Schrecklich, diese bösen Deutschen!

Foto: Gage Skidmore/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/
Donald Trump (Foto: Gage Skidmore/ Flickr/ https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Die deutschen Qualitätsmedien überschlagen sich heute Morgen mit der Veröffentlichung einer fürchterlichen Äußerung aus dem Munde des amerikanischen Präsidenten. Am Rande des Nato-Gipfels in Brüssel soll er tatsächlich gesagt haben: „Die Deutschen sind böse, sehr böse.“ Schon um sechs Uhr morgens hat so mancher Radiosender seine schlaftrunkenen Hörer mit dieser Horrormeldung schockiert.

Von Klaus Barnstedt

Einige Blätter geben zu, dass sie die Richtigkeit der Äußerung nicht hundertprozentig garantieren können. Aber eine Schlagzeile läßt sich aus einer angeblichen Hinterzimmerbemerkung immer konstruieren, wenn sie geeignet ist, das bundesweit  gepflegte Negativimage des amerikanischen Präsidenten aufrechtzuerhalten.

Nur wer etwas genauer hinsieht, wird erfahren, dass die Donald Trump zugeschriebene Äußerung sich ausschließlich auf den Handelsbilanzüberschuss Deutschlands bezogen hat.

Donald Trump, auch als Präsident durch und durch Geschäftsmann, sieht es – rein marktwirtschaftlich betrachtet – für sein Land als problematisch an, dass beispielsweise die deutsche Automobilindustrie in den USA recht erfolgreich agiert.

Nun gehe ich davon aus, dass Trump den kolportierten Satz nicht auf Deutsch gesprochen hat. Selbst wenn er – wohlgemerkt nicht öffentlich – gesagt haben soll: „The Germans are bad, very bad.“, dann ist hier mit den „Germans“ deren erfolgreiches marktwirtschaftliches Agieren gemeint, das nachteilig für Amerika sei.

Es ist lächerlich, den Satz aus dem Zusammenhang zu reißen und ihn außerdem noch wortwörtlich zu übersetzen, mit dem Tenor, Trump habe behauptet, die Deutschen seien eine böse Nation.

Das haben die Qualitätsjournalisten nämlich außerdem geflissentlich übersehen, dass „bad“ nicht einfach mit „böse“ zu übersetzen ist.

Das englische Eigenschaftswort „bad“ hat ca. 30 Bedeutungen, je nach Zusammenhang. In jedem Lexikon tauchen als erste Einträge die Übersetzungen „schlecht“ und „schlimm“ auf.

Mit welcher Zielsicherheit es hochqualifizierten Medienmachern gelingt, die  unvorteilhafteste Version herauszupicken, wenn es darum geht, „Beweise“ für einen zur Unperson stilisierten Politiker zu liefern, das ist schon erstaunlich.

Oder besser gesagt, bösartig und ein weiteres Beispiel für die Manipulationstechniken einer nicht unverdient als Lügenpresse bezeichneten Medienlandschaft.

https://www.dict.cc/?s=bad

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ttip-und-freihandel/trump-die-deutschen-sind-boese-sehr-boese-15033105.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-bei-der-eu-die-deutschen-sind-boese-sehr-boese-a-1149282.html

 

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