Kanzlerschaft: Vorsprung durch Geschwätz

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Produziert Sprechblasen - Angela Merkel Foto: JouWatch

Es ist ein beklagenswerter Zustand in unserem Land, daß der Bürger schon froh sein muß, wenn ihn ein Wahlsieg Angela Merkels vor dem Genossen Schulz als Kanzler bewahrt. Neuesten Umfragen zufolge liegt die Union momentan zwölf Punkte vor der SPD, wie die Zeit meldet. Demnach glauben nur noch 15 Prozent der Befragten, daß SPD-Kanzlerkandidat Schulz Bundeskanzler wird. Ende Februar waren es noch 36 Prozent. Könnte der Bundeskanzler direkt gewählt werden, sähe es für Schulz ebenso dramatisch aus. Anfang Februar hätte er noch mit 46 Prozentpunkten weit vor Merkel mit 40 Prozent gelegen. Inzwischen käme er gerade noch auf 29 Prozent der Stimmen.

Von Max Erdinger

Das ist die „gute Nachricht“. Die schlechte ist, daß eigentlich jeder wissen könnte, wie es in Merkels Kopf zugeht und daß er trotzdem jubeln muß, wenn ihm Schulz erspart bleibt. Hier eine kleine Zusammenstellung von Merkel-Zitaten, kurz kommentiert, damit es hinterher nicht heißt, man hätte in unserem Land nicht wissen können, was inzwischen als die bessere Wahl zu begreifen ist:

„Wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.“ (2005) – Doch, diesen Rechtsanspruch haben wir. Er ist durch die Ewigkeitsklausel geschützt. Die wiederum ist in Art. 79 Abs. 3 des Grundgesetzes zu finden. Sie besagt, daß bestimmte Verfassungsprinzipien auf ewig einer Verfassungsänderung entzogen sein sollen.

2. „Wir werden nicht zulassen, dass technisch manches möglich ist, aber der Staat es nicht nutzt.“ (2008) – Das sehen wir gerade an Heikos Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Es ist nicht bekannt, daß Merkel den kleinen Blockwart in seinem grundgesetzwidrigen Übereifer zur Mäßigung aufgerufen hätte. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß die Kanzlerin meint, wir hätten keinen Anspruch auf Demokratie.

3. „Aber Demokratie ist nicht immer eine Sache von einsamen Entscheidungen, sondern in der Regel ein Geschäft der Meinungsbildung vieler.“ (2007) – „Nicht immer“ heißt: Meistens doch. Entscheidungen sollten sich auch nie an Meinungen orientieren, sondern an Fakten. Für die Realität ist es völlig unerheblich, welche Meinungen es zu ihr gibt.

4. „Das Internet ist für uns alle Neuland, und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung natürlich, mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen.“ (2013) – Im Jahre 2013 war das Internet seit etwa 15 Jahren „Neuland“ für mich. Man fragt sich, ob die Kanzlerin erst zu Beginn dieses Jahrzehnts von Brieftauben auf e-mail umgestellt hat. Ein völliges Mysterium ist, was ihr am Kampf gegen die Feinde der Demokratie gelegen sein kann, wenn wir doch angeblich gar keinen Rechtsanspruch auf Demokratie haben.

5. „Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat gesagt: Der Islam gehört zu Deutschland. Und das ist so. Dieser Meinung bin ich auch.“ – Die Dinge sind also so, wie Merkels Meinung dazu ist. Von wegen „Meinungsbildung vieler“. Tatsächlich ist es natürlich so, daß die Kreuzzüge eine Reaktion auf jahrhundertelange Eroberungsfeldzüge der Moslems gewesen sind – und daß sie hätten unterbleiben können, wenn der Islam zu Europa gehört hätte. Auch die Türkenbelagerungen der Stadt Wien in den Jahren 1529 und 1683 wurden nicht siegreich beendet, weil der Islam zu Europa gehört, sondern deswegen, weil er nicht dazugehört. Es handelt sich heute noch um denselben Islam wie damals. Womit wir wieder beim Thema wären: Meinung ersetzt keine Fakten. Niemand kann schlüssig erklären, warum der Islam heute, im Gegensatz zu früher, zu Europa gehören soll. Das einzige, was jemand tun kann ist, seine Meinung zu äußern. Die wiederum ist für die Realität irrelevant. Realität ist hier: Islam und Aufklärung sind genauso unvereinbar wie Christentum und Islam. Wer sich die Alltagswirklichkeit in den Ländern der islamischen Welt anschaut, weiß auch sofort, warum das so ist. Die Realität des Islam läßt sich dort besichtigen und erzeugt beim kultivierten Europäer nichts als Ekel und Abscheu. Es gibt keinen säkularen Islam. Deswegen kann er auch niemals zu Europa gehören. Wer etwas anderes behauptet, verwechselt sein eigenes Wunschdenken, resp. seine „Meinung“ mit der Realität. Das passiert laufend und ist beinahe schon zur „intellektuellen Norm“ geworden. Die Mär von der „subjektiven Wahrheit“ und davon, daß alles „eine Frage der Perspektive“ sei, öffnet hier denjenigen Tür und Tor, die von diesem Irrtum nicht im geringsten infiziert sind: Den Abschaffern eben dieses Irrtums. Wer weiter den Traum von der Relevanz der Meinung träumen will, holt sich mit dem Islam genau den Wecker ins Land, der seinen Traum beenden wird. Da wird ein Erwachen stattfinden, von dem sich jeder Traumtänzer wünschen wird, daß er lieber friedlich aus dem Traum heraus direkt entschlafen wäre. Islam und „freie Meinungsäußerung“ sind ungefähr wie Feuer und Wasser. „Der Islam gehört zu Europa“ ist die dümmste aller denkbaren Äußerungen. Wie sagte Clint Eastwood in seiner Rolle als Dirty Harry? – „Meinungen sind wie Arschlöcher. Jeder hat eines.“

