Verhaltensökonom: Terror kein Grund zur Sorge

Statistisch besonders gefährdet: Polizist (Foto über dts Nachrichtenagentur)

Köln – Der Verhaltensökonom Horst Müller-Peters von der Technischen Hochschule Köln rät zu mehr Gelassenheit. Viele Deutsche seien schlicht zu ängstlich: „Das Risiko von Ländern, in denen es aktuell Anschläge gab, wird dramatisch überschätzt“, so Müller-Peters im Wirtschaftsmagazin „Capital“ (Ausgabe 7/2017). Er beruft sich dabei auf die Studie „Wahrnehmung und Fehlwahrnehmung von Alltagsrisiken“ die er selbst und die Mathematikerin Nadine Gatzert von der Universität Erlangen-Nürnberg erstellt haben. Sie spiegelt das von Menschen wahrgenommene Risiko an der statistischen Realität. Seltene Ereignisse würden im Gegensatz zu häufigen Gefahren überschätzt.

„Das Risiko, an Krebs zu erkranken, wird um das 13-fache unterschätzt, obwohl es jeden zweiten Mann und zwei von fünf Frauen trifft.“ Die verzerrte Risikowahrnehmung erklärt Müller-Peters mit der mangelnden Fähigkeit, in Wahrscheinlichkeiten zu denken. „Die meisten Menschen sind schon mit relativ einfachen Wahrscheinlichkeitsfragen überfordert“.

Müller-Peters: „Wir ersetzen die schwierige Frage, wie wahrscheinlich ein bestimmtes Ereignis ist, durch eine einfachere: Wie gut kann ich mir das vorstellen? Alles, was wir uns leicht vorstellen können, halten wir auch für besonders wahrscheinlich.“ Der Verhaltensökonom schlägt vor, sich bei der Einschätzung von Risiken im Alltag nicht intuitiv vorzugehen, sondern rational vorzugehen. „Es ergibt einfach Sinn, extrem seltene Risiken wie einen Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt auszublenden. Solche Sorgen vergällen uns ansonsten unnötig den Tag.“

Bei Alltäglichem müsse man hingegen genauer hinschauen, so Müller-Peters. „Gehen Sie ruhig weiter auf den Weihnachtsmarkt, fahren Sie aber besser nicht mit dem Auto oder gar Motorrad hin.“, so der Ratschlag des Experten für Riskoeinschätzungen jedweder Art. (dts)

So, jetzt mal die Ohren gespitzt und die Äuglein fein herausgedreht, Mr. Superschlau: Was ist der Unterschied zwischen Dingen, auf die man selbst Einfluß nehmen kann und solchen, auf die man keinen Einfluß hat? – Ach so, das ist gar nicht berücksichtigt worden bei der Studie? Dann taugt auch die Studie nichts, Herr Professor. Wenn ich rauche, mit dem Auto zum Weihnachtsmarkt fahre oder gar mit dem Motorrad – eiskalte Angelegenheit übrigens und statistisch daher „unwahrscheinlich“ – , dann bin ich Herr des Geschehens. Vor Dingen, über die ich selbst die Kontrolle habe, ängstige ich mich logischerweise weniger, als vor solchen, auf die ich keinerlei Einfluß habe. Keine Statistik dieser Welt ändert da etwas dran. Beifahrer haben immer schneller Angst als der Fahrer. Fluggäste sind immer ängstlicher als die Piloten, obwohl in beiden Fällen die beteiligten Personen an ein- und dasselbe Schicksal gekettet sind. Aber Ihre überflüssige Studie – wessen Geld ist eigentlich für den Schmarren wieder verbraten worden? – passt natürlich wunderbar in eine Zeit und in einen Staat, wo der Mensch nur noch eine Teilmenge von „die Menschen“ und eine statistische Größe ist, dessen Eigenverantwortlichkeit geringer geschätzt wird als jemals zuvor. Im Übrigen: Daß etwas statistisch weniger gefährlich ist als etwas anderes, kann keinesfalls bedeuten, daß ich mich deswegen nicht damit befasse. Schicken Sie Ihre Studie am besten porto- und kostenfrei an die Hinterbliebenen der Opfer von Terroranschlägen. Die werden Ihnen rührende Dankesbriefe schreiben, Sie statistischer Seelentröster. Wenig hochachtungsvoll und mit noch weniger freundlichen Grüßen – usw.usf. … (ME)

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