Flüchtlingshilfe verweigert bedrohtem Ex-Muslim Hilfe

(Bild: Screenshot Homepage)
"Flüchtlingshilfe Flensburg e.V. " verweigert bedrohtem Ex-Muslim Hilfe (Bild: Screenshot Homepage)

Flensburg – Der Ex-Muslim Amed Sherwan engagierte sich im Rahmen eines Praktikums bei der Flüchtlingshilfe Flensburg e.V.  Dort wurde er als „Ungläubiger“ beschimpft und an Leib und Leben bedroht, nachdem er seine Abkehr vom Islam thematisierte. Mit einem offenen Brief wendet er sich an den gemeinnützigen Verein. Hilfe von der Flüchtlingshilfe für einen Ex-Muslim? Offensichtlich Fehlanzeige!

Der gemeinnützige Verein Flüchtlingshilfe Flensburg e.V., gegründet 2014, engagiert sich nach Eigendarstellung mit einer Gruppe von ehrenamtlichen Helfern dafür, „Flüchtlingen bei der Integration in unsere Gesellschaft zu unterstützen, sofern diese Unterstützung gewünscht wird“. Der Verein finanziere sich aus Spenden, wobei die Stadt Flensburg als Kooperationspartner bereit stehe und mit Steuergeld eine Halbtagsstelle finanziert.

Im Rahmen eines Praktikums beteiligte sich an diesem Projekt Amed Sherwan, mit 15 Jahren als Ex-Muslim aus seinem Heimatland nach Deutschland geflohen. Über seine Verfolgung und Foltererfahrung aufgrund seines Abfalls vom islamischen Glauben berichtete er im Anzeigeblatt „Moin Flensburg“, das von vielen Lesern als mutig bezeichnet wurde. Danach sei er von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe Flensburg e.V. wegen seinen Aussagen im betreffenden Artikel verbal angegriffen worden. Ein anderer habe ihn vor Zeugen als Ungläubigen beschimpft und ihm angedroht, den Kopf abzuschneiden. Alle Hilfeersuche bei Mitarbeitern sowie dem Geschäftsführer der Flüchtlingshilfe seien ihm bislang verweigert worden. Mittlerweile wurde ihm durch den Verein ein Hausverbot erteilt.

Hausverbot für den Bedrohten

Auf Nachfrage von JouWatch, wie sich der Verein zu den doch erheblichen Vorwürfen positioniert erhielten wir die kurzgefasste Antwort des Geschäftsführers Reiner Rademacher: „Wir haben zu der Sache sowohl über die Presse als auch über Facebook Stellung genommen. Darum werden wir keine weitere Stellungnahme mehr geben.“

(Bild: Screenshot Facebook)
Flüchtlingshilfe Flensburg e.V spricht Hausverbot für den Bedrohten aus (Bild: Screenshot Facebook)

Dort wurde kommuniziert, dass man Facebook nicht für die geeignete Plattform halte, dennoch aber mitteile, dass gegen den betreffenden Mitarbeiter Anzeige erstatten worden sei. Eine Lösung habe man bislang nicht gefunden, weshalb man eine räumliche Trennung beider Beteiligten für das Beste halte. Das Hausverbot treffe Amed Sherwan, „da wir unserem Mitarbeiter aus nachvollziehbaren Gründen kein Hausverbot erteilen werden, solange lediglich Vorwürfe im Raum stehen.“ Anhand der betreffenen Kommentare, scheint die Gangart der Flüchtlingshilfe Flensburg e.V. auf wenig Verständnis zu stoßen.

„So also sieht die vermeintliche „Hilfe“ aus wenn sich wirklich mal ein realer „Flüchtling“, der diese Bezeichnung auch verdient, unter all den islamistischen „Schutzsuchenden“ (vor wirtschaftlicher oder krimineller Verfolgung im Herkunftsland) zeigt. – Was genau soll mit der Unterstützung einer im Islam begründeten Todesdrohung denn hier bewirkt und manifestiert werden? Die Scharia? – den Schutz von wirklichen Asylanten ja wohl kaum……“

Offener Brief an die Flüchtlingshilfe Flensburg e.V.

Amed Sherwan veröffentlichte auf Facebook den nachfolgenden Brief, der ein ungutes Bild auf den „Flüchtlingsverein“ wirft. Denn sollte das Beschriebenen zutreffen, dann muss die Arbeit des Vereins hinterfragt werden, wenn dieser es zulässt, dass Menschen, die vor dem islamischen Terror geflohen sind, in deutschen Einrichtungen von dessen Bodenpersonal in Gestalt von muslimischen „Flüchtlingen“ an Leib und Leben bedroht werden und – wieder einmal – keinerlei Hilfe erhalten.

Offener Brief an die Flüchtlingshilfe Flensburg e.V.

