Innere Sicherheit: CSD-Schutzmann Heiko

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Schutzmännchen (Foto: Pixabay)

Ein nettes Detail dieses Wochenendes mit seinen „irgendwie extremistischen“ Straßenkrawallen in Hamburg ist ja, daß Heiko Maas in der Nacht vor den Krawallen im mordstoleranten Köln den Christopher-Street-Day eröffnet hat.

Max Erdinger

Der kleine Schutzherr der Veranstaltung ist er, glaube ich, auch noch gewesen. Wenn nun einer sagt, daß der Bundesjustizminister am Freitag tagsüber in Köln noch nicht hat wissen können, was wenige Stunden später in Hamburg passieren wird, der unterstellt dem Genossen aus dem kleinen Saarland völlig zu Unrecht ein lästerliches Informationsdefizit. Seine Ermahnungen samt Ansage an den schwarzen Block stammen schließlich von Anfang der Woche. Wer Gewaltbereitschaft nach Hamburg mitgebracht habe, der müsse mit der kleinen Strafbereitschaft des knallharten Bundesjustizministers rechnen. Volle Härte Rechtsstaat, also. CSD in Köln war Tage später.

Obwohl der Bundesjustizminister mit ziemlicher Sicherheit wissen konnte, was Hamburger Bürgern in der folgenden Nacht bevorstehen würde, fand er es richtig, ein wichtiges Zeichen an ganz anderer Stelle zu setzen. Heute ist schließlich heute – und morgen ist morgen. Verbindendes Element: Die Nacht. Morgen ist er auch noch Justizminister.

Während also in Hamburg die ersten Realisten verstohlen hinter ihren Gardinen hervorlinsten, um tränenden Auges noch einen letzten, schmerzerfüllten Blick auf den eigenen Wagen zu werfen, bevor der in Flammen aufgehen würde, sprach der Bundesjustizminister in Köln die wahrhaft wichtigen Worte. Im Kölner Stadtanzeiger sind sie nachzulesen: „Nie wieder Diskriminierung, und zwar nirgendwo. Es gibt in Deutschland in Zukunft keine Liebe erster und zweiter Klasse mehr“. Von der Gerechtigkeit, von der Würde und vom Respekt hatte es Heiko Maas außerdem.

Na ja, was er sich halt hat aufschreiben lassen, wahrscheinlich. Daß er beim CSD am Freitag überhaupt ein Grußwort gesprochen hat, ist möglicherweise auch nur dem Umstand geschuldet, daß es dort eine Großbildleinwand gegeben hat. In Hamburg hatten sie keine, glaube ich. Wenn es aber so einfach nicht ist? Was würde das alles dann zeigen? Immerhin wüsste man etwas über die Prioritätensetzung eines Ministers. „Gerechtigkeit, Würde und Respekt“ steht auch Hamburger Bürgern zu. Die waren am Freitag diejenigen in Gefahr, nicht die Homosexuellen in Köln. Sieht ganz so aus, als ob es sich bei der Vorliebe ein bißchen anders als bei der Liebe verhielte: Vorliebe gestattet offenbar eine erste und eine zweite Klasse. Sind CSD- Teilnehmer die schutzwürdigeren Bürger, schutzherrschaftsmäßig, so? Sind sie besonders wichtig?

Zitat ksta: „(Heiko Maas sagte) … Ein Fortschritt auf dem Weg zur Gleichstellung sei ebenso, dass der Bundestag vor kurzem beschlossen hat, alle Urteile aufzuheben, die nach 1945 nach dem Strafrechtparagrafen 175 gegen schwule Männer gefällt wurden, und die Betroffenen zu entschädigen.“ – Zitatende.

Das ist wirklich ein feiner Zug gewesen. Mit meinem Herzen bin ich immer dabei, wenn Unrecht gut gemacht wird. Ich frage mich nur mit meinem Verstande, wohin eine solche Vorzugsbehandlung von Schwulen führen soll. Eine solche wird sie nämlich bleiben müssen. Oder ist etwa angedacht, alle zu Unrecht inhaftierten und mit Geldstrafen drangsalierten, per Eintragung in sämtliche verfügbaren Register stigmatisierten Hanfbauern und Cannabiskonsumenten eines Tages zu entschädigen? Gehört es nicht zum Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung, sich die Art seines Rausches selbst auszusuchen? Geschlecht aussuchen – ja, Geschlechterrolle aussuchen – auch ja, aber individueller Rausch – nein? Wie das denn?

Und wie sieht es denn mit der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und den Vorurteilen aus in diesem Fall? – Weil einige keinen vernünftigen Umgang mit der Gefahr kennen, darf keiner einen haben? Schon bei der staatlichen Handhabung des Terrorproblems sieht das ganz anders aus.

Die Prioritätensetzung des Ministers Maas sieht nach Analyse also aus wie folgt: Weil es Vorlieben erster und zweiter Klasse gibt, rennt er mit seinem wohlfeilen, den eigenen Edelmut bespiegelnden Diskriminierungs -, Teilhabe-, Gerechtigkeits-, Respekt & Würdegerede lieber in Köln diejenigen offenen Türen ein, die er vorher selbst angemalt hat, bis sie ausgesehen haben wie der Haupteingang von Fort Knox, anstatt sich in Hamburg pflichtbewußt zu denjenigen zu gesellen, die in Verzagtheit und Befürchtung eines beispiellosen Ausbruchs widerwärtigster Gewalt gegen ihr Recht auf Würde, Respekt und Gerechtigkeit gewartet haben. Das hat er gewußt. So viel läßt sich zweifellos behaupten.

 

 

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