Hauen und Stechen bei der SPD

Max Erdinger Foto: JouWatch

Bei den Sozialdemokraten liegen die Nerven blank, die ersten Genossen drehen durch, wie die Welt berichtet. Ex-Kanzlerkandidat Steinbrück stänkert gegen Schulz, Ex-Kanzler Schröder stänkert gegen Steinbrück – und Schulz lebt in seiner eigenen Welt. Auch die Genossin Schwesig hat ein Thema entdeckt, bei dem sie sich auskennt: Geknechtete Frauen. Daß die Sozialdemokraten allerweil eher an einen aufgeschreckten Hühnerhaufen erinnern, als an die solidarischen Brüder von „zur Sonne und zur Freiheit“, liegt wohl daran, daß eine mögliche Kanzlerschaft von Martin Schulz romantisch wie die Abendsonne am Horizont der roten Unwahrscheinlichkeit verschwindet. Neuesten Umfragen zufolge zieht allmählich die Dunkelheit herauf. Nur noch 25 Prozent würde die SPD einfahren, wenn morgen Bundestagswahl wäre, die CDU hingegen 38 Prozent. Damit hätte die SPD im Vergleich zur Vorwoche einen weiteren Prozentpunkt eingebüßt. Selbst bei der Welt kommentiert man das nicht mehr, sondern man berichtet nur noch lakonisch.

Die Perlen – Zitat: „Mit beißender Kritik an der SPD hat der frühere Kanzlerkandidat Peer Steinbrück die Bemühungen von Martin Schulz torpediert, inhaltlich Akzente zu setzen. Seine Partei tobt.“ – Zitatende.

Wenn „er war sehr bemüht“ in einem Arbeitszeugnis steht, übersetzt das jeder Personalchef mit „hat nichts auf die Reihe gebracht.“ Es ist aber auch zu schwierig in diesen turbulenten Zeiten, angesichts der Erosion bei der Inneren Sicherheit und der überwältigenden Ablehnung der Massenimigration „inhaltlich Akzente zu setzen“. SPD-Fraktionschef Oppermann hat das mit dem Akzentsetzen vor ungefähr zwei Wochen schon einmal probiert und dabei aus Versehen das „Kernanliegen der SPD“ entdeckt. Resultat war, daß er ausgelacht worden ist. Das ist nur allzu verständlich. Wer würde schon eine Partei wählen, die ihr Kernanliegen verschlampt hat, ohne monatelang sein Fehlen zu bemerken? – Eben, niemand. „So einen unorganisierten Haufen kann man doch den Kanzler nicht stellen lassen?“, denkt sich da der gewissenhafte Wähler. Jedenfalls sind Schulz´ Bemühungen um die „inhaltlichen Akzente“ von einem torpediert worden, der sich vor vier Jahren auch schon einmal bemüht hat, Kanzler zu werden: Peer Steinbrück. Dafür hat er auch sofort Prügel bezogen, und zwar vom personifizierten Sodbrennen der SPD, dem Bundesvizegenossen Stegner, Ralf.

Stegner – Zitat:“Martin Schulz verdient unser aller tatkräftige Unterstützung und Solidarität, nicht aber „Rat-Schläge“ von Kapitänen, die vom Ufer zuschauen.“ – Zitatende. Da scheint Stegner eine realistische Assoziation gehabt zu haben: Schiffsuntergang auf dem Atlantik.

Michael Roth (SPD), seines Rangabzeichens Staatsminister im Auswärtigen Amt, sprang Stegner bei und schrieb bei Twitter über Steinbrück: „Das ist mies. Charakterlich. Inhaltlich. Strategisch. Taktisch.“ So sehen sozialdemokratische Präzisierungen von Miesheit aus. Nie ist etwas einfach nur ganz allgemein mies. Die sozialdemokratische Neurose eben. Der zeitgemäße Soze muß immer genau ausdifferenziert „rüberkommen“, damit er vom Volksdeppen für schlau gehalten wird. Glaubt er. Mit irgendwelchen schnörkellosen, knappen und unmißverständlichen Aussagen kann man nicht richtig „inhaltliche Akzente“ setzen. Bestätigt wurde das von Ex-Kanzler Schröder: „Steinbrück ist ein Spießbürger, der versucht, sich einen intellektuellen Anstrich zu geben. Und das mögen wir nicht“, sagte er der Bild-Zeitung.

Da haben wir es wieder, das Loch im Rumpf der SPD, durch welches die Wassermassen zum unvermeidlichen Untergang hereinströmen: Die Verachtung für den Spießbürger. Die Deutschen haben es längst bemerkt. So lange sie mit ihren Steuern die Existenz der roten Intellektsimulanten finanzieren und den Mund dabei halten, dürfen sie Spießbürger bleiben. Was der Wähler ebenfalls bemerkt haben dürfte, das ist, daß es schwierig ist, genau zu sagen, wen ein Spitzengenosse meint, wenn er „Wir“ sagt: Sich selbst (Pluralis majestatis) oder alle „Genossinungenossen“. Ich persönlich habe ja den Verdacht, daß bei der SPD parteiintern der „Spießbürger“ recht kässmannmässig bereits mit „Nazi“ übersetzt wird. Die evangelische Bischöfin hat bekanntlich einen guten Draht zu Schröder. Und irgendwoher mußte sie den Spruch haben, den sie letztens auf dem Kirchentag vom Stapel ließ: „Jeder Deutsche mit deutschen Eltern und deutschen Großeltern ist ein Nazi.“ – „Wenn er nicht sogar Spießbürger ist!“, möchte ich da konstruktiv anfügen. Damit es schön ausdifferenziert klingt.

