Die Reise nach Kabul (oder: Ein aufwühlendes Erlebnis)

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Warum in die Ferne schweifen, wenn das Böse liegt so nah (Foto: Autor)

Dramatische Schilderung eines Horrortrips

Meine Frau und ich hatten beschlossen, unsere diesjährige Urlaubsreise nach Kabul zu machen, um uns aus erster Hand über den Stand der Dinge dort zu informieren und hatten eine einschlägige Gruppenreise gebucht.

Von Quo usque tandem

Bei einer Phase der Reise ergab sich eine äußerst alarmierende Situation. Der vom Veranstalter gestellte Reisebus gab irgendwo nahe der Mitte der Landeshauptstadt den Geist auf und unsere Teilnehmergruppe war gezwungen, den Weg zu Fuß fortzusetzen. Die Szenerie wurde zusehends exotischer, kasbahähnlicher; überall Minarette, überall bärtige Männer, entweder in weißen, bodenlangen Nachthemden mit runden Käppchen auf dem Kopf oder in schwarzen Kaftanen und turbanähnlichen Kopfbedeckungen. Viele Spezimen der lokalen männlichen Jugend waren in zusammengewürfelte Teile vom militärischem Kampfeinsatzfummel gekleidet und machten den Eindruck, entweder gerade von der Irak/Syrien-Front zurückgekommen zu sein oder sich auf die Reise dahin vorzubereiten.

Die durch den seltenen Anblick von Menschen aus der westlichen Zivilisation anfänglich geweckte Neugier schlug sehr rasch in eine hässliche, aggressive Stimmung um. Finstere Blicke, Drohgebärden, reflexartiges Fingern der jüngeren Männer in ihrer Kleidung (vermutlich nach Instrumenten zum Durchtrennen der Halsstruktur), ein stetig anschwellendes allgemeines Murmeln, dessen Tenor wir dahingehend  verstanden, dass Konsumenten von Schweinefleisch – und generell Ausländer – hier nicht willkommen seien. Die weiblichen Mitglieder unserer Gruppe waren teilweise mit Sommershorts, teilweise mit kniefreien Röcken bekleidet und auch oben herum in westlicher Manier (wenn auch nicht sittenwidrig) relativ freizügig, wohingegen die lokale Weiblichkeit durchweg eine kopfbedeckende, bodenlange schwarze Sackmode bevorzugte; auch dieser Unterschied in der Modepräferenz gab lokalerseits Anlass teils zu missbilligenden Blicken und Kommentaren, teils zu sehr deutlichen, in das Gebiet der Fortpflanzung spielenden Angeboten von Seiten der männlichen Jugend.

Alles in Allem, eine äußerst explosive Stimmung, die uns zeitweilig daran zweifeln ließ, ob wir den Sektor wieder lebend verlassen würden.

Glücklicherweise erinnerte sich unser Reiseleiter an die U-Bahnstation in der Nähe des Neuköllner Rathauses und wir schafften es tatsächlich, diesen relativ sicheren Hafen unversehrt zu erreichen. Der weitere Verlauf der Reise – Fahrt zum Flughafen Tegel, Flug nach Paris, Anschlussflug nach Kabul und Aufenthalt dort – verliefen danach ohne besondere Zwischenfälle.

Wandere aus, solange es noch geht!
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