Agenda: „Deutschland dümmer machen!“

https://cdn.pixabay.com/photo/2017/02/09/16/59/student-2052868__340.jpg
Wer weiß noch was? (Foto: Pixabay)

Von Joschka Fischer stammt sinngemäß die Äußerung, daß wir Deutsche aufgrund unseres Hanges zu Perfektion und Gründlichkeit, kombiniert mit Arbeitsethos und Leistungswillen, dazu tendieren, immer wieder das wohlhabendste Volk Europas zu werden – und daß damit ein deutscher Nationalchauvinismus einherginge, der ausgebremst werden muß.

Von Max Erdinger

Fischer hatte auch schon die Lösung für „sein Problem“: Man müsse dafür sorgen, daß die Deutschen das erwirtschaftete Geld nicht behalten. Man könne es auch völlig sinnlos zum Fenster hinauswerfen. „Hauptsache, die Deutschen haben es nicht“, so Fischer damals.

Inzwischen scheint es einen Strategieschwenk gegeben zu haben. Anstatt die von Fischer damals unterstellten Folgen von Perfektion, Gründlichkeit, Arbeitsethos und Leistungswillen durch sinnlose Geldvernichtung abzulindern, hat man in der Politik einen anderen Weg eingeschlagen, wie der Hannoveraner Bildungsforscher und Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Reinhard Franzke vermuten läßt. Franzke hat in diversen Studien nachgewiesen, daß die Bildung in Deutschland systematisch gegen die Wand gefahren wird, so daß Perfektion, Gründlichkeit, Arbeitsethos und Leistungswillen auf längere Sicht gar nicht mehr aufkommen können.

In der Sache scheint Prof. Dr. Franzke wenig Widerspruch erhalten zu haben. Seine Studien sind offensichtlich nicht zu widerlegen. Es passiert stattdessen das, was allerweil immer passiert, wenn der politischen Klasse etwas nicht in den ideologischen Kram passt: Franzke und sein „Institut für neuzeitliche Pädagogik“ werden systematisch totgeschwiegen. Dabei sind seine Erkenntnisse höchst alarmierend.

Das Thema Bildungspolitik führt zur Zeit ein mediales Aschenputteldasein, wie etliche andere innenpolitische Themen auch. Sie werden überlagert von „Wichtigerem“: Trump, Kampf gegen rechts, Klimapolitik, Wahlkampf, Flüchtlingsinvasion – und allen den Vorkommnissen, die uns tagtäglich als „die Nachrichten“ präsentiert werden. Daß unter den hunderttausend Dingen, die täglich auf der Welt passieren, nur dasjenige in den Mainstream-Redaktionen mit dem Etikett „Nachrichten“ versehen wird, was uns interessieren soll und worüber wir reden sollen, – das machen sich wohl die Wenigsten klar. Priorität hat, was der Mehrheit als „Nachrichten“ zum Fraß hingeworfen wird. Inzwischen sind wir so weit, daß meinereiner die „Nachrichten“ daraufhin untersucht, was uns durch ihre Veröffentlichung wohl vorenthalten werden soll. Nachrichten sind nämlich oft genug schon dadurch Desinformation, daß man sie als Nachrichten bezeichnet.

Ich muß freimütig einräumen, daß mir wegen des Wusts von Nachrichten, mit dem ich mich täglich herumschlage, gar nicht aufgefallen wäre, wie wenig ich in der letzten Zeit über Bildungspolitik gelesen habe. Die Proteste gegen die Genderlehrpläne in Hessen sind mir deswegen zwar nicht entgangen, aber sehr viel mehr war da nicht. Die Studien von Prof. Franzkes Institut für neuzeitliche Pädagogik haben deshalb mein Interesse geweckt, weil ich mir schon lange und immer wieder mal denke: „Herrgott, so dämlich waren die doch früher alle nicht!?“ Das passiert bei allen möglichen Gelegenheiten im Alltag, wo ich eher beiläufig unintelligentes Verhalten beobachte, häufig auf Straßen und Parkplätzen.

