Wenn im Märkischen der Spargel schießt

Wenn der Spargel schießt (Bild: JouWatch)
Wenn der Spargel schießt (Bild: JouWatch)

Wenn im Märkischen der Spargel schießt, fühlen sich besondern die Politiker der rot-roten Brandenburger Regierungskoalition ständig und überall eingeladen. Ob zum Spargelsüppchen, Salat, im Schlafrock, mit Wildlachs, Schnitzel, Schinken oder nur unter einer dünnen Schicht Hollandaise an jungen Kartoffeln, nahezu jeden Tag kann man die dunklen, dieselrieselnden Limousinen der arbeiternahen Volksvertreter bestaunen, wie sie sich mal wieder auf deren Kosten den Gaumen vergolden lassen.

Von Schlaglicht

Montag beim Beelitzer Spargelbauern Jakobs, Dienstag in der Michendorfer „Linde“ mit den Genossen der Berliner SPD, mit denen sie sämtliche Gerüchte um den doch nicht rechtzeitig eröffnenden Flughafen BER vom Tisch fegten. Mittwoch, … die Woche ist noch lang.

Da nimmt es auch kaum Wunder, dass der am Montag einladende vorgebliche Journalist der Landespressekonferenz namens Laszive oder ähnlich zunächst den Karriereaufstieg einer Redakteurin der Berliner Morgenpost besonders hervorhob. Ja, der Gudrun sei es gelungen, demnächst ein gut und sicher dotiertes Plätzchen bei einer roten Ministerin im Lande zu erheischen. Applaus! Üblich für die extrem arbeiternah und so überparteilich wie möglich auftretenden Hofberichterstatter vom Rest der Branche , die den Beruf noch ernst nimmt, nichts zu erwähnen. Als da wären die gerade frisch gekündigten 90 Mitarbeiter des Berliner Verlags von Berliner Zeitung und Kurier, die beide auch eine Brandenburgredaktion haben, äh, hatten. So etwas passt – trotz parteipolitischer Nähe – einfach nicht zu einem so schönen, sonnigen Abend.

Ganz wie zu alten SED-Zeiten lassen sich roten Regenten und ihre Berichterstatter nicht von lästiger Realität den Abend vermiesen. Hoch die Tassen, der Grauburgunder ist ein wenig nussig im Abgang. Und das ist bei Leibe nicht alles, was einem sauer aufstößt, wenn man die schwarze Limousinenkarawane wieder weiterziehen sieht durch die sonnige Mark Brandenburg, vorbei an Flughafenbaustellen und polnischen Wanderarbeitern jenseits des Mindestlohns.

Einzig ein Bildjournalist mit dem einprägsamen Namen Sauerbier gelang es, an einen weiteren traurigen Fall von Kollegenaufstieg zu erinnern. Das tat er allerdings aus Gründen der Vorsicht nur am Stehtisch eines Ex-Kollegen, der das Treiben nur kopfschüttelnd beobachtete. Er will ja schließlich auch weiterhin dabei sein, wenn die Genossen genießen.

PS: Als die grüne Landtagsabgeordnete Ursula Nonnemacher zum Diner anreiste, bemerkte sie die von ihrer Fraktion so hart kritisierte Plastikfolie auf den Spargelfeldern offensichtlich nicht. Und nach dem Essen war es ja schon dunkel.