Wenn Du einen Flüchtling „bemutterst“, der gar kein Flüchtling ist

Symbolfoto: Durch FS Stock/Shutterstock
Beispielbild (Symbolfoto: Durch FS Stock/Shutterstock)

In den letzten Jahren werden Prominente nicht müde zu betonen, wie gutherzig, hilfsbereit und verständnisvoll sie sind, wenn es um das Thema „Flüchtlinge“ geht. Auch Bob Geldorf verkündete, er wäre glücklich, wenn er einen sogenannten Flüchtling aufnehmen könnte. Trotz ihrer vollmundigen Ankündigungen haben es die wenigsten von ihnen wirklich getan.

Von Marilla Slominski

Eine, die sich getraut hat, ist die angesehene britische Journalistin Lynn Barber. Etwa vor 18 Monaten, tief berührt durch die „täglichen Horrorstorys“ über Migranten, beschloss sie zu helfen.

Und so begann für die 73jährige ein Sozialexperiment der besonderen Art, das auch einen tiefen Blick in die Gedankenwelt der sogenannten Flüchtlinge und ihr Verhältnis zu Frauen und den westlichen Ländern generell erlaubt.

Ihr erster Versuch, mit Hilfe der Behörden eine syrische Familie aufzunehmen, scheiterte. Die Behörden antworteten ihr nicht einmal. In einer Bar lernte sie einen Künstler kennen, der im inzwischen abgerissenen Calais-Dschungel-Lager Zelte baute und den heißersehnten Kontakt zu einem „Flüchtling“ herstellte.

Und so zog Mohammed, 27 Jahre alt, aus dem Sudan und verheiratet, in ihr Haus in Highgate, im Norden Londons ein. Er gab an, versteckt in einem Lastwagen ins Land gekommen zu sein und wartete in einer Unterkunft auf seine Anerkennung als Flüchtling. Er habe aus der Hauptstadt Khartum wegen politischer Verfolgung fliehen müssen, durch die Wüste der Sahara und dann im Boot durch die Fluten des Mittelmeeres – sein Onkel habe die Schmuggler bezahlt – und sei endlich und unversehrt in Italien gelandet. Nachdem ihn die italienischen Behörden registriert hatten, nahm er den Zug nach Nizza und endete für fünf Monate in Calais, bevor er illegal britischen Boden betreten konnte.

Großmutter Lynn Barber lebte seit dem Tod ihres Mannes 2003 allein in dem gemeinsamen Haus und so öffnete sie Tür und Herz für den jungen „scheuen, aber sehr höflichen“ Mohammed aus dem Sudan. Noch ahnte sie nicht, dass seine zu Tränen rührende Lebens- und Leidensgeschichte frei erfunden war und genoss das leckere Waika-Mahl aus seiner Heimat, das er für sie kochte. Und sie lauschte andächtig seinen Kindheitsgeschichten aus einer anderen Welt. Sein Vater habe vier Frauen und er 17 Geschwister, erfuhr sie. Er sei verheiratet und seine Frau studiere im Sudan Pharmazie und werde nach Abschluss ihres Studiums mit einem Arbeitsvisum nachkommen, weil Großbritannien einen Mangel an Pharmazeuten habe.

Doch schnell wendete sich das Blatt. Mohammed schleppte ihr Drogen ins Haus, lud Pornographie auf ihren Computer, zeigte sich respektlos gegenüber Frauen und Nicht-Moslems und verärgerte die alte Frau auch, weil er das britische Gesundheits- und Sozialsystem schamlos ausnutzte.

Und so geriet sie eines Tages mit ihm in einen heftigen Streit, bei dem sich herausstellte, dass der junge Mann gar nicht so bedürftig war, wie er ihr vorgemacht hatte.

Kurz nach seinem Einzug verkündete Mohammed, er würde Lynn Barber „wie seine Großmutter behandeln“. Doch Lynn lehnte dankend ab: „Ich wollte nicht wie eine sudanesische Großmutter behandelt werden, weil ich wusste, dass das Kochen, Saubermachen und Waschen bedeutet. Ich sagte ihm, dass er mich wie seine Vermieterin behandeln soll,“ erklärt sie.

