Bayern: AfD-Chef Bystron vs. Polizeigewerkschafter

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Petr Bystron AfD

Ein Bekannter von mir sagt nie „Gewerkschafter“. Er sagt immer „Gewerkschaftsarsch“. Seit heute kann ich den Mann verstehen.

Von Max Erdinger

Der AfD-Landesvorsitzende in Bayern, Petr Bystron, hatte nach dem Kopfschuß, den eine bayerische Polizeibeamtin erlitten hat, als sie einen schwarzen Deutschen festnehmen wollte, der ihr jedoch die Dienstwaffe entwenden konnte, ein inzwischen gelöschtes Facebook-Posting folgenden Inhalts abgesetzt, wie der Merkur mitteilt. „„So sieht es aus, wenn man die Polizei mit ungeeigneter Einsatzausrüstung in den Nahkampf schickt!“, hatte Bystron ursprünglich gepostet – und prompt Gegenwind bekommen.

Der Gewerkschafts-Landesvorsitzende der Polizei, Peter Pytlik, reagierte auf Bystrons Facebook-Post mit den folgenden Worten: „Wer einen Vorfall wie diesen, bei dem unsere schwer verletzte Kollegin mit dem Leben ringt, hernimmt um politischen Wahlkampf zu betreiben, stellt sich komplett ins Abseits. Eine andere Ausrüstung oder aber auch eine andere Dienstwaffe hätte diesen tragischen Vorfall nicht verhindern können“. Dem Innenminister Vorwürfe zu machen sei „völlig daneben“ und „unter der Gürtellinie“, so Pytlik.

Der Mann scheint nach Höherem zu streben in Bayern. Da ist es günstig, vorher schon einmal einen bayerischen Innenminister in Schutz genommen zu haben, der gar nicht direkt angegriffen worden war. Dummerweise stellt sich damit die Frage, wer hier „unter der Gürtellinie“ argumentiert. Es sieht ganz so aus, als sei das Peter Pytlik, der „Gewerkschaftsarsch“, wie mein Bekannter zu sagen pflegt, obwohl ich ihn dafür schon oft getadelt habe. Tatsache ist, daß der afrikanische Deutsche die Dienstwaffe der Polizistin entwenden konnte. Und dafür gibt es Gründe ausrüstungstechnischer Art.

In Deutschland gibt es ein florierendes Unternehmen, das seinen Umsatz mit Ausrüstungsgegenständen macht, die sich Polizisten auf eigene Kosten zulegen. Der Laden heißt „Cop-Shop“. Dort gibt es von optimiertem Schuhwerk über schußsichere Westen, stichfeste Handschuhe, Handschellen und Schlagstöcke, Pistolenholster, Elektroschocker, Taschenlampen, Sonnenbrillen und Schuhe bis hin zur Funktionsunterwäsche alles, was den Polizistzenalltag sicherer und bequemer macht. Die vom Staat bereitgestellte Ausrüstung ist nämlich nicht für alle Einsatzzwecke gleichermaßen gut geeignet. Betrieben wird der Laden von Chris Hermann, einem Hünen von fast zwei Metern Körpergröße, der lange Jahre USK-Beamter gewesen ist. Seine Ehefrau Ulrike sagt, daß es in Deutschland wohl kaum einen Polizeibeamten gibt, der ihr Unternehmen nicht kennt. Der Cop-Shop der Hermanns startete ursprünglich als Nebenverdienstquelle im Onlinehandel und wuchs inzwischen zu einem profitablen Unternehmen heran, das neben dem umsatzstarken Onlinehandel auch noch fünf Ladengeschäfte hat, in welchen sich Polizisten direkt vor Ort mit dem dienstlich Wünschenswerten eindecken können.

Ein Renner im Sortiment sind amerikanische Sicherheitsholster für die Dienstwaffe. Ulrike Hermann: „Die herkömmlichen Lederholster, wie man sie im „Tatort“ und an vielen Berliner Polizisten sieht, sehen zwar stilecht aus. Doch sie schlackern beim Laufen. Es kann vorkommen, dass dem Beamten während eines Gerangels die Waffe weggenommen wird.“ Kunststoffholster seien komfortabler und sicherer, sagt die Geschäftsführerin, die unter anderem die bayerische Polizei damit beliefert.

Die 26-jährige Beamtin jedoch, die nach dem erlittenen Kopfschuß mit dem Tode ringt, scheint kein solches Holster gehabt zu haben. Obwohl etwa ein Drittel der Bestellungen bei den Hermanns inzwischen durch öffentliche Aufträge zustande kommt, macht der Cop-Shop mit Polizeibeamten, die auf eigene Rechnung einkaufen, noch immer den Löwenanteil seines Umsatzes.

Anders als sein bayerischer Kollege Pytlik, beschreibt der Berliner Gewerkschaftsvorsitzende der Polizei, Steve Feldman, die Lage so: „Es gibt kaum einen Kollegen, der nicht schon mal privates Geld in seine Arbeitsfähigkeit und seinen Schutz investiert hat.“

Und damit wären wir beim Punkt. JouWatch meint: Wir Älteren können uns an Zeiten erinnern, als Großbritannien dafür gerühmt wurde, daß die legendären „Bobbies“ dort mit einem Knüppel auskamen, weil sie keine Schußwaffen brauchten. Das ist längst Vergangenheit. Auch der deutsche „Schutzmann“ ist Vergangenheit. Die explodierende Gewaltkriminalität und der generelle Verlust von Achtung für ein Menschenleben ist vollumfänglich dem Versagen einer durchideologisierten politischen Klasse in Europa zu verdanken, die völlig verdrängt hat, daß es gemeinsame Überzeugungen und gemeinsame kulturelle Normen sind, die eine Gesellschaft sicher machen. Das ist das eine. Wer aber trotz dieses Versagens obendrein noch diejenigen im Stich läßt, die für dieses Versagen ihre Haut zu Markte tragen müssen, die Polizisten nämlich, indem er ihnen die bestmögliche Ausrüstung vorenthält, der hat die Bezeichnung „Volksvertreter“ nicht mehr verdient. Und ein Gewerkschaftschef der Polizei, wie Peter Pytlik in Bayern, der diese hochmoralische Frage unter „Wahlkampf“ zu subsumieren gedenkt, ist eine glatte Fehlbesetzung. Er vertritt seine Polizisten genau so wenig, wie knausrige Politiker, die ihre eigene Fettlebe auf Steuerzahlers Kosten fortwährend perfektionieren und bei der Polizei sparen, das Volk. Pardon, die Bevölkerung.

 

 

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