Hallo Team und Vorstand der Flüchtlingshilfe,

nach mehr als 40 Tagen, in denen ich mich – genauso wir ihr es gewünscht habt – euren Räumen ferngehalten habe, habt ihr mir heute ein Hausverbot erteilt! Angesichts dessen, dass ich mich durchgehend weghalte, finde ich es geradezu absurd, dass ihr es sogar für nötig erachtet zu betonen, dass ihr erwartet, dass ich mich an das Hausverbot halte.

In diesen 40 Tagen habe ich verzweifelt darauf gewartet, zu einem von euch versprochenen Schlichtungsgespräch eingeladen zu werden. Hintergrund ist ein Konflikt, der direkt mit meinem Fluchtgrund zusammen hängt. Ich kann deswegen seit Tagen nicht mehr schlafen und kaum denken – und ihr reagiert mit einem Hausverbot?

Mit 15 Jahren bin ich als Ex-Muslim in meinem Heimatland inhaftiert und gefoltert worden. Ich musste meine Familie und meine Heimat verlassen, um einen Ort zu finden, an dem ich in Sicherheit bin. In einem Artikel in dem neuen Blatt »Moin Flensburg« hab ich vor kurzem beschrieben, wie glücklich ich bin, endlich in Freiheit zu leben.

Am 3. April bin ich von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe wegen genau dieses Artikels verbal angegriffen worden. Am 6. April hat er mich vor Zeugen als Ungläubigen beschimpft und mir angedroht, mir den Kopf abzuschneiden. Es ist nicht das erste Mal, dass ich als Ex-Muslim eine Morddrohung bekommen habe. Es ist aber das erste Mal, dass mir die Drohung ins Gesicht gesagt worden ist. Das hat mir sehr große Angst gemacht.

Ich habe zu dem Zeitpunkt als Praktikant in der Flüchtlingshilfe gearbeitet und sofort versucht, mir vom Personal Hilfe zu holen. Aber keiner der Anwesenden ist auf meine Bitten eingegangen, obwohl ich wirklich lange versucht habe, irgendwo Gehör zu finden. Ich habe leider das Gefühl gehabt, dass mich niemand in meiner Not ernst nimmt.

Ich weiß, dass so ein Spruch in Deutschland als leere Drohung betrachtet wird. Aber ich habe schon mal an meinem Körper gespürt, was mit Ex-Muslimen passieren kann. Für mich ist so eine Drohung daher sehr konkret. Nachdem ich beschimpft worden bin, ist die Stimmung vor Ort bedrohlich gekippt. Selbst Leute, die ich bis dahin als Freunde betrachtet habe, haben sich plötzlich gegen mich gewendet.

Ich habe große Angst gehabt und an diesem Punkt keine andere Lösung gesehen, als zur Polizei zu gehen. Der Beamte hat mich glücklicherweise ernst genommen und die Ermittlung aufgenommen. Das ist für mich sehr wichtig gewesen und hat mir gezeigt, dass ich jetzt in einem Rechtsstaat lebe. Ich bin wirklich froh, dass ich zur Polizei gegangen bin. Ich merke, dass es mir Sicherheit gibt. Aber seitdem werde ich von euch leider wie ein Verräter behandelt.

Am 9. April hat euer Geschäftsführer mich gebeten, der Flüchtlingshilfe erst mal fernzubleiben, und mir versprochen, mich bald zu einem Klärungsgespräch zwischen den Konfliktparteien einzuladen. Ich habe von Anfang an den Eindruck gehabt, dass derjenige der mich angegriffen hat, den Artikel völlig falsch gelesen hat. Ich bin daher immer gesprächsbereit gewesen und habe gehofft, dass wir das Missverständnis aufklären und den Konflikt friedlich lösen können.

Ich erinnere euch aber nun schon seit über einen Monat um das versprochene Klärungsgespräch. Der andere weigert sich aber, an einem Gespräch teilzunehmen, und ihr akzeptiert das einfach und stellt euch nun mit dem Hausverbot sehr eindeutig hinter ihm und seine Gesprächsverweigerung.

Derjenige, der mich bedroht hat, bestreitet meinen Vorwurf. Und die von mir benannten arabischsprachigen Zeugen sagen leider für ihn aus. Die Videoaufzeichnungen der Überwachungskameras bestätigen jedoch meine Version des Vorfalls. Es steht Aussage gegen Aussage und das Ergebnis der Ermittlungen steht – wie ihr selber schreibt – noch aus.

Aber ihr habt anscheinend schon euer Urteil gefällt. Denn während ich mich weghalten muss, hat derjenige, der mich bedroht hat, durchgehend weiter bei euch gearbeitet und macht jetzt sogar ganz offiziell Bundesfreiwilligendienst bei euch.

