Vorauseilender Gehorsam: Bikini-Werbeverbot

(Bild: Screenshot Facebook)
Bikini-Werbeverbot (Bild: Screenshot Facebook)

Brandenburg/Eberswalde/Barnim – Vorauseilender Gehorsam oder komplette Willkür? Firma darf auf Bussen nicht für ihre Bademode werben. „Achtung! Sollten Sie Bewohner des Werbeschutzreservates Landkreis Barnim sein, verlassen Sie bitte sofort diese Seite! Die nachfolgende Werbung ist für Sie nicht geeignet! Amtlich wurde festgestellt: zu freizügig und außerdem verkehrsgefährdend. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Landkreis und ihren Landrat“. 

Die Firma Kräft & Kräft, ist seit 25 Jahren im brandenburgischen Eberswalde aktiv, beschäftigen in ihrem Modehaus 16 Mitarbeiter und vertreiben seit 2012 unter anderem auch Bademode. Um den Bekanntheitsgrad zu steigern wollte die innovative Geschäftsleitung nicht nur auf Plakatwänden, sondern auch auf Bussen der Region über fünf Jahre hinweg zirka 50.000 Euro investieren und so für sich werben. Nebeneffekt: Die finanzielle Stärkung des Nahverkehrs.

Zu freizügig und jugendgefährdend

Jedoch: Der zuständige Geschäftsführer der Barnimer Busgesellschaft (BBG) verweigert dem Unternehmen die Werbung auf Fahrzeugen der Busgesellschaft. Grund: Zu freizügig seien die Motive. In einem diesbezüglichen Schreiben an Kräft & Kräft heißt es: „Die derzeitige Gestaltung halten wir für zu freizügig. Bedenken Sie bitte, dass unser Unternehmen auch den kompletten Schülerverkehr im Landkreis Barnim erbringt und hier eine besondere Verantwortung hat“, teilt Frank Wruck weiter mit. „Des Weiteren halten wir die Gestaltung auch für die Verkehrssicherheit als abträglich“, informiert der Geschäftsführer der den Kreisen Barnim und Märkisch-Oderland gehörenden Busgesellschaft.

Absageschreiben (Bild: Facebook)
Absageschreiben (Bild: Facebook)

Die Absage komme für das Unternehmen komplett überraschend, da die Begründung der Freizügigkeit nirgends greife. Zu sehen seien am Strand liegende oder auf einer Couch sitzende Modelle in Bademode. Als seriöse Firma habe man auf  aufreizende Pose bewusst verzichtet.

An jeder Straßenecke wird man mit weit freizügigeren Werbebotschaften konfrontiert.

Gegenüber der MOZ sagte Tom Kräft: „Wenn die evangelische Kirche Gesellschafter der Barnimer Busgesellschaft wäre oder wir unser Geschäft im katholischen Bayern führen würden, könnte ich diese Prüderie vielleicht noch verstehen“.

Die Argumentation des BBG-Geschäftsführers sei nirgends nachvollziehbar, da zum Beispiel in Berlin Autofahrer an beinahe jeder Straßenecke mit weit freizügigeren Werbebotschaften konfrontiert würden. Auch die Aussage, dass Schüler vor dem Anblick leichtbekleideter Damen geschützt werden müssten, sei erst recht abwegig, da jede TV-Reklame gewagter daherkomme. Vom Internet und seinen grenzenlosen Möglichkeiten ganz zu schweigen. Ein Schreiben an den zuständigen Landrat sei laut Kräft & Kräft bislang von diesem noch nicht beantwortet worden.

„Achtung! Sollten Sie Bewohner des Werbeschutzreservates Landkreis Barnim sein, verlassen Sie bitte sofort diese Seite!“

Die Firma Kräft & Kräft zeigt auf ihrer Facebookseite um welche angeblich jugendgefährdende Werbung es sich tatsächlich handelt und veröffentlicht die geplanten Werbemotive mit zugehörigem „Warnhinweis“:„Achtung! Sollten Sie Bewohner des Werbeschutzreservates Landkreis Barnim sein, verlassen Sie bitte sofort diese Seite! Die nachfolgende Werbung ist für Sie nicht geeignet! Amtlich wurde festgestellt: zu freizügig und außerdem verkehrsgefährdend. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Landkreis und ihren Landrat“. 

Im Kommentarbereich kommt man zu dem Schluss, dass es sich bei der Ablehnung der Werbung um vorauseilenden Gehorsam handeln dürfte, da sich „unsere Gäste“ dadurch gestört fühlen könnten:

Brot kann schimmeln, in der Schule müssen die Kinder mit Dildos spielen,aber schöne Fotos darf man nicht anschauen… Dass dem Staat Steuergelder flöten gehen ist egal!!! Dabei braucht Merkel doch jeden Euro für Ihre Burkini-EU….“. Ein anderer Kommentator mutmaßt: „Liegt es vielleicht daran, dass unsere Gäste sich dadurch wieder mal gestört fühlen könnten?“

(Bild: Screenshot Facebook)
Werbevorlage Kräft & Kräft (Bild: Screenshot Facebook)

„Sollen wir aber deshalb in vorrauseilenden Gehorsam verfallen und schweigen?“

Einem Kommentator, der Bikiniwerbung für zu freizügig empfindet und der Firma vorgeschobene Argumente unterstellt, antwortet das Modehaus Kräft & Kräft:

Sehr geehrter Herr Heinrich, wir können es nicht ändern, wenn sie uns nicht glauben, dass wir der Region in und von der wir leben auch etwas zurückgeben wollen. Fakt ist aber: Wir hatten die Werbung geplant, die Agentur hat die Layouts erstellt und dann hat die Barnimer Busgesellschaft die Werbung abgelehnt. Begründung: zu freizügig, verkehrsgefährdend und die Verantwortung im Schülerverkehr. Da fühlt man sich schon ins letzte Jahrtausend zurückversetzt. Jetzt haben wir einen Aufruf gestartet, um zu erfahren wie das unsere Kunden sehen. In der Tageszeitung, auf unserer Webseite und auch auf Facebook. Die Begründung für die Ablehnung scheint jedenfalls haltlos zu sein. Wir hatten auf unserer Umfrageseite über tausend Besucher, die abgestimmt haben. Nur 3 % davon stimmten der Barnimer Busgesellschaft und dem Landkreis zu. Wir sind auch nicht über jeden Beifall glücklich, den wir erhalten. Fremdenfeindlichkeit zu schüren ist bestimmt nicht unser Anliegen. Sollen wir aber deshalb in vorrauseilenden Gehorsam verfallen und schweigen?(BS)

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