Abgasskandal: Das große Affentheater

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Gottlob kein Diesel (Foto: Pixabay)

Bei Audi in Ingolstadt brennt es lichterloh, wie die FAZ schreibt. Der Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler gerate immer mehr unter Druck, weil er gewußt haben soll, wie Audi bei Abgasmessungen trickst. Der Mann ist allerdings Betriebswirt und kein Techniker.

Von Max Erdinger

Der Trick zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes bei Messungen auf dem Prüfstand war auch äußerst pfiffig. Die Sache wurde über einen Lenkwinkelsensor geregelt. Autos auf Prüfständen haben die Vorderräder normalerweise in Geradeausstellung stehen. Bis zu einem Lenkeinschlag von 15 Grad funktionierte bei Audi eine Software, die unrealistische Meßwerte lieferte. Oberhalb von 15 Grad Lenkeinschlag allerdings kam es zu einer drastischen Meßwerterhöhung. Motoren stießen dann bis zur doppelten Menge des meßtechnisch Dokumentierten aus.

Im Grunde ist die ganze Angelegenheit eine Lachnummer. Man darf sich nur nicht auf die Sache konzentrieren, um die es offiziell dabei geht. Wieviel Schadstoff ein verbrauchsarmer Audi-Diesel ausstößt, ist zur „Rettung des Weltklimas“ völlig unerheblich. Es geht um die Nichteinhaltung politisch verordneter Grenzwerte. Der Audi-Chef steht zwar zu Recht unter Druck, aber aus einem ganz anderen Grund. Dabei müsste das gar nicht sein, hätten er und seine Branchenkollegen beizeiten Front gemacht gegen eine durchgeknallte Klasse von Politapparatschiks, die sich anmaßt, bei der Konstruktion hochkomplexer Fahrzeuge mitzureden. Technischen Fortschritt bei den Autoherstellern gibt es nämlich auch ohne die Ignoranten aus der Politik. Wer sich noch an die alten luftgekühlten Motoren von VW erinnert, an den Käfer zum Beispiel oder an den VW 412, oder an die Zweitaktmotoren alter DKWs, den Vorläufern heutiger Audis, für den liegt diese Erkenntnis auf der Hand. Wer sich heute einen VW oder einen Audi kauft, der bekommt, absolut betrachtet, ein verbrauchsarmes Auto mit einem vorbildlich geringen Schadstoffausstoß. Das Ganze ist garniert mit reichlich Motorleistung und enorm viel Komfort. Und damit könnte es auch gut sein.

Der ganze Hype um manipulierte Schadstoffwerte ist einem einzigen Grund geschuldet: Die Herren Automobilkonzernchefs haben es versäumt, den Politfunktionären beizeiten klarzumachen, daß sie gefälligst den Mund zu halten haben bei Angelegenheiten, von denen sie nichts verstehen. Sie haben es geduldet, daß man ihnen den Bau politischer Autos aufs Auge gedrückt hat, anstatt darauf zu bestehen, daß sie es sind, die die Autos bauen und daß sowohl Politiker als auch Kunden diese Autos so zu akzeptieren haben wie sie eben sind – oder eben nicht. Es dürfte die geringste Zahl von Kunden sein, die sich bei einem Verbrauch von 5 – 6 Litern Diesel für ein 150 PS Auto mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen für das Affentheater um den Schadstoffausstoß interessiert. Schadstoffausstoß kommt von Spritverbrennung. Wo wenig Sprit verbrannt wird, gibt es wenig Ausstoß. Das ist eine ganz simple Tatsache. Mit einem Verbrauch unterhalb von 7 Litern für ein leistungsstarkes und komfortables Auto kann man mehr als zufrieden sein. Begeisterung ist angesagt! Vor vierzig Jahren haben Automobile bei einem Drittel der heutigen Motorleistung das Dreifache verbraucht. Das ist ein gewaltiger Fortschritt ganz ohne die Betrugshysterie derjenigen, die allein deswegen schreien, weil sich die Trickser bei den Herstellern angemaßt haben, sich für schlauer zu halten als die Ignoranten, mithin also, den Anspruch eines politischen Primats bei technischen Entwicklungen ins Leere laufen zu lassen. Die Funktionärsmonarchen sind beleidigt und fühlen sich nicht richtig ernstgenommen.

Wer sich allerdings, wie die Herren Konzernchefs, aus anderen Opportunitätserwägungen heraus einmal entschlossen hat, der politischen Klasse vorzugaukeln, daß es ihn interessiere, was sie in ihrer ganzen Ignoranz meint und findet; wer ihr also dergestalt den Bauch pinselt und sie „mit ins Boot“ holt, der braucht sich auch nicht zu wundern, wenn die Apparatschiks eines Tages frech werden. Moderne Dieselmotoren sind verbrauchsarm und sauber. Sie verfügen über Abgasrückführung, zum Teil über Ad-Blue Einspritzung und haben Rußpartikelfilter. Was bei einem modernen Audi in Deutschland den Auspuff verläßt, ist sauberer als das, was sich ein und derselbe Audi in Shanghai an „Frischluft“ vom Turbolader in die Brennräume pressen lassen würde. Einen hierzulande kritisierten Audi samt seiner „Betrugssoftware“ könnte man in Shanghai oder in Peking mit laufendem Motor zur Luftreinigung einsetzen. Das sind die Fakten. Es gibt nichts zu meckern.

