Die Deutschen und die Demokratie

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Hier wird der Staat gelenkt (Foto: JouWatch

Ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus – die Deutschen und Demokratie, das sind zwei Dinge die nicht zusammen gehören, weil sie nicht zusammen passen!

Damit eine Demokratie lebt, braucht sie die Mitarbeit des Volkes, den Willen sich vielschichtig zu informieren und die aktive Teilhabe am politischen Geschehen – auch auf der Straße, wenn die Damen und Herren Volksvertreter den Willen des Volkes einmal gar zu eigenmächtig interpretieren. Opposition findet in einer Demokratie nun mal nicht nur in den Parlamenten statt, sondern auch auf der Straße – insbesondere dann, wenn in den Parlamenten über die Parteigrenzen hinweg eine schon undemokratische Einigkeit herrscht, sodass nur noch der Anschein eines demokratischen Willensbildungsprozesses gegeben ist.

Genau an der aktiven politischen Teilhabe mangelt es den Deutschen und ohne die geht es nicht! Sind sie zu träge, zu desinteressiert, um an ihrer Zukunft mitzuarbeiten, ihr Schicksal zu bestimmen? Oder sind sie zu egoistisch, um Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen? Oder schlicht zu faul oder zu dumm?

Von Ulrich Abramowski

Eine singuläre Ursache, warum wir Deutschen nicht demokratietauglich sind, wird sich nicht ermitteln lassen, ich vermute eher, dass es dafür eine Vielzahl von Gründen und Erfahrungen gibt.

Bevor wir aber in die Analyse einsteigen, erst einmal einen Blick in die Geschichte der Demokratie auf deutschem Boden! Nur die Geschichte lässt uns verstehen, warum wir eigentlich keine Demokraten (mehr) sind.

Die erste Art Demokratie auf deutschem Boden mag die Meldorfer Bauernrepublik im Dithmarschen gewesen sein. Formal seit 1227 dem Erzbistum Bremen zugehörig, regierten sich die Bauern quasi selbst über einen gewählten „Rat der 48″. In den folgenden 250 Jahren entwickelte sich Dithmarschen zu einer blühenden, von bäuerlichem Wohlstand geprägten Region, die erhebliche Begehrlichkeiten beim nördlichen Nachbarn Dänemark hervor rief. 1473 gelang es dem dänischen König , sich vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Friedrich III., die Lehensrechte übertragen zu lassen, ein Anspruch, den die Dithmarscher nicht anerkannten. Im Jahr 1500 kam es zur Schlacht bei Hemmingstedt, in der die Bauern das Dänische Heer vernichtend schlugen. Die Unabhängigkeit währte danach allerdings nur noch weitere 59 Jahre, danach war Dithmarschen dänisch und aus war es mit der Demokratie, die immerhin 332 Jahre währte. So lange hat es kein weiterer Demokratieversuch geschafft! Und so intensiv ist eine Demokratie nie wieder vom Volk verteidigt worden!

Der nächste, richtige Ansatz, auf deutschem Boden die Demokratie zu etablieren, erfolgte mit der Märzrevolution in den Jahren 1848/49, der letztendlich kläglich daran scheiterte, dass es eine Revolution der Intellektuellen war, die kaum Rückhalt in der Bevölkerung hatte. Die Paulskirchenverfassung, benannt nach dem Tagungsort des Parlamentes, der

Frankfurter Paulskirche, war ein fauler Kompromiss zwischen adliger und bürgerlicher Macht, der zerbrach, als König Wilhelm IV. von Preußen die ihm angebotene Kaiserkrone ablehnte. Damit waren deutsche Einheit und Reichsverfassung gescheitert und der Wiederherstellung der alten Machtverhältnisse der Weg geebnet.

