihre Urteilskraft infrage gestellt, was angesichts des Selbstverständnisses, das Grüne meistens von sich haben, einer Ketzerei gleichkommt. Daß mit der Schleifung des Stellenwerts einer christlichen Religion auch die Ketzerei an Bedeutung verloren haben könnte, ist nämlich nur die naive Annahme von Zeitgenossen, die erstens ihre Absolutsetzung des Verstandes nicht als Zivilreligion begreifen wollen und die zweitens – und daraus folgend – auch den Gedanken ablehnen, sie selbst würden irgendwelchen Dogmen gehorchen. Die nächste Traumtänzerei also.

Palmer hatte gegen ein grünes Dogma verstossen – und zwar gegen das vom edlen Wilden. Er hatte gefordert, von Immigranten aus besonders vergewaltigungsbelasteten Regionen unserer schönen grünen Welt genetische Fingerabdrücke nehmen zu lassen, um etwaige Täter – die es natürlich nicht nur „etwaig“, sondern zuhauf gibt – ihrer lästerlichen Taten auch überführen zu können. Das war Ketzerei. Beck beschimpfte daraufhin bei Facebook seinen Parteifreund Palmer als einen, dem, in Anlehnung an Palmers Buchtitel, „nicht mehr zu helfen sei“. Und dann wurde Boris Erasmus Palmer grantig, aber richtig. Er schrieb innerhalb von 19 Minuten eine saftige Erwiderung an Beck, welchselbige den schwulen Drogenkonsumenten nicht an seinem migrationspolitischen Kopfe, sondern voll unter der Gürtellinie, sozusagen mitten in seine amphetamingestählten Eier traf.

Boris Palmer an Volker Beck (Foto: Screenshot Facebook)

Zwar gelang es Beck daraufhin, noch einmal auf das eigentliche Thema, Vergewaltigung und DNA-Proben, zurückzukommen, nicht aber, ohne Palmer den Vorwurf zu machen, er wolle die rechtsstaatliche Unschuldsvermutung außer Kraft setzen. Und das ist dann schon ein starkes Stück gewesen von einem, der ansonsten keinerlei Hemmungen zeigt, alle unschuldigen Hinze und Kunze dieses Landes wahlweise der Homophobie, der Xenophobie, der Islamophobie oder sonst irgendwelcher Neurosen zu beschuldigen, wenn er ihre Argumente nicht ohnehin schon deswegen als irrelevant beiseite wischt, weil sie von „rechts“ kommen.

Dessen ungeachtet hat AfD-Chef Prof. Meuthen im Landtag von Baden-Württemberg für eine Panikattacke unter den etablierten Linken gesorgt, als er anregte, einmal Roß und Reiter klar zu benennen und offenzulegen, wer linke Randalierer in diesem Lande eigentlich mit welchen Summen in ihrem „Kampf gegen alles“ unterstützt. Erinnerte irgendwie an die Geschichte vom Fuchs im Hühnerstall. Ein Gegacker unter den Hühnern, unbeschreiblich.

Ich beobachte also zur Zeit wohlwollend, wie sich das etablierte Linken – und Gutmenschentum untereinander in die Haare bekommt und klicke folglich „Gefällt mir“ bei den entsprechenden Kommentaren auf Facebook.

Ach ja, Christian Ude (SPD) fällt mir da noch ein. Der langjährige Münchener Oberbürgermeister und Intimfeind des Islamaufklärers Michael Stürzenberger hat ebenfalls gerade ein Buch herausgebracht. Titel: „Die Alternative – oder – Macht endlich Politik!“ Darin geißelt er u.a. die Flüchtlingspolitik. Er ist jetzt von seinen Genossen in AfD-Nähe gerückt worden und wird mit Sarrazin in einem Atemzug genannt. Meinereiner verfolgt das alles bei Chips und Bier in dem Bewußtsein, daß es die größte Katastrophe auch nicht aufhalten wird: Angela Merkel wird wahrscheinlich weiterhin so tun, als würde sie regieren.

Aber was soll`s? Wir haben Demokratie. Die ist alternativlos und unkaputtbar. Wäre es anders, müssten viel zu viele Leute grundsätzliche Änderungen in ihrem Leben vornehmen. Das geht natürlich nicht. Solche Nachteile hat die Demokratie gefälligst nicht zu haben – und Schluß.

 

 

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