Die Medientherapie – Vom richtigen Umgang mit den doofen Deutschen

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Will von der Wahrheit nichts wissen: Bild (Foto: Collage)

Da flattert mir doch kürzlich, nachdem ich sämtliche Zeitungen und Magazine längst gekündigt hatte, ein Presseerzeugnis in meinen seit langer Zeit unbefleckten Briefkasten!  Eine BILD-Jubiläums- und Jubelausgabe mit erstaunlich viel nationalem Pathos im Aufmacher. „LUST AUF DEUTSCHLAND“ in riesigen schwarz, rot, gelben Lettern.

Von Klaus Barnstedt

Dazu ein schlankes deutsches Fräuleinwunder in Großformat, mit neckischen, mitunter naziverdächtigen Zöpfen (Apotheken Rundschau!), einem roten Bikini-Oberteil, einem gelben Höschen, lässig ein Bein rechtwinklig abgespreizt, den Fuß auf einer Kühlbox. Mit einer Boulevardzeitung unter dem Arm, Bierdose in der Hand, rote Fingernägel.

Das ganze Titelblatt eine Orgie der Nationalfarben. Dazu, wie gesagt, „Deutschland“, das Unwort des letzten Jahrzehnts, im Großdruck. Es fehlt nicht an Hinweisen und Stellungnahmen auf den Seiten 1, 2 und 25, was „wir“ alles sind und können und wer „uns“ alles bewundert und beneidet. –

Endlich einmal Streicheleinheiten für die gequälte Volksseele, ohne völkisch sein zu wollen, versteht sich! Gratwanderung für BILD, die Mutmacher mit der Aufforderung zum liebenswerten Deutschsein. Bei der praktizierten Vorgehensweise ist eine gezielte Wahlkampfhilfe für die Regierungsparteien allein vom Ansatz her unvermeidlich.

Was haben Sie gegen Sommerspaß und gute Laune, Sie Spielverderber? Sie wollen nicht nur lesen, was angeblich deutsch „ist“? Besonders nicht nur aus Merkels und Schulzens Sicht? Sie wollen auch unverblümt hören, lesen und diskutieren, was in und mit Deutschland passiert? Jetzt bleiben Sie mal auf dem Teppich, ja!

Sie registrieren massive gesellschaftliche Veränderungen und willfährige politische Hinnahme, wenn nicht sogar Steuerung? Glauben Sie ja selbst nicht!

Sie sehen ständig zukünftige alte schwarze Männer, auf Schritt und Tritt? Machotruppen in Fußgängerzonen, denen Sie lieber aus dem Weg gehen? Fühlen sich eher unwohl an belebten Orten, erst recht in schwer einsehbaren Straßenabschnitten, besonders bei einbrechender Dunkelheit, vor allen Dingen nachts, zumal als Frau? Sie meiden öffentliche Verkehrsmittel?

Weltoffenheit und grenzenlose Toleranz haben ihren Preis, verdammt noch mal! Dafür haben Sie immer noch Ihren Wohlstand: Fernsehunterhaltung, Fußball, Flaschenbier und Billigpizza. Wir sind so ein reiches Land!  Noch nie ging es uns so gut.

Das Nachdenken, was in diesem Land vor sich geht, überlassen Sie mal gefälligst den Experten und den Politikern der altbekannten (Bundestags-)Parteien. Die kümmern sich schon um Sie! Genau wie wir!

„BILD – Fünf! Und! Sechzig! Jahre! Unabhängig-Überparteilich“ (22. Juni 2017)

 

 

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