Die Gutmenschin und ihr Flüchtlingsboy: Wenn aus Liebe Hass wird

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Die Helferin und ihr Loverboy (Foto: Screenshot/Youtube)

2015 startete Care4Calais, getragen von einer Welle der Hilfsbereitschaft, in Großbritannien. Gegründet von Clare Moseley, einer wohlhabenden und verheirateten Frau, die angesichts des „Elends“ der sogenannten Flüchtlinge, ihre Koffer packte, ihren Mann verließ, um sich nun nur noch ihrer wahren Schicksalsbestimmung zu widmen, den „armen Menschen“ im französischen Calais zu helfen.

Von Marilla Slominski

Heute, nur zwei Jahre später, klebt am sonst so geschäftigen Lagerhaus der Hilfsorganisation, das bis unter das Dach gefüllt mit Spenden mitfühlender Briten ist, ein Zettel: „Betrieb eingestellt“.

Auf ihrer Webseite erklären die freiwilligen Helfer, es gäbe ein „Sicherheitsproblem mit einem ehemaligen Freiwilligen“.

Hinter dieser vorübergehenden Schließung steckt eine Geschichte von Liebe und Hass. Es ist die Geschichte von Mohamed Bajjar alias Kimo, einem 28jährigen Tunesier, der für die Hilfsorganisation Care4Calais als Dolmetscher arbeitete und in den sich die Gründerin Clare Mosely leidenschaftlich verliebte. Für ihre Mitarbeiter galt allerdings die unumstößliche Devise „Kein Sex mit Flüchtlingen“, für sie die Ausnahme davon.

Die Beziehung zwischen der 46-Jährigen und dem Tunesier, der sich als Syrer ausgab, endete 2016, als herauskam, dass er sie um tausende Pfund erleichtert hatte.

Doch nun beginnt erst das richtige „Flüchtlingsdrama“:

Am 14. Juni dieses Jahr, bricht er in das Lagerhaus der Hilfsorganisation ein, verschüttet literweise Benzin und droht, es anzuzünden.

„Am Ende werde ich Clare umbringen und das wird mir nicht schwerfallen. Das ist mein voller Ernst, weil ich sie mehr als alles in der Welt liebe“, textet Bajjar/Kimo, einem Freund, bevor er sich zum Lagerhaus aufmacht. In letzter Sekunde können die freiwilligen Helfer ihn von seinem Vorhaben abbringen.

“Kimo schrie, er werde alles in Brand setzen. Er würde jeden töten, der mit der Charity zu tun hat und er war besonders wütend auf Clare. Er war betrunken und außer sich. Wir hatten alle Angst“, erzählt Morgan Schuppe (29) dessen Familie das Lagerhaus gehört.

Die Polizei wird gerufen, Bajjar alias Kimo läßt noch 30 Handys der Hilfsorganisation mitgehen, bevor er, mit Handschellen gefesselt, abgeführt wird.

Die Besitzer des Hauses tauschen für viel Geld Schlösser aus, sichern Türen und haben Angst davor, dass Bajjar/Kimo zurückkommt. Sie wollen nun ihre Beziehungen zu Care4Calais neu überdenken.

Clare Mosely befinde sich zurzeit auf einer mehrwöchigen Reise in den USA, heißt es aus ihrem Umfeld.

Der Vorfall bringt Care4Calais erneut negative Presse und in Bedrängnis. Schon die leidenschaftliche Affäre zwischen Clare und Bajjar/Kimo hatte Anfang des Jahres für schlechte Schlagzeilen gesorgt. (jouwatch berichtete)

Gleichzeitig wird wieder einmal klar, dass trotz der ständig drohenden islamischen Terrorgefahr die Grenzen in Europa weiterhin offen für jeden und alle sind.

In den sechs Monaten seit der Trennung von Clare Moseley, reiste Bajjar ohne jedes Problem von Frankreich nach Großbritannien und zurück. Im Februar schmuggelte ihn eine Freiwillige von Care4Calais im Kofferraum ihres Wagens nach Großbritannien.

Munter veröffentlichte er ein Video mit einem Straßensänger im Herzen Londons auf seiner Facebookseite und teilte seinen Freunden mit, er habe dem Mann einen „10 Pfundschein gegeben, weil er gerade kein Kleingeld hatte“.

