Putin, Trump, Petry – Das Böse und ich

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AfD bläst zum Angriff (Foto: Collage)

Wer die aktuelle Regierungspolitik Deutschlands ablehnt, ist im Schulterschluss mit dem Bösen – Trump, Putin und Petry. Da ist man ganz fix abqualifiziert. Selbstredend muss man alles aber auch alles rechtfertigen, was in den Medien über die Bösen so breitgekloppt wird. Drei Beispiele:

Von Volker Kleinophorst

  1. Putin

Putin hab ich immer als „lupenreinen Psychopaten“ wahrgenommen. Diese Selbstinszenierungen als russischer Chuck Norris, seine Rücksichtslosigkeit mit den politischen Gegnern, die kalten blauen Augen. Aber ist schon ein Kerl. Ich würd mich jedenfalls mit ihm nicht anlegen wollen. Der beherrscht Russland. Das ist ja nicht grad ein Kindergarten. Wer soll da schon oben stehen und alle in Schach halten.

Über Ukrainekonflikt, Nato-Ostausdehnung und dann die plötzlich so vehementen Sanktionen wegen Ich-weiß-nicht-was hab ich das Gefühl entwickelt, da stimmt was nicht. Gestern war der doch noch Gas-Gerds lupenreiner Demokrat und plötzlich wieder Good Old Erzfeind. Die Entwicklung von Putin zu DER PUTIN, der quasi hinter allem steckt wie Ernst Stavro Blofeld bei James Bond wirkte ebenso inszeniert, wie gefühlte fünf Minuten vorher Schröders „Demokraten“-Show.

Wie Putin dann allerdings Obama, Merkel und andere Politgrößen unserer Zeit ein ums andere Mal lässig ins Aus laufen lies, zeigte durchaus Geschick, Grundsätze und manchmal Humor. Nicht zuletzt die Perfomance unserer „Weltpolitiker“ lässt doch einen Putin erst gut aussehen.

Meine Überzeugung ist: Es gibt keine Anzeichen, das Russland Europa erobern möchte. Die wollen Teil von Europa werden, aber als Partner, nicht als Hartz 4 Empfänger wie unsere „Goldstücke“. Eine Partnerschaft Europa Russland würde einen Landraum bis nach China als Handelszone eröffnen, der Amerika geopolitisch an den Rand drängen könnte. Auf den aktuellen, von den Briten übernommenen, strategischen Vorteil, mit ihrer riesigen Marine die Meere, also die Seewege zu kontrollieren, könnten sie sich jedenfalls ein Ei backen (ich schweife ab).

Noch wichtiger. Putin sitzt direkt neben uns. Wenn der stärkste Junge in der Klasse um deine Freundschaft buhlt, solltest du ihn nicht abweisen, weil dein Brieffreund aus Übersee das gerne so hätte. Auf gar keinen Fall fängst du ohne Not einen Streit an, den du eh verlierst.

Meine Sichtweise hat sich also nicht wirklich geändert, wenn es um Putin geht. Aber als Partner halte ich ihn für berechenbar. Die deutsche Politik hat ihm teilweise übel vor den Kopf gestoßen. Ich finde, er hat das recht locker weggesteckt.

Und, um das hier ruhig deutlich zu sagen: Ich hätte den Amerikanern die Krim auch nicht überlassen. Denn nichts anderes hätte es bedeutet, sie in der Ukraine zu belassen. Das wäre selbstmörderisch gewesen. Den einzigen ganzjährig eisfreien Hafen hätten die Amerikaner sicher auch nicht aufgegeben.

  1. Trump

Trump war für mich immer so ne typische Ami-Lachnummer. Ich hab seine „You are fired“-Show ein paar mal gesehen. Mich immer über ihn amüsiert. Wat ne Type, diese Frisur.

