Is this Sparta? Trump, China und der peloponnesische Krieg

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Ist das Sparta? Historikerstreit im Weißen Haus (Foto: Screenshot/Youtube)

Glaubt man den Mainstream-Medien, ist die Trump-Regierung ein intellektuelles Vakuum ohne einen einzigen Gedanken, der nicht in 140 Twitter-Zeichen zu fassen wäre. In Wahrheit beschäftigt sich das Weiße Haus zur Zeit intensiv mit Thukydides‘ Der Peloponnesische Krieg und die Lehren für das Verhältnis USA-China.

Von Collin McMahon

Gerade die Abteilung Außenpolitik in der Trump-Regierung kombiniert jahrelange militärische Erfahrung an vorderster Front mit einem profunden intellektuellen Anspruch.

Trump hat seinen Verteidigungsminister James Mattis vielleicht wegen seinem Macher-Image und seinem Spitznamen „Mad Dog“ ausgesucht, aber Mattis selber mag diesen Spitznamen gar nicht. Lieber wird der ledige Generalleutnant der Marines a.D. als „Krieger-Mönch“ bezeichnet, der in Afghanistan auch mal um drei Uhr morgens im Schützengraben bei seinen Soldaten hockt, seine zerlesene Ausgabe der „Meditationen“ von Mark Aurel unterm Arm.

Mattis war Anführer der Marines, die 1994 den Anfang der Sunni-Rebellion in Falludscha bekämpften, und schrieb daraufhin mit Gen. David Petraeus das bedeutendste militärische Handbuch der Neuzeit, „Field Manual 3-24 – Counterinsurgency“ über den Guerillakrieg, das Buch, das zur Wende der katastrophalen Situation im Irak führte.

Trumps nationaler Sicherheitsberater Lt. Gen. H.R. McMaster war 1991 als Hauptmann im Kuwait-Krieg Befehlshaber bei der Schlacht von 73 Easting, der „letzten Panzerschlacht des 20. Jahrhunderts“. Am 23.2.1991 begegnete seine kleine Speerspitze des 2. Panzerkavallerieregiments mit 9 M-1 Abrams Panzern einer irakischen Elite-Panzerdivision hinter einer Hügelkuppe. Am Ende waren 30 irakische T-72 Panzer zerstört, McMasters Einheit hatte keine Verluste erlitten. Er bekam dafür den Silver Star für Tapferkeit im Einsatz.

Doch Herbert Raymond McMaster ist nicht nur ein waschechter Kriegsheld, sondern auch ein profunder Denker und Gelehrter, dessen Doktorarbeit an der UNC über die Fehlentscheidungen des Vietnamkrieges 1997 erfolgreich als Buch erschienen ist: „Dereliction of Duty“ oder auf Deutsch „Pflichtvernachlässigung: Lyndon Johnson, Robert McNamara, der Generalstab und die Lügen, die zu Vietnam geführt haben“ ist eine gründliche Abrechnung mit den kaputten militärischen und politischen Entscheidungsprozessen der „linken“ Kennedy- und Johnson-Regierungen, die zum vermeidbaren Alptraum von Vietnam geführt haben.

Sicher keine schlechte Vorbereitung im Umgang mit einem Präsidenten, dessen Erfahrung aus der Immobilienbranche rührt und nicht aus dem Pentagon oder State Department. Und Trump-Chefstratege Steven Bannon hat als Chefredakteur von Breitbart.com seine Karriere auf seiner Fähigkeit für disruptives Denken und Out-of-the-Box Paradigmensturm aufgebaut, wie bereits auf JouWatch beschrieben.

Mattis, McMaster und Bannon sind alle drei tief belesene Historienfans und besondere Verehrer des Vaters der griechischen Geschichtsschreibung, Thukydides. In einem lesenswerten Aufsatz für die New York Times 2013, „Der Wunschtraum der einfachen Kriegsführung“ über die Fehler und Lektionen der amerikanischen Außenpolitik im Irak und Afghanistan identifizierte McMaster nach Thukydides die drei Gründe, warum Menschen Krieg führen: Furcht, Ehre und Eigennutz. Drei Gründe, die sich seit 2500 Jahren nicht geändert haben, egal was die postmodernen Dekonstruktivisten schreiben mögen.

Nun gastierte also der Harvard-Gelehrte und Außenpolitikveteran Graham Allison im Weißen Haus, Autor von „Dem Krieg geweiht: Können Amerika und China der Thukydides-Falle entkommen?“ Die Thukydides-Falle bezeichnet den Hang zum Krieg zwischen aufstrebenden und etablierten Reichen, wie im Falle Athens und Spartas, oder eben China und den USA. Auch der chinesische Staatspräsident Xi Jinping beschäftigte sich bei seinem USA-Besuch im September 2015 mit dieser These.

Allison hält einen militärischen Konflikt zwischen den USA und China für möglich, aber nicht unausweichlich. In seinem Buch untersucht er 16 historische Fälle, bei denen Emporkömmlinge und Platzhirsche in Konflikt gerieten. 12 davon führten zum Krieg, 4 wurden friedlich gelöst. „Ich schreibe dieses Buch, damit wir diese Fehler vermeiden können“, sagt Allison.

Steve Bannon hat übrigens die Theorie der Thukydides-Falle auch auf seine Karriere angewandt – auf die etablierten Mainstream-Medien und der aufstrebenden Gegenöffentlichkeit von Plattformen wie Breitbart und JournalistenWatch. Und auch hier hat der alte Historiker recht: Die einen kämpfen aus Furcht, die anderen aus Ehre.

Collin McMahon ist Autor („Lukas und Skotti“) und Übersetzer („Gregs Tagebuch“). Er schreibt gerade an einem Buch über Donald Trump. Bei Verlagsinteresse bitte Zuschrift.

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