Niederlande: Vergewaltiger willkommen, Vergewaltigte nicht!

(Bild: Twitter)
Jesidin Paween (Bild: Twitter)

Jeder junge Mann, der illegal und ohne Papiere den Boden Europas betritt, wird mit großem “Hallo” aufgenommen und unterstützt. Die wahren Opfer des Krieges, die vergewaltigten und geschundenen Frauen, müssen einen harten Kampf ausfechten, nur um uns ihre Geschichte erzählen zu können. In den Niederlanden sorgt der Fall der Jesidin Parween Alhinto für Protest, der die Behörden lange Zeit die Einreise verweigerten.

Von Marilla Slominski

Ein Jahr lang dauerte das Tauziehen zwischen den Behörden und ihren Unterstützern, einem Journalisten und einem niederländischen Diplomaten in Erbil im Nord-Irak, um ein Visum für die ehemalige Sexsklavin zu bekommen. Sie musste eine Kaution in Höhe von 10 000 Euro hinterlegen, um eventuelle medizinische Kosten abzudecken. Sollte sie in den kommenden fünf Jahren Asyl beantragen, wird sie mit weiteren 50 000 Euro haftbar gemacht! Am 6. Juni konnte sie endlich in Amsterdam über ihr schreckliches Schicksal sprechen.

Für den niederländischen Außenminister ist das “gängige Praxis“, für das „Zentrum für Debatte ‘De Balie’“ Anlass zu harter Kritik: „Wenn nicht für Menschen wie sie, ist das Flüchtlingsabkommen gemacht! Solche Regulierungen machen es Menschen unmöglich, ihre Geschichte zu erzählen. Das Flüchtlingsabkommen ist doch ursprünglich genau für Opfer wie Parween Alhinto gedacht. Wer hätte mehr Recht beschützt zu werden, als sie, es ist extrem bizarr“, empört sich De Balie Direktor Yoeri Albrecht.

Parween Alhinto’s steht stellvertretend für etwa 3000 bis 4000 Frauen, die vom IS entführt und mißbraucht wurden. Die Jesidin Parween lebte bis zum Zeitpunkt ihrer Gefangennahme ein ruhiges Leben in der Stadt Rambose. Umgeben von ihren arabischen Nachbarn, spielte sie mit deren Kindern.

“Doch als der IS einmarschierte, verrieten sie uns. Die IS-Anhänger wussten nicht genau, wer Jeside war, doch dann zeigten die arabischen Nachbarn auf uns. Das war ein riesiger Schock für mich.“

Damit begann eine lange Leidenszeit für Paween und die weiteren Frauen. Sie wurde zusammen mit anderen jungen Mädchen, manche nicht älter als 10 Jahre, zu IS-Kämpfern in Mosul gebracht.

Dort wurde sie vergewaltigt und wie eine Ware behandelt.

“Nach drei oder vier Tagen wurden sie unserer überdrüssig und wir wurden an die nächsten weitergereicht. Wir waren ihr „kleines Vergnügen“, bevor sie an die Front zurückgingen. Sie machten mit uns was sie wollten. Irgendwann befahlen sie uns: Geht duschen. Zwei Schwestern, Jilan und Jihan, schnitten sich die Venen auf. Wir sahen das Blut unter der Tür durchströmen. Sie zwangen uns, den Koran zu lese und zu beten. Sie sagten: Unsere Religion erlaubt uns das. Ihr seid Jesiden, ihr gehört uns. Dann vergewaltigten sie uns wieder“, erzählt Paween.

Die Entführungen und Vergewaltigungen haben die 300 000 Seelen zählende jesidische Gemeinde völlig destabilisiert. Und das Leiden hat für die Frauen noch kein Ende gefunden. Parween hat 44 Familienmitglieder durch den IS verloren und zu vielen anderen keinen Kontakt mehr, einschließlich ihrer Eltern. Sie würde gerne ein Hilfszentrum im Nord-Irak aufbauen, um Mädchen wie ihr zu helfen und hofft, dass die niederländische Regierung sie dabei unterstützt, ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Noch heute, zwei Jahre nach ihrer Flucht, ist Paween in Behandlung wegen ihrer traumatischen Erlebnisse und leidet an Schlafstörungen wegen ihrer Albträume.

“Die Bilder dieser bärtigen Männer, die über mich herfallen, sitzen in meinem Kopf fest. Ich hoffe, dass diese Männer irgendwann festgenommen und dafür bestraft werden, was sie uns angetan haben“, wünscht sie sich.

Die niederländische Regierung unternimmt jedoch alles, sicher zu stellen, dass Parween Alhinto in den Nord Irak zurückkehrt, dorthin wo sie gefangen gehalten und wie eine Sklavin gehalten wurde.

Im Gegensatz dazu, ist es für die Behörden unzumutbar, einen mutmaßlichen Vergewaltiger aus Mogadischu einem DNA-Test zu unterziehen, um so zu beweisen, dass er eine Frau vergewaltigt hat, in dem Land, dass ihm so unbefristeten Aufenthalt gewährt.

 

 

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