Trump fiel mir als „Politiker“ erst auf, weil wirklich alle gegen ihn waren, sogar die eigene Partei. Das war schon ungewöhnlich, selbst für die USA. Aber „diese Witzfigur“ war ja schon bei der Kandidatenwahl abgeschrieben… Ja, ja. Abgeschrieben bis zum „Weißen Haus“. Ich hab auch das geglaubt, was überall behauptete wurde. Er wird es nicht.

Nun mag ich Außenseiter, den Maverick. Vor der Wahl wurde Trump inszeniert, als würde er gegen Bambi antreten und nicht gegen Hillary Clinton. So würde ich auch meine Position beschreiben. Ich war nie Pro-Trump aber sehr, sehr wohl Anti-Clinton.

Die hysterischen Reaktionen von Generation Snowflake am Tag nach der Wahl, hat mich dann allerdings dann doch kurzfristig vollends in Trumps Arme getrieben. Wenn alle, über die man den Kopf schüttelt, sich weinend in den Armen liegen, kann der Trump nicht ganz so schlecht sein. Das ganze Theater danach, der Frauenmarsch, die Pussyhüte…

Aber von amerikanischen Präsidenten sollte man nicht zu viel erwarten. Schön reden konnte Obama doch wie die Eins. Leider war seine Politik Bush im eleganten Anzug.

Natürlich würde ich begrüßen, wenn Trump seine Ankündigung wahr macht, weltpolitsch ein wenig Druck vom Kessel zu nehmen und mit Russland den IS in den Sand zu treten. Weltweit würden beide davon enorm profitieren, ja wahrlich in die Geschichte eingehen.

Leider ist die Rolle der Amerikaner in der islamischen Welt ausgesprochen zwiespältig. Sieht nicht so aus, als hätte sich das gravierend geändert.

  1. Die AFD

Die Alternative für Deutschland habe ich zuerst über den Namen wahrgenommen. Fand ich als Claim clever, schließlich war ja gerade Alternativlosigkeit die neue politische Wunderwaffe.

Dass der Euro ein Fehlschuss ist, das sah ich auch so. Heute sieht es jeder. Aber für mich war die AfD eine Splitterpartei, der ich nicht zugetraut habe, die 5% Hürde zu knacken. Wirtschaftsprofessor Lucke hatte da für mich wenig Potential, generell traue ich Professoren nicht so viel zu. War auch mal an der Universität. Viele sind sehr weltfremd.

Die ganzen Anfangsstreitereien und Luckes Entmachtung nahm ich unbeteiligt wahr. Bis zur illegalen Grenzöffnung von Frau Merkel. Damals hatte ich noch nach diesem Alleingang, verbunden mit endlosen Rechtsbrüchen, gedacht, in einer Woche ist die weg. Wir haben ja keine Diktatur. So sehr hab ich alter „Verschwörungstheoretiker“ noch an die Demokratie geglaubt und daran, das Gesetze auch für die Regierung gelten. Aber da kannte ich den humanistischen Imperativ noch nicht. Der war auch alternativlos. Das Merkel noch mal antritt und wohl auch gewinnen wird, darüber bin ich heute noch fassungslos.

Weiter musste ich auf feststellen. Es gibt in unserem Land überhaupt keine Opposition mehr. Nein, wer gegen „Wir schaffen das“ in irgendeiner Weise antrat, wurde innerhalb von 2 Minuten zur Persona Non Grata. Gegen irgendetwas zu sein, außer gegen Rechts, verstieß gegen die Staatsräson und die Menschlichkeit und was alles sonst noch.

Und plötzlich war die Alternative für Deutschland alternativlos, wenn einem an der „Willkommenskultur-Lüge“ etwas nicht gepasst hat. Natürlich gibt es noch ein paar andere Parteien, aber die AfD kam plötzlich doch auf eine relevante Größe. Und die Reaktionen der politischen Gegner und ihrer Propagandakanäle wurden und werden bis heute täglich hysterischer. Ich ging zu ein paar Veranstaltungen und sah keine Glatzen, obwohl es in der Nordheide schon welche gibt. Stattdessen klassisches konservatives Wählerpotential, das man bis heute auch in CDU und SPD findet. Natürlich nur bei deren Wählern, nicht mehr bei den aktuellen Politikern.

