Kirche eiskalt: Bischof nicht so erschüttert wie Steinmeier

Kein Ausweg mehr aus dem Geschwätz? Foto: Pixabay

„Bundespräsident nach Anschlag in Ägypten erschüttert“, heißt es bei der Nachrichtenagentur dts. Das ist arg.

Von Max Erdinger

Von Entsetzen regelrecht geschüttelt sei Steinmeier gewesen. Entsetzen worüber? – Darüber, “ …. dass zum wiederholten Male koptische Christen in Ägypten Opfer eines Anschlags wurden“, wie er versicherte. Und es war bestimmt wieder gelogen. Sein Krawattenknoten war nämlich noch immer staatsmännisch korrekt – und die Frisur saß tadellos. So sieht Erdbebensicherheit aus, nicht Schüttelfrost.
23 koptische Christen sind ermordet worden. In Gedanken und auch im Gebet sei der präsidial Erschütterte ganz bei den Angehörigen der Opfer, denen übrigens sein Beileid gelte. Anscheinend kennt er die Leute. Alle Menschen in Ägypten – offenbar also nicht nur die Ägypter – sollten sich gegen den Terror verbünden und die Religionsgruppen sollten in Solidarität zusammenstehen. So geht es. Warum läßt niemand Steinmeier den Konflikt lösen? Womöglich deswegen nicht, weil er noch nicht mal weiß, wer die Täter überhaupt gewesen sind? Genannt hat er keine. Noch nicht mal mutmaßliche Täter hat er benannt. Wir dürfen sicher sein, daß Steinmeier die Mörder zum Zeitpunkt seiner Erschütterung erwähnt hätte, wenn er den leisesten Schimmer gehabt hätte, wer da wohl in Frage kommen könnte. Kann ja wohl nicht sein, daß einer über Opfer erschüttert ist und keine Täter erwähnt! Aber woher soll er es wissen? Jedenfalls wünschte er den verletzten Überlebenden des Anschlags eine „vollständige Genesung“. Ein Bundespräsident kann da großzügig sein und muß sich nicht mit kleinkarierten Teilgenesungen aufhalten.

Ist jetzt ein Durchschnittskleriker auch so erschüttert wie Steinmeier? Das ist eine interessante Frage. Sehen wir nach. Allerweil ist ja Kirchentag und da finden sich Vertreter dieser Spezies. rp-online hat einen ausgemacht. Bischof Dröge stritt sich nämlich öffentlich mit Anette Schultner vom Bundesverband Christen in der AfD, so daß man zwangsläufg aufmerksam werden musste. Dröge: „Ich kann mich als Christ nicht in einer Partei engagieren, die Ängste dramatisiert, Misstrauen sät und Ausgrenzung predigt.“

Das ist ein dicker Hund. Alle fünf Minuten wird irgendwo auf dieser Welt ein Christ von einem Moslem ermordet, wenn er nicht gerade einen anderen Moslem meuchelt. Wie er das wohl gemeint hat mit dem „Ängste dramatisieren“? Daß es nicht so dramatisch ist, vielleicht? Und daß es schlimm ist, wenn man als Kopte in einem von bewaffneten Moslems gekaperten Bus sitzt und einem anderen Kopten das Mißtrauen einpflanzt, in dem man ihm zuflüstert: „Ich glaube, die erschießen uns gleich.“ – ? Wie war das außerdem mit der Ausgrenzung, dem Bischof, der Kirche und der AfD? Wenn der Bischof ausgrenzt, dann ist es keine Ausgrenzung? Ich glaube, früher, als noch nicht alle vor stinkender Selbstgerechtigkeit balla-bala gewesen sind, hätte man den Bischof kurzerhand in die Klapse eingewiesen. Eiskalt neben der Kappe, der Mann.

Was hat er sonst noch eiskalt von sich gegeben, der barmherzige Glaubensbruder in seinem Wahn von der eigenen Anständigkeit? – „Es steht kein christliches Menschenbild im Parteiprogramm der AfD.“ Schwerer Mangel! Steht eines im Parteiprogramm der Linken? Grüne? SPD? – Wie jetzt, nicht? Hat er das schon einmal bemängelt und behauptet, daß man als Christ dort nicht Mitglied sein könne? Eiskalt: Nein, davon ist dem gemeinen Leser des Sonntagsblatts in seinem Sprengel nichts bekannt.

Langer Rede kurzer Sinn: Obwohl sowohl Steinmeier, als auch sein eiskalter Funktionärsbruder aus der grünökolesbischen Kirche ganz genau wissen könnten, was man die letzten Tage überall bezüglich des verlogenen Betroffenheitsgewäschs dieser schamlosen Anstandsnullen lesen konnte, – schließlich hatte sogar der Mainstream das routinierte Gesinnungsgesäusel solcher Herrschaften aufs Korn genommen -, denken die von Erschütterung Geschüttelten gar nicht daran, einmal ein anderes Tonband abzuspielen.

Deswegen bin ich davon überzeugt, daß die wahrhaft Erschütterten diejenigen sein müssen, die vom Gesülz dieser Herrschaften nur noch angewidert sind. So einer bin ich. Ich bin erschüttert. Ehrlich.

Wandere aus, solange es noch geht!
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