6. „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“ – Merkel meint die EU, nicht Europa. Europa als Kontinent kann nur dann scheitern, wenn die Europäer nicht mehr wissen, wer sie sind und was ihre Einzigartigkeit ausmacht: Nicht die globale Vielfalt der Irgendwers, sondern die seit jeher bestehende innereuropäische Vielfalt. Europas Zukunft hängt mitnichten an der Existenz einer EU. Europa ist dann gescheitert, wenn es von den Egalitaristen der EU unter Anleitung der Globalisten zu einem x-beliebigen Platz auf der Welt umfunktioniert worden ist. An einer daran gemessenen, beinahe banalen Wirtschafts- und Währungsfrage hängt die Zukunft Europas keinesfalls. Mag sein, daß die Zukunft der EU daran hängt. Wen aber interessiert die EU, wenn es um die Zukunft der Europäer als solchen geht?

7. „Alles, was noch nicht gewesen ist, ist Zukunft, wenn es nicht gerade jetzt ist.“ – Ach? Ist das so? Dann wird es wohl auch fünf vor zwölf sein, wenn es nicht schon später ist.

8. „Vielleicht wird sich der Wohlstand wandeln, aber so, dass wir es nicht als Verzicht erleben werden.“ – Das soll wohl heißen, daß wir vielleicht alle reich werden. Eine andere Wandlung, die nicht als Verzicht zu begreifen wäre, ist schlicht nicht denkbar.

9. „Politik heißt nicht, ständig nach dem Wetterhahn auf dem Dach zu schauen, sondern seine Überzeugungen umzusetzen.“ – Wenn man sich die „Überzeugungen“ von Angela Merkel anschaut, die sie beispielsweise noch 2002 auf Parteitagen der CDU geäußert hat („Multikulti ist grandios gescheitert“), dann kommt man nicht umhin, festzustellen, daß sie keine hat, die nicht zutreffend mit „tagesaktuelle Meinung“ zu übersetzen wären.

10. „Ich ahne, wovon ich spreche, meine Damen und Herren.“ – Noch nicht mal das glaube ich.

11. „In bestimmter Weise habe ich auch was zu sagen.“ – Ja, leider. Die „bestimmte Weise“ der Angela Merkel ist, daß sie je nach Anlaß und Gelegenheit alles mögliche sagt, das im Widerspruch zueinander steht. Nach zwölf Jahren Merkel kommt meinereiner zu dem Schluß, daß es egal ist, was Merkel jemals gesagt hat – und daß es auch zukünftig egal sein wird. Daß Merkel vermutlich wieder Kanzlerin werden wird, hängt nicht an dem, was Merkel öffentlich sagt. Sie könnte es auch bleiben lassen. Der Vorteil wäre, daß man sich von dieser Heimsuchung nicht andauernd verarscht vorkäme.

Die Lage ist also die folgende: Der Deutsche des Jahres 2017 muß froh sein, wenn er von einer Heimsuchung regiert wird, die er noch nicht als den politischen GAU begreifen kann, weil er den Begriff des größten anzunehmenden Unfalls für Schulz reservieren muß. Anders ausgedrückt: Wenn schon Abgrund, dann bitte mit Merkel. So sind die Aussichten. Jubilate! Schönen Sonntag noch.

Wandere aus, solange es noch geht!
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