Erst 69 Jahre später gelang es dann doch, demokratische Verhältnisse in Deutschland zu etablieren, nicht als Ergebnis eines Willensbildungsprozesses des deutschen Volkes, nein, eher zufällig und aus der Gunst der Stunde heraus. Kaiser Wilhelm Zwo hatte sich vom Acker gemacht, um sich vor der persönliche Verantwortung für den unsinnigen 1. Weltkrieg zu drücken und in diese Lücke stieß – eher unbeabsichtigt und keinesfalls geplant – der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann, als er am 9. November 1918 die Deutsche Republik ausrief, um Karl Liebknecht zuvor zu kommen, der nur kurze Zeit später eine Räterepublik nach sowjetischem Muster proklamierte. Von Anbeginn an hatte die als „Weimarer Republik“ in die Geschichte eingegangene, erste richtige Demokratie mehr als nur einen Webfehler. Bereits bei ihrer Ausrufung hatte die junge Demokratie mehr Feinde im eigenen Land, als Freunde. Zum einen gab es weite Teile im Besitz- und Bildungsbürgertum, die den alten monarchischen Strukturen verhaftet waren, zum anderen die „fortschrittlichen Kräfte“ um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, denen die Weimarer Republik zu bourgeois war und die aus Deutschland eine sozialistische Räterepublik machen wollten. Gewaltsame, bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen dieser beiden Gruppierungen gegeneinander, aber auch gegen die neue Staatsmacht führten zur Flucht des Parlaments und der Regierung in das beschauliche Weimar, dessen Name dadurch untrennbar nicht nur mit Goethe, sondern auch der Demokratie in Deutschland verbunden ist.

Nach 14 Jahren war Schluss mit der Weimarer Republik. Ruhrbesetzung, Inflation, Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit als Folge daraus und zunehmende innere Spannungen und Gewalt auf den Straßen haben ihr den Garaus gemacht. Sterbehilfe leistete die Reichsverfassung, die kleinteilige Parlamentsfraktionen zuließ und somit zu unregierbaren Verhältnissen führte. Letztendlich waren es aber die Deutschen, die ihre Republik verrieten. Beseelt von dem Bedürfnis, endlich wieder Ruhe und Ordnung im Land zu haben, so etwas wie eine Perspektive im Leben zu haben und nicht mehr die Schmach des Versailler Vertrages erdulden zu müssen, folgten sie in zunehmenden Maße dem erstbesten, aus Österreich importierten Rattenfänger, der ihnen das versprach, was sie sich wünschten. Hätten mehr von ihnen sich mit Hitlers Unwerk „Mein Kampf“ beschäftigt, dass wie ein Leitfaden seiner künftigen Politik des Hasses und der Gewalt war, es wäre den Deutschen vielleicht manches erspart geblieben.

Am 30. Januar 1933 fiel die Demokratie in Deutschland ins Koma und starb am 28. Februar 1933 mit der Verabschiedung der Reichstagsbrandverordnung im Reichstag.

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945, der nahezu kompletten Zerstörung von Infrastruktur, Wohnraum, Verwaltungsstrukturen und bürgerlichen Lebens, war der Weg für andere Verhältnisse frei. Ich schreibe bewusst „andere“ statt „demokratische“ , denn eine echte Demokratie ist die Bundesrepublik

Deutschland nie geworden, vielmehr eine pseudo-pluralistische Parteiendiktatur.

In der ersten Nachkriegszeit hatten die überlebenden Bewohner Deutschlands nichts zu melden, was Verwaltung oder Regierung anging – und sie wollten es auch nicht. Der Kampf ums tägliche Überleben kostete alle Kraft, da war mit Ausnahme einiger weniger bei den Menschen im Land kein Platz und keine Energie für Politik. Die Verwaltung oblag den jeweiligen Besatzungsmächten in ihren Zonen, denn das, was einmal das Deutsche Reich war, hatte faktisch aufgehört zu existieren und war unter den Siegern aufgeteilt worden, die nach der jeweiligen Vorstellung von Ausübung staatlicher Macht und Gewalt herrschten. Aus den Landesteilen, die von den Besatzern nicht nur besetzt, sondern annektiert oder anderen Nationen zugeteilt wurden, vertrieb man vorsorglich die deutsche Bevölkerung.

Zwischen den Besatzern herrschte keine Einigkeit über die Zukunft Rumpfdeutschlands, zu groß waren die ideologischen Differenzen zwischen den westlichen Demokratien und dem sowjetischen Diktator. Einigkeit herrschte nur darüber, dass von deutschem Boden nie wieder eine Gefahr für den Frieden in Europa ausgehen sollte.