Wisst ihr, was ihr damit mit mir macht? Ich werde von vielen Menschen nicht mehr gegrüßt und von anderen darauf angesprochen, dass ich Allah beschimpft haben soll. Es zirkulieren außerdem Screenshots von islamfeindlichen Bildern, von denen erzählt wird, dass ich sie verschickt habe. Das habe ich auch der Polizei gemeldet, weil es mir richtig Angst macht und echt gefährlich für mich ist.

Seit dem Vorfall hat sich mein Leben verändert. Ich fühle mich unfrei, gedemütigt und ungerecht dargestellt. Ich hätte die Situation gerne sofort richtig gestellt. Aber ich habe euch vertraut und deshalb geschwiegen und gewartet. Während dessen habt ihr den Vorfall aber abgehakt. Ihr habt mir beim letzten Gespräch sogar gesagt, dass der Vorfall bei euch keine Rolle mehr spielt. Als ich daraufhin gefragt habe, ob ich dann wieder kommen könne, wurde mir das verneint.

Erst da ist mir bewusst geworden ist, dass euch offensichtlich egal ist, wie es mir geht. Während ich in der Hölle lebe, ist bei euch wieder Alltag eingekehrt. Und ich soll mich weghalten, um die Ruhe nicht zu stören. Aber bei mir herrscht keine Ruhe: Ich werde jeden Tag auf die Gerüchte angesprochen und habe nicht nur einen für mich wichtigen Aufenthaltsort, sondern auch viele Freunde verloren.

Nachdem ich 30 Tage gewartet habe, ist mir klar geworden, dass gar keine Lösung eurerseits in Sicht ist. Ich habe den Fall daraufhin aus meiner Sicht in einem Post geschildert. Ich hätte die Gerüchte viel lieber durch ein Klärungsgespräch aus der Welt gebracht. Aber mir ist kein anderer Weg geblieben. Denn ich bin einen Monat lang fast täglich mit Gerüchten über mich konfrontiert worden. Ich habe euch deutlich gesagt, dass ich verzweifelt bin um und vergeblich um Klärungshilfe gebeten. Wie hätte ich der Öffentlichkeit sonst zeigen können, dass ich nichts getan habe?

Bevor diese Sache passiert ist, bin ich zum ersten Mal seit meiner Flucht richtig glücklich gewesen: Flüchtlingsstatus, eigene Wohnung, Schule und viele Menschen, die ich zu meinen Freunden gezählt habe. Aber seit dem Vorfall fühle ich mich ohnmächtig und ausgestoßen. Ich habe gerne bei euch gearbeitet, es macht mir große Freude, anderen Menschen mit meinen Sprachkenntnissen zu helfen. Euer Hausverbot trifft mich auch deshalb sehr hart.

Ich bin nicht der einzige, der vor repressiven Strukturen ohne Glaubens- und Meinungsfreiheit geflüchtet ist. Ich habe gedacht, dass gerade ihr als Flüchtlingshilfe Verständnis dafür habt, das so ein Vorfall für mich anders ist als für jemanden, der noch nie Gewalt erlebt hat. Und selbst wenn ihr mir nicht glaubt – was spricht gegen ein Klärungsgespräch?

Ich hoffe, dass die Wahrheit ans Licht kommt, denn ich kann nicht weiter damit leben, als Verbrecher abgestempelt zu werden und ständig Angst zu haben. Aber selbst wenn die Ermittlungen zeigen werden, dass ich Recht habe, wird die Flüchtlingshilfe wohl leider nie wieder ein Ort werden, an dem ich mich willkommen fühle.

Mit enttäuschten Grüßen
Amed Sherwan

Warum hast Du nicht die Klappe gehalten?

Sherwan bedankt sich aktuell auf Facebook für die Unterstützung, die er seit der Veröffentlichung seines offenen Briefes an die Flensburger Flüchtlingshilfe erfahren habe, bemerkt aber auch, dass ihm seither offenen Feindschaft entgegen schlage, was dazu führe, dass er sich kaum mehr auf die Straße wage. Auf die Frage, warum er nicht einfach „die Klappe“ gehalten habe, entgegnet der junge Mann, dass er viel zu viele Menschen aus muslimischen Ländern kenne, die aus Angst vor Ausgrenzung oder Schlimmerem darüber schweigen würden, dass sie ein Ex-Muslim seien.

„Für mich wäre es viel einfacher, in der Menge unterzutauchen. Aber wenn wir alle schweigen, wird sich in der muslimischen Gesellschaft nichts verändern. Nur wenn wir öffentlich die Strukturen kritisieren, kann es eine Entwicklung geben“, so Sherwan über ein importiertes Problem, das in immer größerem Ausmaß zum beherrschenden Thema in Deutschland mit unabsehbaren Folgen wird. (BS)

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