Anabel Schunke: Die Blindheit auf dem linken Auge

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Linke Brandstifter bei der Arbeit, oder doch "nur" ein V-Mann, oder gar ein Hooligan? (Foto: JouWatch)

Vieles an der Medienberichterstattung der letzten zwei Jahre in Deutschland war nur schwerlich zu ertragen. Angefangen bei einer schon ekstatisch anmutenden Selbstbesoffenheit zu Beginn der Flüchtlingskrise, über einen beispiellos peinlichen Eiertanz im Zuge der furchtbaren Geschehnisse in der Kölner Silvesternacht 15/16, einer tagelangen Relativierung hunderter sexueller Übergriffe auf mehrheitlich junge Frauen, bis hin zum generellen Agenda Setting der deutschen Medienlandschaft, die mehrheitlich immer noch nicht begriffen hat, dass beispielsweise Morde durch Asylbewerber keine Themen von „regionaler Bedeutung“ sind.

Von Anabel Schunke

Nahtlos in diese Sternstunden des deutschen Journalismus reiht sich dieser Tage die Berichterstattung zu den linkextremistischen Krawallen rund um den G20-Gipfel ein. Keine Fernsehberichterstattung, die ohne Betonung der guten Absichten der Mehrheit der G20-Demonstranten auskommt. Eine Verurteilung der Krawalle? Ohne den Fokus auf die mehrheitlich „friedlichen“ Demonstranten, die für eine „gerechtere“ Welt eintreten, nicht denkbar. Immerhin klingt das ja auch versöhnlich und schafft trotz Millionenschäden, Angriffe auf Polizeibeamte und Co. die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung. Frei nach dem Motto: „Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne und das Hobeln ist halt grundsätzlich wichtig und richtig“, während der Rest der Welt fassungslos auf Deutschland blickt und sich fragt, weshalb man diese Menschen hierzulande gewähren lässt.

Bei der SPD und der TAZ hat man indes ganz andere Sorgen, als die jahrelang unterschätzte und geduldete Gewalt von Links. Ralf Stegner, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in Schleswig Holstein und bekannt für seine Twitter-Diarrhoe, sorgt sich jedenfalls umgehend, wie auch schon beim öffentlichen Exzess von Migranten und Flüchtlingen in der Kölner Silvesternacht, in erster Linie darum, dass die Vorfälle den „Rechten“ in die Hände spielen könnten (https://twitter.com/ralf_stegner?lang=de). Dass Ralf Stegner für die ca. 280 verletzten und völlig ausgelaugten Polizisten nichts übrig hat, zeigt sich auch an seinen Retweets. U.a. an einem Twitter-Post des Reporters Axel Lier, in dem er einen Eintrag der Polizeigewerkschaft GdP, der auf einem Flur schlafende Polizisten zeigt, die seit 30 Stunden im Dienst sind, weil sie keine vernünftige Unterkunft gestellt bekommen haben, mit der Überschrift „Vorsicht, Bullenversteher-Tweet“ versieht. Und auch bei der TAZ sorgt man sich eher darum, dass Politiker wie Trump und Erdogan die Gewalt in Hamburg für sich und ihre politische Agenda nutzen könnten, als um die vielen Anwohner, deren Autos angezündet oder Geschäfte geplündert wurden. (http://www.taz.de/!5428055/). Beim SPIEGEL ist es Florian Gathmann besonders wichtig, zu betonen, dass die Gewalttäter nichts mit Politik und erst recht nichts mit den sonstigen linken Demonstranten zu tun hätten, die lediglich eine inhaltliche Auseinandersetzung suchen würden. (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/g20-gipfel-in-hamburg-trotz-gewalt-protest-ist-richtig-kommentar-a-1156673.html)

Es ist dieses Bestreben, um eine scharfe Trennung zwischen vermeintlich friedliebenden Kapitalismuskritikern und linken Extremisten, die in den letzten Tagen die Kommentare zum G20-Gipfel der deutschen Medien- und Politiklandschaft dominierten. „Anständige Linke“, so Stegner, „hatten noch nie was mit Gewalttätern gemein.“ Bei Rechten gehöre die Gewalt dagegen zur „politischen DNA“.