Auf der Veranstaltung in Hittfeld, auf der Meuthen eine gefrorene Torte an den Kopf geworfen wurde, sah nur ich nur eine Sorte Hater. Irgendwelche Wohlstandskinder, manche fast identitär adrett, viele in üblichen Verwahrlosungszuständen, die Parolen skandieren und dem politischen Gegner gerne das Fell gerben würden oder zumindest Auto und Haustür beschmieren. Keine älteren Demonstranten. Diese legitimierte Gewalt gegen Andersdenkende, von allen Parteien und den Medien gestützt, als aufrechten Kampf gegen das vor 70 Jahren untergegangene Nazi-Deutschland, stößt mich wirklich ab. Oben die faschistische Dreistigkeit es durchzuziehen, unten die Dummheit der Menschen, auch wirklich nix zu merken.

Ein Gespräch mit der Polizei offenbarte übrigens, dass nur die AfD-Veranstaltungen geschützt werden müssen. Keiner konnte sich an eine Veranstaltung der Linken erinnern, die von Glatzen gestürmt worden sei.

Leider ist nicht alles Gold bei der AfD. Petry ist für mich ein Typ, der mit dem Hintern umschubst, was gerade mit den Händen aufgebaut wurde. Sie wär eigentlich ausbaufähig als Alternative, schon optisch und so schlecht redet und präsentiert sie sich vor der Kamera ja nicht. Aber…

Meuthen ist ein guter Redner, Höcke eher nicht, Weidel, Petry, Storch kann man in Talkshows schicken, wenn denn überhaupt eingeladen. Aber so eine richtige Einheit ist diese junge Partei nicht. Nein, in manchen Ecken ist sie ganz schön zerstritten. Wo die Bundespartei schon kein geschlossenes Bild ergibt, kann man von den Landes- und Kreisverbänden nicht ernsthaft mehr erwarten. Ich kann schon verstehen, wenn Wähler Probleme mit so einer Wundertüte haben. Nicht verstehen kann ich allerdings, dass so viele  so wenig Probleme mit den mittlerweile quasi zur Einheitspartei fusionierten Altparteien haben und meinen, die Verursacher der Probleme müssten dieselben ja wohl am Besten lösen können.

Kurz: Die AfD ist nicht wirklich meine Partei, aber die einzige parlamentarische Opposition, die im Moment da ist. Ich versinke auch nicht in Putin-Liebe, noch muss ich mir als Trump-Fan alles schön reden, was er so von sich gibt und macht. Ich kann aber an Politikern was finden, IN EINZELFÄLLEN, ohne ein fanatischer Gewährsmann zu sein.

Außerdem könnten durchaus schlimmere Figuren am Start sein.

Für Russland wäre eine Marionette à la Jelzin „in diesen Zeiten“ sicher nicht besser, eine Schirinowski-Figur und wer da sonst noch rumgeistert, auch nicht.

Die AfD kämpft für eine politische Kurskorrektur und schafft es immerhin in die Parlamente, obwohl wirklich alles gegen sie trommelt. Respekt allein dafür. Das persönliche Risiko, die Anfeindungen auch gegenüber den Familien, dass die AFD-Politiker das in Kauf nehmen. Auch dafür Respekt. Der Versuch ein Partei zu gründen, die der Allparteienkoalition die Stirn bietet. Sicher nicht (noch) strafbar.

In den USA wär es eben ohne Trump jetzt Hillary Clinton, die ja auch ganz viele Amerikaner für den Satan halten. „Clinton Satan“ ist ein extrem beliebter Autoaufkleber.

Liest man hier nur nicht so häufig.

 

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