Ein Schlüsselerlebnis hatte ich vor einigen Jahren, als ich drei frisch gebackenen bayerischen Abiturienten unfreiwillig zuhören musste, die – stolz wie Bolle auf ihr Reifezeugnis – offensichtlich unterwegs zu ihrem Abifest gewesen sind. Einer von ihnen sagte wortwörtlich: „Hitler ist der letzte Bundespräsident vor Adenauer gewesen.“ Mir stockte der Atem. Eine Kaskade von Fragen durchflutete mein Gehirn: Wie kann das sein nach dreizehn Jahren bayerischer Schulbildung? Und wenn es schon in Bayern so schlimm ist, wie schaut es dann erst in Bremen aus? Was wird hier eigentlich großgezogen? Und warum wird es großgezogen? Zahlen kamen mir in den Kopf: Mehr als die Hälfte aller wissenschaftlichen Neupublikationen der Welt erschienen im Jahre 1920 auf Deutsch. Heute sind es weniger als fünf Prozent. Mir fiel dann auch sofort wieder ein, daß sich Professoren über die mangelnde Studierfähigkeit von Erstsemestern beklagen, daß Handwerksbetriebe an der Ausbildungsunfähigkeit von Hauptschülern mit einem qualifizierenden Abschluß verzweifeln – und daß das alles einerseits begeitet wird von einem feministischen Jubelchor, der die besseren Abschlüsse von Mädchen euphorisch feiert, während andererseits die Bundesrepublik bei internationalen Bildungsvergleichen immer tiefer im Mittelfeld verschwindet. Mir fiel ein, daß unionsgeführte Länder regelmässig besser abschneiden als sozialdemokratisch geführte. Und dann fiel mir auch ein Ausspruch ein, den ich mir wegen seiner Prägnanz gemerkt hatte: „In Deutschland ist Bildung durch Ausbildung ersetzt worden“.

Daß es in Deutschland vielleicht keine eklatante Ausbildungskrise gibt, wenn die Anfangsschwierigkeiten durch mangelnde Ausbildungsfähigkeit aufgrund fehlender schulischer Vorbildung erst einmal überwunden sind, würde ich noch konzedieren. Ich weiß, wie Prüfungen für Kfz.-Mechatroniker aussehen und es nötigt mir viel Respekt ab, wenn jemand diese Prüfungen besteht. Auf seinem Gebiet weiß ein deutscher Kfz.-Mechatroniker sehr viel. Aber was weiß er sonst noch? Und wieviel von dem, was er nicht weiß, wäre eigentlich unerläßlich für eine zutreffende Einordnung zeitgeschichtlicher Vorgänge? Und wenn er die nicht mehr treffen kann, was ist er dann als Demokrat wert? Darüber mache ich mir Sorgen. Es gibt in meiner Verwandtschaft viele Lehrer und hin und wieder schnappe ich etwas auf, das mich die Stirn runzeln läßt. Neulich habe ich erfahren, daß es in einer neunten Klasse niemanden gibt, der eine zutreffende Charakterisierung der ehemaligen DDR verfassen könnte. Meine Güte! Die DDR ist gerade mal seit 27 Jahren Geschichte! Was wissen 16-jährige Gymnasiasten, die sich heute als Antifaschisten gerieren, tatsächlich über die Nazis, außer, daß jeder, der nicht so tickt wie sie selbst, ganz offensichtlich einer sein muß?

Ich frage mich, ob in Deutschland gezielt eine politisch urteilsunfähige Masse von Ausgebildeten herangezogen wird, die gerade noch klug genug ist, die Knöpfe zu bedienen, die sie isoliert an der Stelle zu bedienen hat, an der sie später arbeitet, – und gerade dumm genug, um sich die Frage gar nicht mehr zu stellen, was sie da aufs Ganze gesehen eigentlich tut. Mir fällt die Organisationsstruktur der Mafia ein. Jedes Rädchen im kriminellen Getriebe tut zuverlässig das, was es an seiner Stelle zu erledigen hat. Nur der Pate weiß, wie und zu welchem Zweck die einzelnen Rädchen zusammenwirken.