In ihrer Küche eroberten sich schnell säckeweise Linsen, fässerweise Öl und andere afrikanischen Zutaten ihren Platz, so dass es bei ihr aussah „wie beim Catering-Service für ein Rock-Konzert“.

Mit seiner Hilfe gab ihr Wäschetrockner seinen Geist auf und die Waschmaschine verdreckte zusehends. Als sie ihn dabei erwischte, wie er die Heizung hochdrehte, obwohl sie ihn gebeten hatte, es nicht zu tun, platzte ihr der Kragen: „Das ist mein Haus und ich will, dass es so temperiert ist, wie es mir angenehm ist und wenn Dir das nicht passt, dann verpiss Dich wieder nach Calais“, verlor sie die Fassung.

Doch daran dachte er gar nicht, er pflegte lieber seine Erkältungen und Halsschmerzen im Bett und vertrieb sich die Zeit mit Arztbesuchen.

„In den sechs Monaten, die er bei mir wohnte, ging er öfter zum Doktor, als ich in meinem ganzen Leben“, erzählt die 73jährige.

Eines Tages sollte sie ihm sagen, wo der nächste Park sei, er habe gehört, in den Londoner Parks könne man gut Marihuana kaufen. Sie verbot ihm, Drogen in ihr Zuhause zu bringen. Ein Verbot, dass er geflissentlich überhörte.

Als er dann auch noch in den teuren Londoner Shoppingmeilen einkaufen ging, dämmerte ihr langsam, dass er von seiner großen Familie im Sudan finanzielle Unterstützung bekommen musste.

Die Situation eskalierte endgültig, als sie Mohammed einen Artikel über ihre Erfahrungen mit ihm vorlas, der in der Sunday Times veröffentlicht werden sollte.

Doch der Sudanese war wütend, zitterte und regte sich immer mehr auf: „Ich bin kein Flüchtling! Meine Familie ist reich, wir könnten Dich sofort aufkaufen! Willst Du Geld? Schreibst Du deshalb so über mich? Ich gebe dir das Geld! Ihr Frauen hier seid alle gleich. Du bist herzlos. Du hast keine Gefühle. Ihr Christen seid alle Rassisten“, attackierte er seine fassungslose Helferin und stürzte aus dem Haus.

Die Journalistin, bestürzt über den Hass und bereit für die Ursachenforschung, ging in sein Zimmer und fand auf seinem Computer neben Nacktfotos von Frauen mit riesigen Brüsten und kopulierenden Pärchen auch Bilder von seiner angeblichen Flucht. Die sah dann auch eher wie eine spaßige Urlaubsreise durch halb Europa aus. Fotos zeigten ihn mit Freunden vor dem Eiffelturm und chillend am Swimmingpool. So langsam dämmerte der alten Dame, warum er sich in den vielen Gesprächen, die sie mit ihm über seine Zukunft geführt hatte, so wenig interessiert an seiner beruflichen Zukunft gezeigt hatte. Sie hatte einen jungen Mann beherbergt, der sich mit staatlicher Zuwendung und finanzieller Unterstützung seiner reichen Familie im Sudan, das Leben in Europa in vollen Zügen genoss.

„Im Rückblick gab es viele Warnsignale und ich hätte besser auf meine Tochter hören sollen, die mir geraten hatte, vorsichtig zu sein“, weiß Lynn Barber heute.

Bei seinem überstürzten Abgang, ließ er auch alle Klamotten zurück, die Lynn`s Freunde großzügig für ihn gespendet hatten.

Doch Lynn Barber gibt nicht auf. Sie hat den Schock inzwischen überwunden und ist bereit für ein neues „Flüchtlingsabenteuer“. Doch dieses Mal will sie vorher besser recherchieren.

Der Antrag auf politisches Asyl des Sudanesen Mohammed ist mittlerweile von den Behörden positiv beschieden worden. Er lebt nun als anerkannter Asylbewerber in Großbritannien und lässt es sich auf Kosten der britischen Steuerzahler weiter gutgehen.

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