Es ist diese Überzeugung in Medien und Politik, die zeigt, wie wenig geschichtliches und polittheoretisches Verständnis tatsächlich unter Politikern und mehrheitlich linksgrünen Journalisten vorherrscht. Es ist das fehlende Bewusstsein darüber, dass jedwede Form von Extremismus, egal ob rechter oder linker Extremismus, niemals ohne Zwang zur Durchsetzung seiner Ziele auskommt und dass dies letztlich der Grund ist, weshalb sich der Liberalismus, der die Freiheit des Individuums voranstellt, in der westlichen Welt als politisches Konzept durchgesetzt hat. Dass er überhaupt erst die Bedingung für den Erfolg von Gesellschaften ist.

Es fehlt schlicht das Bewusstsein über die erhebliche Schnittmenge beider Formen des Extremismus, die gleichermaßen die Unterdrückung jeglicher abweichender Meinungen, die Unterordnung des freien Individuums unter das Kollektiv unter der Prämisse eines vermeintlich höheren Gemeinwohls propagieren. Wie dieses Gemeinwohl letztlich definiert ist, spielt dabei weniger eine Rolle. Entscheidend ist vielmehr, dass ein a priori definiertes und damit vermeintlich objektives Gemeinwohl immer zwangsläufig mit der Unterdrückung des subjektiven individuellen Wohls und damit zum Preis der Unfreiheit des Einzelnen, nach seinem eigenen individuellen Glück zu streben, einhergeht.

Der NationalSOZIALISMUS war eben letztlich auch eine Form des Sozialismus und die Mauer um die DDR hat man nicht gebaut, weil die Menschen so freiwillig und gerne in eben dieser Staatsform gelebt haben. Im Sozialismus und schon in der Forderung danach verschwimmen die Grenzen zwischen Gerechtigkeit und Gleichmacherei genauso wie die Grenzen zwischen legitimen Formen der Demonstration und Gewalt. Wer in jungen Jahren einmal selbst in der linken Szene unterwegs war, weiß, dass die Gewaltexzesse auch von jenen gefeiert werden, die selbst nicht zur Gewalt greifen. Dass Gewalt gegen Sachen, wie Autos anzünden und Geschäfte plündern nicht nur als Kollateralschäden in Kauf genommen, sondern sogar begrüßt und intern gefeiert werden. Die Ansicht, dass „der Bulle ein Schwein“ ist, hat sich seit Ulrike Meinhof und der RAF nicht verändert.

Die Entmenschlichung des Polizisten als bloßen Erfüllungsgehilfen des repressiven Staates, ist immer noch das Instrument der Wahl, wenn es darum geht, die eigene Hemmschwelle soweit abzusenken, dass Menschen, die für eine „gerechtere und friedliche Welt“ eintreten, keinen Widerspruch darin sehen, wenn sie zur Durchsetzung dieser Welt andere Menschen mit Pflastersteinen bewerfen und mit Eisenstangen auf sie losgehen. Es ist ein Irrglaube, dass sich seit der RAF irgendetwas an der riesigen Sympathisantenszene linksextremistischer Gewalttäter geändert hätte.

Wie auch in einem Staat, der Millionen in den durchaus wichtigen Kampf gegen Rechts investiert und keine müde Mark in die Bekämpfung des mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommenen Linksextremismus? In Staatsdiener, die diesen Linksextremismus, wie Ex-Familienministerin und jetzige Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, für ein „aufgebauschtes Problem“ halten. Die Bands aus der linksextremistischen Szene, wie Bundesjustizminister Heiko Maas, für ihren Einsatz gegen „Rechts“ danken. In einer Medienlandschaft, die duldet, dass Kolumnisten und gern gesehene Talkshowgäste wie Jakob Augstein, per Twitter nicht nur relativieren, sondern auch gänzlich unverhohlen mit den Gewalttätern sympathisieren, während ein Roland Tichy wegen eines fälschlicherweise veröffentlichten geschmacklosen Beitrags eines Kolumnisten seinen Posten bei Xing räumen musste.

Der Grund für all das liegt in einer jahrzehntelang aufgebauten Salonfähigkeit linker Ideen. Links wird anders als Rechts nicht als politische Ideologie des Randes wahrgenommen, sondern ist mittlerweile in weiten Teilen tief in der Mitte der Gesellschaft verankert. Das zeigt sich nicht zuletzt auch und vor allem in einer medialen Berichterstattung, die von den politischen Zielen der linken Demonstranten spricht, als handele es sich hierbei um unanfechtbare gesamtgesellschaftliche Ansichten, die per se als positiv und richtig zu werten sind. „Die Demonstranten setzen sich für eine gerechtere und friedliche Welt ein“, heißt es da salopp.