Die drei westlichen, von den USA, Frankreich und Großbritannien verwalteten Zonen wurde zunächst auf kommunaler Ebene und später auf der sich ausbildenden Länderebene erste, zaghafte Demokratisierungsversuche gemacht, wobei darunter nicht die Schaffung demokratischer Strukturen gemeint ist, sondern die Umerziehung der dortigen Deutschen zu Demokraten, die in vorgegebenen Strukturen zu wirken hatten. In der von der Sowjetunion besetzten Zone gab man sich nicht diese Mühe. Diejenigen, denen man irgendetwas anhängen konnte, verschwanden einfach aufgrund von in Schauprozessen gefällten Gerichtsurteilen in stalinistischen Gefängnissen und Arbeitslagern, von denen die die meisten nicht wiederkehrten. Die Verbleibenden wurden als demokratisch gesonnen erklärt, was kommunistisch bedeutete. Die Strukturen der Gewaltherrschaft waren ja noch vorhanden – sie wurden einfach mit anderem Vorzeichen weitergeführt. Eine tatsächliche Beteiligung der Menschen am Willensbildungsprozess war nicht vorgesehen und nicht erwünscht.

Im Westen wurde hingegen ein anderer Weg begangen. Ziel der Westalliierten war es, möglichst schnell die aufwendige und teure Verwaltung und politische Führung dessen, was einmal die Bundesrepublik Deutschland sein würde, wieder loszuwerden. Der „Entlassung“ der Westdeutschen in eine souveräne, selbstbestimmte Zukunft konnte man jedoch nicht trauen. Wer kann schon einem Volk trauen, dass mehrheitlich für den personifizierten Antichristen gestimmt hat, der unvorstellbare Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verantworten hat, für die er sein Volk instrumentalisierte, sie zu Tätern gemacht hat. Den Widerstand des Volkes gegen Hitler und das Erdulden der Tyrannei durch das Volk ließ man bei den Überlegungen dann auch gern unter den Tisch fallen. Für das, was die Westalliierten beabsichtigten, brauchte man ein Volk, das sich auf ewig schuldig fühlt.

Um die künftige Bundesrepublik Deutschland, Demokratie von Besatzers Gnaden, errichten zu können, wurde zunächst eine verfassungsgebende Versammlung, der „Parlamentarische Rat“, ernannt, in den „unbelastete“ Menschen entsandt wurden, um, unter Beachtung striktester Vorgaben der Alliierten, eine Art Verfassung zu entwickeln, die später als für ein nur als Provisorium gedachtes „Grundgesetz“ den rechtlichen Rahmen der Körperschaft Bundesrepublik auf dem Boden eines Teilgebietes des Deutschen Reiches liefern sollte. Dieses „Grundgesetz“ wurde dem deutschen Volk bis heute nicht zur Entscheidung vorgelegt. Mit der Genehmigung und Verabschiedung durch die Alliierten des größtenteils durch den Parlamentarischen Rat in vorauseilendem Gehorsam formulierten Grundgesetzes konnte dann am 23. Mai 1949 die Gründung des Gebildes vorgenommen werden, in dem wir heute noch leben. In den ersten Jahren war die Bundesrepublik Deutschlands wirklich nichts anderes als eine Verwaltungseinheit für ein Teilgebiet des (immer noch und bis heute rechtlich existierenden) Deutschen Reiches, ohne jede Souveränität und weiterhin dem Willen der Besatzungsmächte unterworfen – eine Art Pseudodemokratie, an der wir, ob wir wollten oder nicht, gefragt wurden wir nicht, mitspielen durften, oder besser gesagt, mussten.

Gestört hat uns das seinerzeit nicht! Weder die fehlende Souveränität, noch die Tatsache, dass wir Bürger nur Zuschauer in einem Marionettentheater waren. Zu groß war der Wunsch, wieder in bessere Lebensverhältnisse zu kommen, in richtigen Häusern und Wohnungen zu leben und nicht nur in Behelfsheimen und Ruinen. Mit der Verbesserung der primären Lebensbedürfnisse kam der Wunsch nach Wohlstand auf. Politisches Engagement störte da nur! Gewählt wurde derjenige, dem man zutraute, diese Wünsche am besten zu erfüllen, bei den Arbeitern war es die SPD und beim Bürgertum die CDU. Ein paar Verwegene hielten sich für liberal und wählten FDP. Tatsächlich ging es den Westdeutschen von Jahr zu Jahr besser, das Wirtschaftswunder machte politisch träge, aber die Bäuche satt. Zudem wurde jede Systemkritik schon frühzeitig verhindert, es reichte ja der Blick nach „drüben“ und die latente Angst vor der „roten Flut“ machte uns gefügig.

