Wie vor über 70 Jahren

Symbolfoto: (JouWatch)
Appel (Symbolfoto: JouWatch)

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr ermittelt gegen einen Stabsoffizier wegen möglicher umstürzlerischen Bestrebungen, berichten mehrere Medien. Es besteht aber keinerlei Anlass zum Optimismus; der Mann hatte während eines Lehrgangs im Ausbildungszentrum Hammelburg bloß gesagt: „Ich habe es so satt, dass 200.000 Soldaten unter Generalverdacht gestellt werden wegen zwei Verrückten. Die Ministerin ist bei mir unten durch, das muss man ansprechen oder putschen.“

Von Michael Klonovsky

Andere Bürger in Uniform informierten hurtig den Disziplinarvorgesetzten über die Äußerung, der wiederum den MAD einschaltete. Nun ermittelt der Bundeswehr-Geheimdienst wegen möglicher „Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Landes gerichtet sind“. Gegen wen der MAD in diesem Punkte eigentlich ermitteln müsste, liegt zwar auf der Hand, aber wenn ein Land auf gewissermaßen demokratischem Wege beschlossen hat, den Hochverrat zur Staatsräson zu erheben, wäre es gerade von den Diensten zuviel verlangt, dagegen vorzugehen.

Anfang dieses Monats hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen 100 Führungskräfte der Bundeswehr in den Bendlerblock geladen, wo sich der arme Graf Stauffenberg für jenes Deutschland hat erschießen lassen, dessen Verteidigung seit 2015 offiziell beendet ist, und zwar zu einem „Krisentreffen“ (die Krise selber kam nicht zur Sprache, aber das ist ja längst Brauch in der DDR 2.0). Dieses Treffen wird in die Annalen der deutschen Armee womöglich als der symbolische Termin ihrer Abschaffung eingehen. Die Generäle, Admirale und Ministerialdirigenten wurden am Eingang des Konferenzsaales vom MAD in Empfang genommen und gefilzt. Sie mussten ihre Mobiltelefone und Laptops abgeben. „Nicht einmal Smartwatches am Handgelenk wurden geduldet“, notierte die Welt. Offiziell geschah das, um „eine möglichst offene interne Diskussion unter den Anwesenden zu befördern“. Gürtel, Strickzeug und Handtäschen durften die Herren immerhin behalten. – Keines dieser Ehrenhainzypressenduplikate protestierte gegen eine solche Ehrabschneidung, keiner dieser Helden reiste wegen einer solchen Demütigung ab oder reichte seinen Rücktritt ein.

So sieht die militärische Führungsspitze einer Gesellschaft aus, die ihren Altvorderen vorwirft, sich nicht gegen die NS-Diktatur gewehrt zu haben. Es ist echt gemein, gegen einen Angehörigen dieser Molluskenschar unter dem Vorwand zu ermitteln, es bestünde der Verdacht, er besäße ein Rückgrat.

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