Inside Venezuela: Sozialistisches Paradies vor dem Zusammenbruch

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Die venezolanischen Wirtschaftsweisen (Foto: Pixabay)

Ben Kew berichtet für Breitbart von einer Reise in das sozialistische Paradies auf Erden, das mit reichlich Ölreserven gesegnete Venezuela.

Caracas, Venezuela – Sogar am Flughafen von Bogotá in Kolumbien, der dem Lande Venezuela am nächsten gelegenen Großstadt, bekommt die Mimik der Flughafenangestellten zweifelnde Züge, wenn man ihnen erzählt, man wolle nach Caracas.

Einreisevisa nach Venezuela sind noch immer leicht zu haben, auch wenn Journalisten ein Spezialvisum brauchen. Selbst den regierungsfreundlich gesonnenen Immigrationsbeamten erschien meine Begründung, das Land aus touristischen Gründen besuchen zu wollen, ziemlich weit hergeholt zu sein. „Was ist der wahre Grund für Ihre Einreise?“, fragte mich die Grenzbeamtin. „Freundin besuchen,“ antwortete ich.

Sie lächelte. „Willkommen in Venezuela.“

Wenn man vom internationalen Flughafen Simon Bolivar in die Stadt fährt, sticht einem der Unterschied zwischen Caracas und Bogotá – früher eines der weltgrößten Schlachtfelder im Drogenkrieg – schon sehr in die Augen.

Bewaffnete Polizisten stehen an fast jeder Straßenecke. Jeder verfügbare Platz dient der Verherrlichung des Erfolgs der sozialistischen Revolution von Hugo Chávez und Nicolàs Maduros´ autoritärem Regime. Die Opposition unterminiert die offizielle Regierungspropaganda mit eigenen Graffiti und beschuldigt das Regime, letztlich ein Land zu ruinieren, welches über die höchsten Ölreserven der Welt verfügt.

Die Zunahme derartiger Graffiti ist beträchtlich, verglichen mit meinem Besuch im letzten November. Pro-Regierungspropaganda teilt sich die Straßen mit Anti-Regierungsgraffiti rund um fast jeden Häuserblock.

„Das hier ist das neue bolivianische Toilettenpapier!“ heißt es beispielsweise über einem per Schablone aufgetragenen Graffiti, welches Maduro mit einem Oktavheftchen in der Hand zeigt. Ein Hinweis auf Maduros Änderungsvorschläge zur venezolanischen Verfassung, denen bei einer Volksabstimmung letztes Jahr die Zustimmung verweigert worden war.

Fast jeden Tag finden Protstmärsche von Regierungsgegnern statt und fast alle sind gewaltbehaftet. Seit die Protestmärsche Ende März begonnen hatten, sind 84 Demonstranten ums Leben gebracht worden. Die Polizei benutzt Wasserwerfer, Gummigeschosse und Rauchbomben, um die Situation unter Kontrolle zu halten.

Die Proteste erinnern an eine außer Rand und Band geratene Horde von Fußballfans. Es herrscht große Solidarisierung untereinander, viele Demonstranten hüllen sich in die Flagge ihres Landes. Straßenhändler betreiben ein florierendes Protestgeschäft. Sie verkaufen unter anderem Drucklufthörner, Flaggen und T-Shirts. Letztere sind beispielsweise bedruckt mit Parolen wie: „S.O.S. Venezuela“, „Wer zuerst müde wird verliert“ oder „Widerstand: Gib´niemals auf!“

Bei einem Besuch der Universidad Central de Venezuela, der größten Universität des Landes, schien irgendetwas nicht ganz zu stimmen. Die Universität selbst sieht aus wie jede andere, mit Gebäuden, die sich um einem Campus gruppieren. Auch gibt es grandiose Einrichtungen wie ein Sportstadion und eine erstaunliche Konzerthalle.