Mit zunehmender Sättigung stieg auch bei einigen wenigen die Lust zur politischen Betätigung, aber wohl eher durch einen Platz am Futtertrog und Machtteilhabe motiviert, als durch das Bedürfnis, dem Land und seinen Menschen zu dienen.

In der DDR kamen solche Überlegungen nicht auf. Zum einen war der Kampf ums Tägliche bis in die letzten Tage der DDR das Leben beherrschend, zum anderen war dem Bürger nur die Rolle des politischen Statisten erlaubt.

Natürlich gab es im Westen auch das, was im Osten nicht erlaubt war – den auf die Straße getragenen Bürgerprotest. Ein echter Bürgerprotest war es nicht, eher die politisierte Auflehnung der akademischen Jugend gegen alles, was zum „Establishment“ gehörte. Ob „Muff in den Talaren“, Schah-Besuch und später Startbahn-West, Atomkraftwerke und Waldsterben – getragen wurde der Protest nicht von der Absicht, Veränderungen zu erwirken, sondern eher aus der Lust am Krawall, der dann seine militante, gewaltsame Form in der RAF fand.

Über die Jahre hinweg wurde der Bundesrepublik schrittweise die Souveränität zurück übertragen, aber nie in Gänze. Bis zur „Wiedererfindung der Bundesrepublik“ im Jahr 1990 blieb sie eine Verwaltungseinheit mit eingeschränkter Souveränität, die sie auch nach den 2+4-Verträgen nicht komplett erlangt hat und bei der UNO immer noch Feindstatus genießt.

Der Fall der Mauer und die anschließende Zusammenführung zweier deutscher Gebiete auf dem Staatsgebiet des Deutschen Reiches kam wie ein Schock für die im Westen lebenden Deutschen. Obwohl voller Inbrunst immer wieder beschworen, hatten wir uns in der geopolitischen gewünschten Pseudo-Doppelstaatlichkeit aus BRD und DDR bequem eingerichtet, ja wir genossen es sogar, im Osten arme Brüder und Schwestern zu haben, die im real existierenden Sozialismus darben durften und denen wir großzügig zu den Feiertagen kleine Hilfspakete, bestehend aus abgetragenen Jeans und Jacobs-Kaffee schicken konnten. Unsere „Politiker“ machten gern der DDR-Staatsführung große Geschenke, die der westdeutsche Steuerzahler zu bezahlen hatte. Neben Luxuslimousinen gab es Milliardenkredite, die menschliche Erleichterungen zwischen hüben und drüben bewirken sollten, letztendlich aber das Leiden nur verlängerten, da sie den Staatsbankrott der DDR nur hinausgezögert haben.

Mit dem 3. Oktober 1990, dem Datum an dem wir jetzt jedes Jahr den Anschluss der östlichen Bundesländer an die Heimat des großen Diktators Erich feiern, änderte sich die Lage im Land erheblich. Satte Westbürger, deren politisches Engagement sich auf das Kreuzchen machen auf dem Wahlzettel beschränkte, trafen auf hungrige Ostbürger, die seit 57 Jahren von einer aktiven politischen Teilhabe weitestgehend ausgeschlossen waren, jedoch durch ihren massiven Protest es geschafft haben, die Sozialistenbrut aus der Regierung zu jagen. Dass dieser Protest nicht so endete, wie es sich die Betonköpfe der Staatsmacht der DDR gewünscht hätten, war allerdings eher zufällig, bedingt durch die Schwäche des ehemaligen großen roten Bruders.

Nach geheimen Verhandlungen der ehemaligen Siegermächte und Vertretern der beiden betroffenen deutschen Gebiete kam also die Wiedervereinigung – sprich, die aus den Bezirken der DDR gebildeten Bundesländer schlüpften unter den Schirm der provisorischen Westverfassung namens Grundgesetz, dass damit weiterhin zementiert wurde. Die Chance, eine richtige Verfassung zu entwickeln und durch das Volk verabschieden zu lassen, wurde bewusst nicht genutzt, war das bisherige System doch bequem und, vor allem, einträglich.