Und was sagt Schulz zu dem Ganzen? – Zitat: „Schulz selbst machte am Wochenende bei einer großen SPD-Konferenz vor Funktionären und Wahlkämpfern in Berlin deutlich, dass die soziale Gerechtigkeit sein zentrales Wahlkampfmotiv bleibt.“ – Zitatende.

Es gibt noch etwas, das der Spießbürger in seiner ganzen Bauernschläue bereits bemerkt hat: „Soziale Gerechtigkeit“ ist ein Euphemisus für „Sozialismus“. Bodenständig, wie er ist, unterscheidet er nämlich nur zwischen „gerecht“ und „ungerecht“. „Sozial gerecht“, „geschlechtergerecht“, „rassengerecht“, „klimagerecht“ und „umweltgerecht“ verfangen nicht mehr. Der Wähler hat einfach die Schnauze voll von der ganzen Vielzahl sozialdemokratischer Gerechtigkeiten. Instinktiv weiß er, daß die stinknormale, spießbürgerliche Gerechtigkeit das allerletzte ist, wofür ein Sozialdemokrat sich interessiert. Sein Gerechtigkeitengeschwätz hat er durchschaut als das, was es ist: Reines Transportmittel einer sozialistischen Agenda mit dem Ziel der Machterringung für die Genossen selbst.

Aber weil das ganze Sozendrama noch nicht tragikomisch genug ist, setzen Schulz und Schwesig einen weiteren „inhaltlichen Akzent“ obendrauf: Frauen! Man muß einfach Sozialdemokrat oder Grüner sein, um in einem Land, das von einer Frau regiert wird – mit einer Frau als Verteidigungsministerin, mit Frauen als Talkshow-Hosts, mit Frauen als Verlegerinnen der wichtigsten Mainstreamerzeugnisse usw.usf. – sich ausgerechnet auf die armen Frauen zu stürzen. Wollen mal so sagen: Angesichts der Tatsache, daß es Frauen in Deutschland seit 1920 gelungen ist, ihren damaligen Vorsprung bei der Lebenserwartung von einem Jahr auf inzwischen sechs auszubauen, hat man vom weiblichen Wähler länger etwas, wenn es einem erst einmal gelungen ist, ihn mit auf die rote Titanic herüberzuziehen. Was haben sie also wieder inhaltlich recht akzentuiert gesetzt, der Herr Schulz und die Blonde aus dem Familienministerium? – Frauen verdienen 21 Prozent weniger als Männer. Merkt er was? Noch vor zwei Jahren hat man 13 Prozent weniger für ausreichend gehalten, um sich die Wählerstimmen von Frauen zu erschleichen. Und die SPD saß die ganze Zeit mit in der GroKo! Wenn das so weiter geht mit dem Untergang der SPD, werden die Frauen bald gar nichts mehr verdienen. Satte 21 Prozent also. Wofür bekommen Frauen diese 21 Prozent nicht? Manuela „Küstenbarbie“ Schwesig kennt die Antwort – Zitat: „SPD-Frauenministerin Manuela Schwesig hatte in der aktuellen Regierung durchgesetzt, dass Frauen ein Auskunftsrecht gegenüber ihren Arbeitgebern erhalten, wieviel männliche Kollegen in gleichwertiger Position verdienen.“ – Zitatende.

„Gleichwertig“ ist das Schlüsselwort. Daß Frauen für „gleiche Arbeit“ weniger als Männer verdienten, konnten nämlich selbst Sozialdemokraten nicht mehr behaupten. Daher hat man dort still und heimlich von „gleich“ auf „gleichwertig“ umgesattelt. Damit einem ein wichtiges Wahlargument nicht einfach so abhanden kommt wie die Innere Sicherheit, das Kernanliegen von Herrn Oppermanns SPD. Klingt so ähnlich, mit einem Unterschied: „gleiche Arbeit“ ist ein objektiver Maßstab, „gleichwertige Arbeit“ hingegen ein subjektiver. Der Wert bestimmter Arbeiten wird also inzwischen auch schon von Sozialdemokraten definiert. Gleichwertige Arbeit: Meinereiner wäre der Letzte, der den Sozialdemokraten nicht konzedieren würde, daß die aufopferungsvolle Arbeit einer Krankenschwester in einem Hospiz derjenigen eines Investmentbankers gegenüber „gleichwertig“ ist. Als „inhaltlicher Akzent“ taugt der Versuch, sie deswegen auch so zu bezahlen wie einen Investmentbanker, trotzdem nicht. Von einer Investmentbankerin ganz zu schweigen. Obwohl das auch ein wunderschöner Akzent wäre: Bestimmte Frauen verdienen für gleichwertige Arbeit weniger als bestimmte andere Frauen. Herr, schmeiß´ Hirn vom Himmel!

Sei es wie es sei: Die rote Titanic säuft also endgültig gar ab. Hoffentlich geht´s schnell. Diese Bande mit ihren Befindlichkeiten hält doch kein Normaler im Kopf mehr aus.

 

 

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