Der ganze sog. Abgasskandal ist nichts anderes als ein Medienhype um die gekränkte Eitelkeit von Ignoranten, die sich nicht richtig ernstgenommen fühlen. Sie haben schließlich rechtsverbindliche Grenzwerte definiert – und die Hersteller haben ihnen die gewünschten Grenzwerte aufs Papier geschrieben, damit die Ignoranten das zu lesen bekommen, was ihnen gefällt. Das ist alles. Daß sich die Öffentlichkeit die Begriffe „Abgasskandal“ und „Betrugssoftware“ überhaupt aufs Auge drücken läßt, beweist nur, wie weit die staatsgläubige Bereitschaft inzwischen gewachsen ist, sich von technischen Ignoranten in die Hysterie hineinagitieren zu lassen. Das ist das, was meinemeinen die größeren Sorgen macht.

Sollte Rupert Stadler, der Audi-Chef, also tatsächlich in die Bredouille abtrudeln, dann hätte er das – wie seine anderen Branchenkollegen auch – einzig der Tatsache zu verdanken, daß er sich nicht rechtzeitig gegen die impertinenten Kompetenzanmassungen einer politischen Klasse technischer Ignoranten zur Wehr gesetzt hat, die sich ihr „Fachwissen“ wiederum von solchen „Experten“ hat besorgen lassen, die dafür, in Konkurrenz zu anderen „Experten“ stehend, die Zahlen liefern, die sich die politische Klasse wünscht. Für Expertisen gibt es Geld – und zwar umso zuverlässiger, je eher die Expertise so ausfällt, wie sich ihr Finanzier das vorstellt. Politischer Visionär, der er ist.

Ganz generell sind Automobile früher rein technische Produkte gewesen. Das war gut so. Daß es inzwischen politische Autos gibt, die in ihrer ganzen Überflüssigkeit völlig lächerlich sind, sieht man beispielsweise an den Modellen BMW i3 und i8, oder am VW E-Up. Die existieren einzig und allein aus politischen Gründen. Der Kunde subventioniert die Produktion dieser marktunfähigen Schilda-Mobile über den Verkaufspreis des vergleichsweise schadstoffreichen Modells, für welches er sich realiter entscheidet. Kundenfreundlichkeit sieht anders aus. Man muß schon ein mit der Politik irgendwie verbandelter, prinzipienloser Karrierist sein, um sich auf einen solchen Schwachsinn wie den „Flottenverbrauch“ einzulassen. Für die BMWs sämtlicher Modellreihen gibt es einen sogenannten Flottenverbrauch. Das ist ein politischer Wert. Alle X-Modelle, die starken Dreier – , Vierer- , Fünfer – , die Siebener BMW und die M-Modelle, mithin also die nachgefragten Autos, könnten diesen Wert niemals einhalten. Da nun der Flottenverbrauch ermittelt wird, indem man den Gesamtschadstoffausschuß der ganzen Produktpalette eines Herstellers durch die Anzahl der Modelle teilt, sinkt der Anteil eines schweren Siebeners mit 500 PS dann, wenn ihm ein Elektroauto innerhalb der Produktpalette einen gewissen Teil seines Ausstoßes „abnimmt“. Völlig realitätsfern definiert die Politik einen BMW i3 zu einem schadstofffreien Auto um, ganz so, als würden bei seiner Produktion als auch bei der Produkton des benötigten Stroms keine Schadstoffe anfallen. Und um das Kraut gar fett zu machen, spielt die Anzahl der verkauften i3 bei der Berechnung des Flottenverbrauchs ebenfalls keine Rolle. Auf diese Weise können fünf verkaufte i3 politisch den Verbrauch von 5000 verkauften Siebener-BMWs „senken“. Das ist also eine politische Verbrauchs- und Schadstoffsenkung, die keinerlei Realitätsbezug mehr hat.

Hat noch jemand Fragen zum absoluten Schwachsinn der „Kooperation“ von Politik und Autoindustrie? Da lügt sich die politische Klasse mit ihren faulen Kompromissen erst selbst in die Tasche, benimmt sich wie die Schildbürger, – und regt sich hinterher auf, daß sie „ausgetrickst“ worden sei. Natürlich behauptet sie, nicht sie selbst, sondern der Verbraucher sei ausgetrickst worden. Um den muß sie sich schließlich offiziell die Sorgen machen. Sie nimmt ihn aber nur in Geiselhaft, um eine Moral vorzugaukeln, wo keine ist. Es gibt keinen Abgasskandal. Daß es einen gebe, ist eine Schutzbehauptung derjenigen, die unbedingt verhindern müssen, daß ans Tageslicht kommt, was für ein ausgemachter Blödsinn ihre Politik eigentlich ist. Nur darum geht es. Und einer wie Audi-Chef Stadler muß dafür eben über die Klinge springen. Bis zu einem gewissen Grad selber schuld, würde ich sagen.

Ich empfehle den Kauf eines 1970er Cadillac Fleetwood. Der ist riesig, gilt als Oldtimer und verursacht deshalb niedrige Kfz.-Steuern. Zwar hat er noch nicht mal einen Katalysator, braucht verbleiten Sprit und davon nicht wenig, aber er ist ein unvergleichliches Statement gegen den Schwachsinn dieser Zeit. Es sind nicht die SPIEGEL-Leser, die mehr wissen, sondern die Cadillacfahrer. Ehrlich!

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

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