Süddeutsche Zeitung: „Rechtslastige“ Medien in den USA verlieren Anhänger

Medienkritik (Foto: Collage)

Wie sich auf der Seite statista nachlesen läßt, sank die verkaufte Auflage der Süddeutschen Zeitung, im Volksmund auch „Alpen-Prawda“ genannt, zwischen dem zweiten Quartal des Jahres 2012 von knapp 440.000 auf etwa 360.000 im ersten Quartal 2017. Das entspricht einem Verlust von knapp 20 Prozent. Das ist aber nicht das Thema bei der Süddeutschen Zeitung. Dort beschäftigt man sich lieber mit den Verlusten der Anderen.

Von Max Erdinger

Webseiten wie Fox-News und Breitbart hätten seit der Wahl Donald Trumps etwa die Hälfte ihrer Anhänger verloren, meldete die Süddeutsche gestern unter Berufung auf Untersuchungen des Marketing-Instituts Comscore.

Die Firma wurde 1999 von dem gebürtigen Libanesen Magid Abraham gegründet, der seither immer wieder gefragter Interviewpartner auf diversen Weltwirtschaftsforen gewesen ist. Daß Comscore selbst von der Globalisierung zu profitieren gedenkt, liegt auf der Hand. Trump und die „rechtslastigen“ Medien in den USA zeigen deutlich weniger Begeisterung für die Schleifung nationalstaatlicher Zuständigkeiten. Comscore tritt mit seinen Untersuchungen unter anderem gegen die AGOF-Studie „internet facts“ an. Im Heimatmarkt USA stand das Unternehmen unter Druck, da der Branchenverband sowohl Comscore, als auch den Konkurrenten Nielsen Netratings wegen stark differierender Reichweitenzahlen zur Offenlegung der Erhebungsmethoden aufgefordert hatte.
So waren etwa die von Comscore ermittelten Zahlen über die Aufrufe der Webseiten MySpace und Yahoo im 4. Quartal 2006 sehr umstritten. Nielsen Netratings lieferte in dieser Analyse andere Zahlen. Die Journalistin Jessi Hempel fragte im Fortune-Magazin 2007: „Wie viele Leute besuchten Yahoo im Monat Juni?“ Die Antwort gab sie selbst: „Ungefähr 133 Millionen in den USA, behauptet Comscore, eine Firma, die sich mit dem Konsumverhalten von Internetnutzern beschäftigt. Nein, erwidert Comscores Hauptkonkurrent Nielsen / NetRatings, es waren nur 108 Millionen. Der Unterschied in den veröffentlichten Zahlen der beiden Firmen – imerhin 25 Millionen, ist kaum ein Rundungsfehler. Er ist größer als die Bevölkerungszahl von Texas.“

Wir sehen also wieder einmal das, was wir von der „Alpen-Prawda“ schon lange wussten. Dort wird gerne etwas behauptet, von dem man möchte, daß es stimmen soll. Um das eigene Wunschdenken mit „Fakten“ zu untermauern, zieht man dann „zum Beweis“ fragwürdige Zeugen heran, ohne wiederum deren Motivation zu beleuchten. Hier also Comscore. Nachdem nun der typische Leser der Süddeutschen, wie auch die Leser der ZEIT oder des SPIEGEL, gerne das lesen, was ihre vorgefassten Meinungen bestätigt – schließlich halten sich die Konsumenten dieser Medien für ausgesprochene Bescheidwisser – , ist die Seriosität der Quelle nachrangig, auf die sich dann ein ganzer Artikel stützt. Die Süddeutsche informiert ihre Leser nicht, sondern sie bedient sie und ihre Erwartungshaltungen. In diesem Lichte dürfte dann auch die Meldung über die starken Verluste sogenanter rechtslastiger Medien in den USA zu sehen sein.

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