Im Zuge der Wiedervereinigung wurden weitere Souveranitätsrechte zurückübertragen, allerdings mit der Maßgabe, sie zugunsten eines supranationalen Bürokratiemonsters namens Europäische Union wieder aufzugeben, was sowohl die Regierung Kohl, als auch die des Herrn Schröder eilfertig getan haben. Gesorgt haben dafür unsere „Freunde“ Mitterand und Thatcher, unterstützt vom „Zigarrenraucher“ Clinton. Gorbatschow hatte da ganz andere Ideen, die selbst dem Kanzlerdarsteller Kohl zu weit gingen.

Der Prozess der Wiedervereinigung und des „Aufbaus Ost“ bescherte der Bundesrepublik eine wirtschaftliche Scheinblüte, zunächst nur im Westen, und nachdem die Treuhand durch die ostdeutsche Industrie gefegt war und eine Spur aus Blut, Schweiß und Tränen hinterlassen hat, langsam, eher etwas zögerlich, auch im Osten. Voraussetzung dafür war eine riesige Abwanderungswelle von Ost nach West, denn nahezu ein Drittel der Bewohner der ehemaligen DDR zogen in den Westen, um dort nicht nur den Traum von Wohlstand und den ihnen versprochenen blühenden Landschaften zu haben, sondern ihn auch zu leben. Dass das alles kein wirkliches Fundament hat, sondern mit Krediten erkauft wurde, an denen noch unsere Urenkel zu zahlen haben, ist ein gravierender Schönheitsfehler, der die Armut nur auf künftige Generationen geschoben hat.

Die wirtschaftliche Scheinblüte in einer von ersten, durch die Globalisierung hervorgerufenen Verwerfungen gekennzeichneten Weltwirtschaft hat auch die Neubürger recht schnell satt gemacht. Die Politik hat quasi ihr Wohlwollen erkauft und das politische Trägheitsmoment, dass die Wessis schon Jahrzehnte inne haben, breitete sich im Osten in Windeseile aus. In diesem Bezug war die Angleichung der Verhältnisse von West und Ost schneller erreicht, als die Anpassung der Renten. Einen kleinen Unterschied gibt es immer noch; im Osten gibt es immer noch relativ mehr Menschen, die auf die Straße gehen, um ihren Protest auszudrücken. Es sind wohl teilweise die gleichen, die im November 1989 zum Fall der Mauer beigetragen hatten. Damals waren sie Helden, heute nennt man sie Nazis.

Mir ist durchaus bewusst, dass ich ziemlich weit ausgeholt habe, um das Verhältnis der Deutschen zur Demokratie zu durchleuchten. Um es mit wenigen Worten zu sagen, wie aus der Geschichte, gerade der jüngeren, ersichtlich ist, hat das Deutsche Volk keine Einstellung zur Demokratie, es steht ihr eher gleichgültig gegenüber. Das liegt wohl daran, dass der Wunsch nach Demokratie nie tief verwurzelt war und ist, nie eine breite Basis gefunden hat und dass die Deutschen nie um ihre Demokratie kämpfen mussten, wohl aber für den Erhalt absolutistischer oder totalitärer Machtstrukturen gekämpft haben oder es mussten. Auch der Sturz des DDR-Regimes wurde nicht durch den Wunsch nach politischer Teilhabe getragen, sondern vom Wunsch nach Reisefreiheit und ein wenig mehr Wohlstand. Eben jenes Streben nach Wohlstand und die Sehnsucht nach Beschaulichkeit sind die Merkmale, die dazu geführt haben, dass die Deutschen kein Volk für Revolution oder auch Demokratie sind, dass ihnen die politische Betätigung eher ein Gräuel ist, das es als völlig in Ordnung ansieht, dass die politisch Teilhabe beim Urnengang beginnt und auch endet, gefördert von mangelhafter Ausbildung in Sachen Staatsbürgerkunde. Auf dieser Plattform ist es für Politiker natürlich leicht, widerstandslos die Politik durchzusetzen, die ihren eigenen Interessen dient und ebenfalls eine breite Unterstützung für ihre Diffamierungskampagnen zu finden, die diejenigen treffen, die ihnen den Platz am Futtertrog streitig machen wollen.

