Im Expresszug zurück in die Steinzeit

Foto: gemein
Das Grauen von Magdeburg und die Geschichte wiederholt sich in Hamburg (Foto: gemein)

Am 20. Mai 1631 wurde, im Rahmen des Dreißigjährigen Krieges, die protestantische Stadt Magdeburg von  kaiserlichen Truppen unter den Generälen Tilly und Pappenheim gestürmt und anschließend während vier Tagen einer Orgie von Gewalt preisgegeben. Während dieses Zeitraums spielten sich unvorstellbare Szenen von Mord, Raub, Vergewaltigung und Brandstiftung ab. Die zuvor blühende Handels-Stadt war nach diesem Ereignis weitgehend ein Trümmerhaufen und konnte erst nach mehreren Jahrhunderten ihre alte Bedeutung wiedererlangen.

Von Quo usque tandem

Die Eingangsgrafik wird einen Eindruck der Schrecken vermitteln, wobei Magdeburg lediglich ein besonders prominentes Beispiel für das Schicksal ist, welches eroberten Städten in der Regel blühte.

Exzesse wie diese, schienen unter dem Einfluss der fortschreitenden Zivilisierung Europas während der seither vergangenen Jahrhunderte eine Sache der barbarischen Vergangenheit geworden zu sein, aber die jüngsten  Ereignisse in Hamburg am Rande des G20-Gipfels (sowie ähnliche Ausschreitungen wie z. B. anlässlich der regelmäßig wiederkehrenden sog. „Chaostagen“ oder die anlässlich der Einweihung des Frankfurter EZB-Sitzes im März 2015) lassen ernste Zweifel an der Berechtigung dieser Prämisse aufkommen.

Wie kann es sein, dass im 21. Jahrhundert, im Herzen von Großstädten eines Landes, welches wiederum als ein Symbol der modernen abendländischen Zivilisation angesehen wird, sich mittelalterliche Szenen von Schlachtgetümmel, Brandstiftung und Plünderung abspielen? (Vergewaltigung größeren Umfangs war bisher noch nicht Teil der einschlägigen Agenden – aber, was nicht ist, kann durchaus noch werden).

Die Ursache für die zunehmende Verrohung gewisser Bevölkerungssegmente muss zu einem nicht unbeträchtlichen Teil bei der knieweichen Haltung der bundesdeutschen Justiz gesucht werden, die bei Strafverfahren wegen Gewaltdelikten geradezu über die eigenen Füße fällt, um Gründe für eine möglichst schonende Behandlung der Täter zu finden. Was hierbei auffällt, ist dass die Begünstigten dieser „Kuscheljustiz“ mehrheitlich dem linken (von den einschlägigen Parteien sowie gewissen Gewerkschaftskreisen gehätschelten) Rand des Bevölkerungsspektrum angehören, während sog. „Rechte“ in analogen Situationen regelmäßig die volle Schärfe des Gesetzes zu spüren bekommen.

Kann es sein, dass gewisse politische Kreise diesen linken Rand sozusagen als eine Art SA-Neuaufguss gegen  – die geheiligte Ordnung störende – Neuankömmlinge auf der politischen Bühne, wie z. B. die AfD benötigen und deshalb ihre schützende Hand über sie halten? Bei der Beurteilung dieser Vermutung sollte man sich keiner Illusion hingeben dahingehend, dass das von Montesquieu zu Beginn des 18.Jahrhunderts postulierte Prinzip von der Dreiteilung der Gewalten in der heutigen BRD noch uneingeschränkt gültig sei: Zumindest die Strafjustiz gehorcht bereits seit geraumer Zeit weitghend den Diktaten der Legislative.

Verrohung und die mit ihrer Ausübung einhergehende Befriedigung niedrigster Instinkte macht süchtig und, wenn dem verrohte Gewalt Ausübenden das Gefühl vermittelt wird, dass sein Tun erwünscht ist und er mit keinen oder lediglich geringfügigen persönlichen Konsequenzen zu rechnen hat, wird er sich, was den Grad seiner Brutalität anbetrifft, immer weiter steigern.

Eine weiterer Faktor, der wesentlich zur Entstehung des bei öffentlichen Gewaltexzessen auftretenden troglodytischen Bevölkerungssubstrat beigetragen hat (und weiter zu seinen zahlenmäßigen Anwachsen beiträgt), ist das völlig hirnrissige Sozialsystem Deutschlands, welches Nichtstun mit Geschenken des Steuerzahlers belohnt und es – bei etwas Geschick – möglich macht, ein ganzes Leben in der sozialen Hängematte zu verbringen. Oder waren die Chaoten, die wir in den Medien bewundern konnten, etwa hart arbeitende Arbeiter und Angestellte, die sich lediglich  ein paar Tage Urlaub für Schabernack in den Straßen Hamburgs genommen hatten?

Der Haken bei der ganzen Sache ist, dass diese SA-Imitation unberechenbar ist, sich manchmal von der Leine reißt und den Herrchen nicht mehr gehorcht – wie soeben wieder in Hamburg geschehen.

Die geheimen Nutznießer der fortschreitenden Verrohung sollten mit ihrem Gewissen zu Rate gehen und überlegen, ob sie tatsächlich in die Geschichte eingehen wollen als diejenigen, die das Rad der Evolution zurückgedreht und ihr Land wieder in das Mittelalter zurückgeführt haben.

Noch sind wir von Magdeburger Dimensionen entfernt, aber bei jedem Ereignis der hier beschriebenen Art ist eine Steigerung von Brutalität und generellem Steinzeitverhalten zu beobachten. Wie heißt der lateinische Spruch?  Ach, ja: Principiis obsta! (Wehret den Anfängen) Aber das Anfangsstadium ist bereits in beträchtlichem Maß überschritten.

 

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