Es gibt Beobachtungen, die mit meiner Vermutung korrelieren, daß die deutsche Volksverdummung einer langfristig angelegten Agenda geschuldet ist. Mehr Gymnasiasten als je zuvor haben letztes Jahr geäußert, sie würden in ihrem späteren Berufsleben am liebsten beim Staat unterkommen. Wegen der finanziellen Sicherheit. Unter Jurastudenten ist ein Nachkriegshöchststand bei denjenigen erreicht, welche die Wiedereinführung der Todesstrafe begrüßen würden. Besonders Sozialdemokraten setzen sich vehement dafür ein, daß Kinder möglichst ganztägig durch staatliche Stellen betreut werden. Nur ein völlig Naiver kann annehmen, daß es ihnen tatsächlich um Betreuung geht. Es geht um Indoktrination und Sozialisation durch den Staat, statt um Erziehung und Sozialisation in jeder  individuellen Familie – und damit um die Gefahr, sich später einem kritischen Bürger gegenüberzusehen, der sich seine Ansichten zu Staat, Gesellschaft, individueller Freiheit und zeitgeschichtlich kompetenter Einordnung der Gegenwart ohne großen Staatseinfluß gebildet hat. Solche Bürger sind nämlich schlechter zu manipulieren.

Die Socken hat es mir allerdings gar ausgezogen, als ich von Prof. Dr. Franzke lesen musste, daß sogar kenianische Kinder inzwischen mehr und besser lernen als deutsche. Das glauben Sie nicht?

Hier ein kleiner Auszug – Zitat: „Der in dieser Studie dokumentierte Verfall der Bildung beginnt schon im Kindergarten. Während unsere Kinder in Kindergärten meist spielen und toben, lernen in Kenia schon die Dreijährigen (!) auf eine faszinierende Art und Weise rechnen, schreiben, lesen und zwei Fremdsprachen, Kiswahili und Englisch, das vom ersten Tag an als Unterrichtssprache fungiert, wobei die Muttersprache die jeweilige Stammessprache ist (www.Kenia Unterrichtsreport.de). Während kenianische Kindergärten grundsätzlich Grundschulcharakter haben, verwandeln die neueren Lehrpläne die Grundschule in Kindergärten deutscher Prägung. Nach dem Willen der Bildungspolitiker und Pädagogen sollen die Kinder in der Grundschule ganz viel spielen, malen, basteln, toben, Erfahrungen und Erkundungen machen. Die immer geringeren Wissensmengen müssen sich die Schüler dann meist selbst besorgen und aneignen („im selbstorganisierten Lernen“), was die Kinder alleinerziehender und berufstätiger Mütter sowie Kinder aus bildungsfernen Schichten gravierend benachteiligt. Insgesamt liegt das Bildungsniveau der ersten Grundschulklassen unter dem Niveau der Kindergartenerziehung (der Dreijährigen) in Kenia! (vgl. auch didaktikreport.de). In der Regel lernen die Grundschüler in Kenia deutlich mehr und besser als die Kinder deutscher Grundschulen, selbst in den Slumschulen. In Slumschulen habe ich vorbildlichen Unterricht in Klassen mit 120 Schülern (!) gesehen (vgl. https://www.youtube.com/watch?v=N4v-1oo1I2E). – Zitatende.

Da passt doch „angleichungstechnisch“ einiges ganz gut zusammen, wie ich finde. Der massenhafte Import von Leuten aus Ländern, in denen der Durchschnitts-IQ – laut einer Veröffentlichung der Weltgesundheitsorganisation – deutlich unter dem in Deutschland liegt, wird bald harmonieren mit einem deutschen Volk, das lediglich noch ausgebildet, aber nicht mehr gebildet ist. Die Stoiker? Edvard Grieg? Albrecht Dürer? Michelangelo? Da Vinci? Der Kontrapunkt? Die Hanse? Die badische Revolution? Die Viola oder auch Bratsche? Der goldene Schnitt? Die Weimarer Republik? Strauß, Wehner, Bahr, Ulbricht? Freisler und Benjamin? – Was ist das alles? Der deutsche Depp der Zukunft braucht das alles nicht mehr zu wissen. Er soll nur noch funktionieren, nicht mehr denken. Ich befinde mich auf Alarmstufe rot.

 

 

 

 

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.