Dennoch: Obwohl es ein Mittwoch gewesen war, sind kaum Studenten zu sehen gewesen. Lilliana Céspedes, Professorin für Englisch, klärte mich auf: „Die Lage ist zu ernst geworden für die Studenten, um sich auf ihr Studium zu konzentrieren“, sagte sie. Viele Studenten zögen es vor, an den Protestmärschen gegen die Regierung teilzunehmen. Etliche seien aber auch gezwungen, sich Arbeit zu suchen, um ihre Familien finanziell zu unterstützen. Einige ihrer Vorlesungen seien gerade noch von einer handvoll Studenten besucht.

Einer der frustrierendsten Aspekte beim Versuch, Venezuela zu verstehen, ist die hohe Zahl von Sicherheitsleuten überall dort, wo die Regierung lieber Verstecken spielen würde. Beim Betreten eines von der Regierung betriebenen Supermarktes werden meine Taschen gefilzt. Sie finden meine Kamera. „Keine Fotos hier“, sagt die Security. Auf demWeg nach draußen dann eine ähnliche Prozedur.

Ich habe meine Glück auch im venezolanischen Staatskrankenhaus versucht, obwohl mich bewaffnete Wachmänner aufforderten, die Kamera wegzustecken. Fast jeder öffentliche Platz in Caracas wird von Polizei überwacht. Die meisten Polizisten sind ärmlich bezahlt, gelten aber offiziell noch immer als Unterstützer der Regierung.

Inmitten der Krise werfen sich Venezolaner auch gegenseitig vor, nicht genug im Kampf gegen Maduros Regime zu leisten. „Den einzigen Ausweg, den ich erkennen kann, besteht in einem Putsch des Militärs“, sagt Nelson Àlvarez, mein Taxifahrer. „Etliche Leute haben mich beschudigt, der gegenwärtigen Situation indifferent gegenüberzustehen, aber ich habe eine Familie, um die ich mich kümmern muß. Es spielt auch keine Rolle, wie viele protestieren oder wie gewaltsam die Proteste verlaufen. Der Schlüssel zur Abschaffung dieses Regimes ist das Militär.“

Alles in Venezuela deutet darauf hin, daß sich das Land am Rande des Zusammenbruchs befindet. Ob es die andauernde Gewalt ist, die extreme Armut oder die gigantischen Müllberge auf den Straßen, – nichts funktioniert so, wie es soll. Im Januar hatte die Inflation 800 Prozent ereicht, inzwischen sagen Analysten 1500 Prozent bis zum Ende des Jahres voraus. Sogar in einem der exclusivsten Hotels der Stadt bleiben die Frühstücksbuffets karg. Die elektrische Versorgung und die Internetverbindung werden regelmäßig abgeschaltet.

Während einige die gegenwärtige Krise noch immer lediglich auf den kollabierenden Ölpreis im Jahre 2012 zurückführen, glaubt eine große Mehrheit der Venezolaner, daß dem Land ernsthafte ökonomische Reformen fehlen. Nach 17 Jahren verschärften Sozialismus´, beklatscht von linksliberalen Eliten auf der ganzen Welt, zögern viele Funktionsträger jedoch, das sozialistische System als solches verantwortlich zu machen, ebensowenig, wie sie die politisch Verantwortlichen als Ursache anerkennen wollen.

Auf Führungsebene der Oppositionsproteste sind viele Mitglieder der Sozialistischen Internationale (SI). „Der Volkswille“, eine Partei, die bis zu seiner Verhaftung von Leopoldo Lòpez geführt wurde, gehört zur SI. Seine Kollegen finden es bequemer, Maduro persönlich den Schwarzen Peter rüberzuschieben und Neuwahlen zu fordern, anstatt für eine freie, von Grund auf neu zu errichtende, kapitalistische Gesellschaft einzutreten.

Dennoch haben die Studenten und die Straßendemonstranten, die ihre Lebensplanung für die Proteste gegen die Regierung abgeändert haben, den Verdacht, daß der Verfall des Landes mit weit mehr als lediglich dem autoritären Maduro zu tun haben könnte.

Ein Student formulierte es mir gegenüber so: „Chávez hatte einen großartigen Erfolg bei der Schaffung einer Gesellschaft von Gleichen, indem er dafür sorgte, daß alle gleich arm sind.“

(Übersetzung ME)

 

 

 

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