Der Sozialistenträumer

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Erich und Heiko (Foto: Collage)

Die Sendschrift unseres Kontrollministerleins wider die hetzerischen Rotten der Rechtspopulisten scheint ein veritables Kultbuch zu werden, wobei vor allem die Fünf-Sterne-Rezensionen lesenswert sind: „Heiko Maas ist Liebe. Heiko Maas ist Leben.“ Oder: „Heiko Maas erklärt auf 256 gut verständlich und witzig geschriebenen Seiten, wie man eine Diktatur errichtet.“ Allein der Titel „Aufstehen statt wegducken“ gibt zu heiteren Assoziationen Anlass: „Nun Zivilgesellschaft steh auf! Nun Zensursturm brich los!“ Auf dem Klappentext steht, dass unser Heiko Maas jetzt endlich beginnt, „unsere Demokratie zu verteidigen“.

Von Michael Klonovsky

Gleich zu Beginn des Buches – bei Amazon ist eine Leseprobe feil – verkauft sich der Verfolger trendkonform als Verfolgter und erzählt, wie er sich bei seiner legendären Flucht aus Zwickau zwar noch weggeduckt hat („mir wird die Naziparole ‚Volksverräter‘ entgegengeschnauzt“), doch damals muss er, kaum hatte er die rettende gepanzerte Limousine erreicht, beschlossen haben, künftig aufzustehen. Sein saarländischer Landsmann und Genosse E. Honecker kann ein Lied davon singen, was passiert, wenn man den Sachsen nicht schneidig entgegentritt. „Einige der Protestler halten Plakate hoch, auf denen ‚Gegen Zensur. Für Meinungsfreiheit’ steht“, erinnert sich der Chef des unmittelbar vor der Fertigstellung stehenden Wahrheitsministeriums. „Was für ein schlechter Witz. Dass die Justiz einschreitet, wenn jemand im Internet ‚Flüchtlinge ins Gas’ postet, halten die Rechten für Zensur.“

Niemand soll unserem Genossen Heiko unterstellen, er wüsste nicht, was Hetze ist. Aber Hetze ist eben immer auch auf selbstentlarvende Weise dumm. Erstens schreitet die Justiz tatsächlich ein, wenn jemand dergleichen postet, und zwar völlig unabhängig von der Existenz eines Menschen namens Maas und irgendwelcher von ihm veranlasster Netzwerkskontrollverfügungen, zweitens will Maas ja gerade die Justiz aushebeln und durch private Internetsheriffs ersetzen, die seinen Sozialistentraum von einem gesäuberten Netz verwirklichen, drittens halten die meisten Rechten es keineswegs für Zensur, wenn die Justiz im Netz das Recht durchsetzt, sondern sie fordern genau das, aber viertens weiß zumindest jedes rechte Kind, dass die Masi schon längst ganz andere Einträge löscht und bei ihren DDR-Spielchen täglich immer unverschämter und dreister wird.

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