Die deutsche Selbstentmündigung

Das letzte Hemd (Foto: Pixabay)

 

Es brodelt in einem immer größeren Teil des Volks. Die Unwillensbekundungen in den sozialen Netzwerken nehmen zu, ungeachtet der Form, in der sie jeweils vorgebracht werden. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem die Regierung dazu übergegangen ist, die Menge dieser Negativäußerungen zu beschneiden dadurch, daß sie „Haßsprache“ – und nachweislich nicht nur die – zensieren läßt.

Eine unhöfliche Polemik.

Von Max Erdinger
Erste Fragen und erste Antworten
Lässt sich ein Freier gefallen, daß er zensiert wird? – Nein. Ist jemand, der sich die Zensur seiner Meinung gefallen läßt, ein Freier? – Ebenfalls nein. Wollen denn nicht alle frei sein? – Doch. Warum läßt er sich die Zensur dann gefallen? – Weil er kein Freier ist, sondern ein Knecht mit Freiheitswahn. Wessen Knecht ist der Freie im Wahne? – Er ist sich sein eigener Knecht. Wahrhaben will er´s halt nicht. Warum nicht? – Weil es seine Identität zerstören würde.

Warum seine Identität? – Er ist ein Audi. Und ein Haus in der Neubausiedlung. Er ist ein Bankkonto. Er ist ein Getriebener. Seine Identität ist das Streben. Seine Lebenszeit verstreicht strebend. Kein Streben heißt Identitätskrise. Er muß streben. Er hat sich verpflichtet. Der Bank gegenüber für sein Haus und der Leasingfirma gegenüber für den Audi. Er braucht diesen Audi! Solange der Nachbar 20 Quadratmeter mehr und einen Audi hat, braucht er einen schöneren Audi als der Nachbar! Sind Audis denn nicht scheiße? – Doch, alleine schon wegen der Typen, die drin sitzen. Für gewöhnlich sind sie rasiert und wollen keinen Streß mit ihrer allmächtigen Frau.
Die Identität des Mainstream-Deutschen
Der Deutsche ist Materialist durch und durch. Stolz ist er auch noch darauf. Mater, Materie und Materialismus sind Begriffe, die so sehr vom lateinischen „mater“ für Mutter kommen, wie der Audi am Sonntagnachmittag vom Kaffeekränzchen bei selbiger. Mama! Wann war Mama glücklich und zufrieden anstatt hysterisch und anstrengend? Wenn Papa brav Geld zuhause abgeliefert hat und der kleine Audi gute Noten. Warum? – Wegen der Materie! Und wegen der Hoffnung auf noch viel mehr Materie! Materie ist gut, weil sie Mama glücklich macht. Mater, Materie, Materialismus, Mama, Audi – Deutscher! Wer für die Materie lebt, erntet Mamas Wohlgefallen. Hat jemand Muttersöhnchen gesagt? Das will ich aber überhört haben.
Die Identität des deutschen Rebells
Der rebellische Deutsche ist schwer auszumachen. Daß sein beseeltes Rebellengrinsen von der tiefen Befriedigung herrührt, beim Audifahren ein Seidenhöschen seiner Frau zu tragen, ist für Außenstehende naturgemäß schwer zu erkennen. Aber davon wird es ja nicht weniger rebellisch. Der deutsche Rebell bricht mit dem überkommenen deutschen Mann und kriecht schwanzwedelnd vor der deutschen Frau. Das ist sein Rebellentum. Fortschrittlich ist es auch.
Jetzt aber ernsthaft
So, Schluß mit dem Geläster. Für die längste Zeit unserer europäischen Geistesgeschichte galt folgendes: Materie dient dem Geist. Daß Geist abgeschafft wurde, durch ein Politbüro ersetzt worden ist und nunmehr die Geistlosigkeit der Materie dient, ist erst relativ kürzlich eingeführt worden. Und seither geht´s abwärts. Erster Kollateralschaden der Materialsherrschaft war die Freiheit.