Ein Freund antworteten begeistert: “Du bist in London Kimo, juchu!“

Der umtriebige „Flüchtling“ kann sich stets der Unterstützung hilfsbereiter Frauen sicher sein.

Während seines London-Aufenthalts wohnte er bei seiner 30jährigen Schmugglerin und ließ es sich nicht nehmen, seine britische Ehefrau – ja, die gibt es auch noch -in Manchester zu besuchen.

Die 54jährige Carol Hutching hatte Bajjar/Kimo 2009 während eines Tunesienurlaubs in einem Nachtclub kennengelernt und heiratete ihn 2014 in der tunesischen Hafenstadt Sousse. Als ihr klar wurde, dass er nur hinter ihrem Geld her war, weigerte sie sich, ihm zu helfen, nach Großbritannien zu kommen. Als die zweifache Mutter dann auch noch mitbekam, dass sich der gebürtige Tunesier als syrischer Flüchtling ausgab, war sie entsetzt.

Munter kehrte er Ende Mai dieses Jahres – wieder illegal mit Hilfe der 30jährigen Flüchtlingshelferin – nach Calais zurück. Sie wurde daraufhin von der französischen Polizei verhaftet, drei Tage lang wegen Terrorverdachts verhört und wieder auf freien Fuß gesetzt.

Drei Tage später will der „syrische Tunesier“ das Care4Calais Lagerhaus abfackeln, nun hat auch seine Schmugglergehilfin die Nase voll von dem Mann, der alles ist, bloß kein Flüchtling.

Der „arme Refugee“ Bajjar/Kimo stammt aus seiner Mittelstandsfamilie, die einen Souk (Markt) in Sousse besitzt und gerade dabei ist, ein mehrgeschossiges Haus in der Stadt zu bauen. Nur zehn Kilometer entfernt fand am 26. Juni 2015 das Touristen-Strand-Massaker statt, bei dem der korangläubige Seifeddine Yacoubi alias Abu Yahya al-Qayrawani 38 Urlauber abknallte.

Bajjar/Kimo verlässt 2014 Tunesien, ausgestattet mit knapp 3000 Euro von seinen Eltern und reist mit einem Fischerboot von Tunis nach Palermo.

Von dort geht´s nach „Germoney“, wo er als Fake-Syrer einen Asylantrag stellt.  Anscheinend finden die deutschen Behörden heraus, dass er kein Syrer ist und so verlässt er im Juli 2015 Hamburg in Richtung Calais.

Dort trifft er Clare Mosely, die gerade ihr wohlhabendes komfortables altes Leben hinter sich gelassen hat und nun als der aufsteigende Stern am Hilfsorganisationenhimmel gilt.

Politiker wie die britische Labour Abgeordnete Diane Abbott feiern sie wie einen Popstar und geben sich bei ihr in Calais die Klinke in die Hand. Für die britische Zeitung The Guardian gehört sie zu den „sechs wichtigsten Frauen des Jahres“.

Sie steht bedingungslos an der Seite ihrer „Flüchtlinge“ und macht sich nicht nur Freunde, als sie im Januar 2016 über die Angriffe auf Lkw-Fahrer durch Migranten sagt, es sei nicht „der Untergang der Welt“, wenn die sich, angesichts der brutalen Attacken auf sie, lieber andere Jobs suchen. Im Oktober legt sie nach und wirft den französischen Behörden vor, sie würden die Migranten behandeln, wie „einst die Nazis die Juden“.

Doch den größten Ärger bekommt sie durch ihre Liebesgeschichte mit Bajjar/Kimo, hatte sie doch allen Mitarbeitern derartige Verhältnisse strikt untersagt.

Seit sie die Affäre beendet hat, dreht der verschmähte Liebhaber Kimo am Rad. Er droht und schimpft, schreibt E-mails an Zeitungen und lockt mit „riesen Enthüllungsgeschichten“ über Care4Calais.

Die Geschichte von Clare und Bajjar/Kimo findet ihr vorläufiges Ende, in seinem Beinahe-Brandanschlag.

Wie es weitergeht, wer weiß es. Die Türen von Care4Calais in Frankreich bleiben jedenfalls für unbekannte Zeit geschlossen.

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