Demokratie ist in Deutschland, mit Ausnahme des untauglichen Versuchs von 1848, nicht von innen gewachsen, sondern von außen per Zwang verordnet worden. Das ist kein gutes Fundament für eine Demokratie. Auch ist ein demokratisches System, das nicht auf Vertrauen zum Bürger und dessen Urteilsvermögen beruht, kein Fundament für eine tiefe Verwurzelung der Demokratie in unserer Gesellschaft. Den Menschen in einem Land, die so mehrheitlich ihre Seele dem Teufel verschrieben hatten, traut keiner – nicht mal die eigene Regierung.

Am wohlsten fühlen sich die Deutschen, wenn sie so herrlich unpolitisch sein können. Das ist wohl mit der Tatsache zu erklären, dass in den Zeiten, in denen eine Wohlfühldiktatur, sei sie von Gottes Gnaden errichtet oder durch die Vorsehung bestimmt, herrschte, die kulturelle, wirtschaftliche, technische und wissenschaftliche Blütezeit war. Dies war auch anfangs im Dritten Reich nicht anders.

Als der Westen per Besatzerbefehl zur Demokratie mutierte, war es nicht verwunderlich, dass ein Kanzler Adenauer, der eher auto- als demokratisch herrschte, getragen vom Wirtschaftswunder zum sicherlich beliebtesten Kanzler aufstieg. Nur so ist auch erklärlich, dass immer noch so viele Deutsche treu und brav für Merkels CDU stimmen, obwohl sie sich einen Dreck um Recht und Gesetz, um Demokratie und Parlamentarismus kümmert und wie ein absolutistischer Monarch, ein Genosse Staatsratsvorsitzender oder gar der Gröfaz unter dem Beifall der Opposition, die keine mehr ist, und der Medien herrscht, da es uns immer noch wohl viel zu gut geht, um einen politischen Wandel einzufordern. Anscheinend haben die Deutschen ein derart entgleistes Demokratieverständnis, dass sie denjenigen am lautesten zujubeln, die sie als „starke“ Führer wahrnehmen, nicht aber jenen, die ohne Getöse schlicht eine Politik zum Wohle des Volkes verfolgen.

Mit einem gesunden Demokratieverständnis würden Politiker dieser Couleur schon längst nicht mehr die Parlamente bevölkern, sondern wären kurzerhand daraus verjagt worden!

Nein, Deutschland ist kein Land für Demokratie! Sehen wir dieses Experiment als gescheitert an und suchen uns wieder einen Kaiser oder König. Dann können wir auf bessere Zeiten hoffen, denn es ist anzunehmen, dass ein Monarch eher eine Politik verfolgt, die ihn und seine Nachkommen in die Zukunft trägt, als die kinder- und verantwortungslose Bande, die sich Bundesregierung nennt. Ein Monarch wird sich deshalb um den Fortbestand der Gesellschaft bemühen, in dem er Familien fördert. Er wird sein Land vor Feinden von außen schützen und es nicht schutz- und kampflos den Eindringlingen zur Eroberung und Verdrängung unserer Kultur und unserer Werte überlassen. Und er wird keine Deindustrialisierung durch eine aberwitzige „Energiewende“ und überzogene Umweltauflagen betreiben, sondern Handel und Industrie fördern, anstatt sie auf dem Altar der Globalisierung zu opfern. Er wird Nationalismus und Patriotismus als Ausdruck von Stärke verstehen und uns den Stolz auf unsere Nation wiedergeben, anstatt sich mit Spruchbändern ablichten zu lassen, auf denen steht „Deutschland ist Scheiße“!

Wir brauchen ihn und seinen Patriotismus, um Deutschland wieder zu einem Land zu machen, dass unsere Identität ist, und nicht im Treibsand schwülstiger Multikultivorstellungen und unbeherrschbarer supranationaler Bürokratien nach der Art der Europäischen Union versinkt!

Ich freue mich auf den Tag, an dem statt Schwarz-Rot-Gold, der Fahne des Versagens und des Vaterlandverrates, wieder Schwarz-Weiß-Rot auf dem Reichstag weht und die Inschrift „Dem Deutschen Volke“ auf dem Reichstagsgebäude in Berlin wieder Bedeutung hat. Die Kaiserhymne singe ich dann aus voller Inbrunst mit!