Was ist ein Freier? Ein Freier hat keinen Chef, keine Schulden und keine allmächtige Frau. Daran erkennt man ihn. Und daran, daß er öffentlich sagen kann, was er will. Ein Freier ist sich selbst verpflichtet und sonst niemandem. Wenn er sich Anderen verpflichten will, etwa um ihnen zu helfen, dann entscheidet er das selbst. Das ist ein Freier.
Warum gibt es so wenige Freie? – Weil der Verlust ihrer materialistischen Identität viele Deutsche ängstigt. Wenn sie ihr individuelles Streben nach dem vermeintlich größeren Glück in der Zukunft dahingehend ändern würden, sich an den Dingen zu erfreuen, die einem täglich über den Weg laufen, wüssten sie nicht mehr, wer sie sind. Davor haben sie Angst.
Am Geld hängt alles
Die Sklaventreiber des Knechts in seinem Freiheitswahn regieren mit dem Geld. Sie regieren schließlich Materialisten. Je besser es ihnen gelingt, den Knecht in seiner Überzeugung zu bestärken, daß sie ihn vom Geld abschneiden werden, wenn er sich wie ein Freier benimmt, desto angestrengter wird der Knecht buckeln und seinen Mund halten. Lieber ist er ein Audi, als ein Aufmucker, dessen allmächtige Frau aufgrund der Konsequenzen seines Aufmuckens zur nervigen und dematerialisierten Xanthippe mutiert, sich demnächst scheiden läßt und ihm final noch einmal so richtig das Fell über die Ohren zieht. Hypnotisierter als je zuvor stiert er auf das Fernziel der großen Materie und will sich keinesfalls ablenken lassen. So viel Angst hat er. Dabei übersieht er etwas sehr Wesentliches.
Das Glück
Es gibt kein objektives Glück. Ein dauerhaftes Glück gibt es ebenfalls nicht und in der materialistischen Diktatur schon dreimal nicht. Sozialismus ist im wesentlichen die Reduzierung des Menschen auf materielle Aspekte. Glück ist dann, wenn man es fühlt. Das ist eine Sache von Neurotransmittern, Hormonen und Synapsen und für das Gehirn sehr anstrengend. Nach spätestens zehn Minuten macht es schlapp und wer eine Viertelstunde vorher Millionär geworden ist, freut sich seit fünf Minuten noch ein bißchen. Wenn die um sind, fühlt er sich lediglich nicht übel. Wegen den paar Minuten den ganzen Stress? Das ist unökonomisch.
Glücksgefühle gibt es für weniger Aufwand. Und ich schwöre: Das eine Glücksgefühl ist so gut wie das andere. Frei werden kann man, wenn man das berücksichtigt. Was sich dann einstellt, ist eine andauernde Zufriedenheit, ein Gefühl der Unangreifbarkeit, das Gefühl, Herr seiner selbst zu sein, sich nicht ducken und lügen zu müssen. Und frei muß man schon erst einmal werden, ehe man daran denken kann, gegen die Feinde der Freiheit etwas zu unternehmen. Ein Glücksgefühl ist, wenn man sich selbst gegenüber behaupten kann: Die Schweine haben mich nicht mehr an meinen Eiern.
Die deutsche Selbstentmündigung besteht in der bedingungslosen Unterordnung unter den Materialismus. Wer einer völlig geistlosen, absolut materialistischen Regierung das Geld entzieht, indem er sich in den materiellen Dingen beschränkt, muß nicht unglücklich werden. Ich kann nur dazu raten, es auszuprobieren. Es ist gut, vor einem Spiegel zu stehen und sich selbst in die Augen zu schauen, ohne dabei einen Getriebenen beim Erwerb des Überflüssigen, einen Knecht oder gar einen entmündigten Ödipus zu erkennen.
Jeden Euro, den diese Regierung zur Verfügung gestellt bekommt, verwendet sie auf lange Sicht GEGEN den Knecht, nicht für ihn. Die Lösung des Problems liegt auf der Hand. Und die Angst vor der Lösung des Problems steckt in allen Köpfen. Das ist die deutsche Selbstentmündigung.

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