Was stattdessen fehlt, ist eine wirklich inhaltliche Auseinandersetzung, welche die Frage behandelt, was überhaupt „Gerechtigkeit“ bedeutet, ob eine Einigkeit in dieser Frage gesamtgesellschaftlich überhaupt möglich und erstrebenswert ist und ob die gewählten Mittel und Ansichten, wie man diese erzielen könnte, überhaupt die Richtigen sind. Dass diese Fragen im gesellschaftlichen und medialen Diskurs nicht gestellt werden, zeigt indes, in welchem Ausmaß die linke Vorstellung dessen, was Gerechtigkeit ist und wie man diese herstellen könnte, bereits zum a priorischen gesellschaftlichen Gemeinplatz erklärt wurde.

Die deutsche Medienlandschaft – durch die linksgrüne Dominanz mittlerweile zu einer vollkommen von ökonomischem und polittheoretischem Wissen befreiten Zone erklärt, in welcher der gemeine Journalist größtenteils nicht in der Lage ist, linke Parolen und Forderungen überhaupt noch auf ihren Sinngehalt zu überprüfen. All das wird dankbar aufgenommen von einer Gesellschaft, die bereits in der Schule nur spärlich polittheoretisch und ökonomisch gebildet wird. Deren Schulbücher voll von antikapitalistischer Rhetorik sind, die keinen Zweifel über die grundsätzliche Richtigkeit linker Ideen zulassen.

Das mangelnde Bestreben um politische Erziehung des deutschen Journalismus in dieser Frage überrascht. Sieht man sich doch sonst an jeder Stelle mittlerweile in der Verantwortung, nicht nur zu berichten, sondern auch Informationen „einzuordnen“ und Bürger folglich zu erziehen. „Erziehungsjournalismus“ nannte Jan Fleischhauer das nach den Übergriffen von Silvester. Allerdings greift dieser offensichtlich nur, wenn es darum geht, die vermeintlich nach rechts gerutschte Bevölkerung wieder nach links zu ziehen. Andernfalls würde man vielleicht einmal auf die Idee kommen, einen Blick nach Venezuela zu werfen, einem Land, in dem aktuell mal wieder versucht wird, die Forderungen der politischen Linke nach einer „gerechteren Staatsform“, wie sie auch zum G20-Gipfel wieder verlautbart wurden, in die politische Praxis umzusetzen.

Ein Modell mit Erfolg, wie sich zeigt. Zumindest, wenn man Staatsbankrott und verzehrte Zootiere als Erfolg bewertet. Man würde sich anschauen, wie der Kapitalismus die Welt in den letzten 50-60 Jahren verändert hat und zum Schluss kommen, dass überall dort, wo der freie Markt herrscht, der Wohlstand der Gesellschaften um ein Vielfaches angestiegen ist. Dass sich die Situation nahezu aller Länder, selbst der ärmsten der Welt, durch die Globalisierung verbessert hat und dass der Sozialismus hingegen im 20 . Jahrhundert mehr Opfer gekostet hat, als jede andere Staatsform.

Aber all das übersteigt offensichtlich die Kompetenzen eines Journalismus, der für sich in Abgrenzung zu „unseriösen“ und überhaupt ganz bösen „rechtspopulistischen“ Plattformen proklamiert, ausgewogen zu berichten. Der offenbar selbst die Verbindung aus Unfreiheit und Zwang zwischen allen Formen des politischen Extremismus nicht zu erkennen imstande ist und der in nicht wenigen Teilen die politischen Ideen des linken Spektrums nicht nur teilt, sondern auch mitunter mehr Verständnis für diese Form der Gewalt aufbringt, als er es umgekehrt bei rechter Gewalt je tun würde. Denn eines ist sicher: Dass wir sämtliche Verharmlosungen der letzten Tage umgekehrt über die Demonstranten bei Pegida und Co. sicherlich nie gehört hätten. Dass sich an dieser Stelle kein einziger Journalist hingestellt und behauptet hätte, man müsste abseits von ein paar Extremisten auch an die vielen friedlichen Demonstranten und ihre ernsthaften Absichten denken. Und so hat der G20-Gipfel und die dazugehörige Berichterstattung lediglich einmal mehr die Blindheit Deutschlands auf dem linken Auge gezeigt.

Ein weiteres Beispiel gefällig?:

http://m.tagesspiegel.de/berlin/chaoten-oder-heilsbringer-danke-liebe-antifa/9382378.html?utm_referrer=http%3A%2F%2Fm.facebook.com

 

 

 

 

 

 

 

 

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