Wenn der Mainstream einen AfD-Politiker Hexen verbrennen lässt

(Bild: Flamboyaneiro; Funken-2015-3; CC BY-NC-ND 2.0; siehe Link)
"AfD packt den Hexenhammer wieder aus und verbrennt Frauen auf dem Scheiterhaufen" - oder - wenn der Mainstream Fake News produziert (Bild: Flamboyaneiro; Funken-2015-3; CC BY-NC-ND 2.0; siehe Link)

Nichts hätte man lieber geglaubt, als dass ein Politiker aus den Reihen der AfD den Hexenhammer hervorkramt und 500 Jahre nach Jakob Sprenger öffentlich wieder zur Hexenverbrennung aufruft. Dass es sich bei dieser Meldung um eine astreine Fake News handelt interessiert – bis auf eine Ausnahme – den Mainstream nicht die Bohne.

„AfD-Politiker empfiehlt Frauenverbrennung zur Klima-Rettung „ (Welt-Online) – „Klimawandel! Podeswa empfiehlt „Hexenhammer“ (Bild) – „AfD-Mann vergleicht Kampf gegen Klimawandel mit Hexenverbrennung“ (Stern) – oder aber : „AfD-Mann empfiehlt „Hexenhammer“ als Ratgeber gegen Klimawandel“ (Focus). Dies ist nur eine kleine Auswahl aus dem Spektrum unserer sogenannten „Qualitätsmedien“, die ungeniert und ungeprüft, eine „Hammer-Meldung“ unter die Leute brachten.

Eine „Hammer-Meldung“ deshalb, weil diese Aussage laut den emsigen Schreiberlingen aus den Mainstream-Redaktionsstuben ein AfD-Politiker am Donnerstag im Stuttgarter Landtag getätigt haben soll.  Der angeblich Hexen verbrennende AfD-Abgeordnete des baden-württembergischen Landtags, Dr. Rainer Podeswa, wurde von der Deutschen Presseagentur (dpa) wie folgt wiedergegeben:

Für Empörung hat im baden-württembergischen Landtag eine Empfehlung des AfD-Abgeordneten Rainer Podeswa gesorgt, sich im Kampf gegen den Klimawandel am ‚Hexenhammer‘ zu orientieren. Dieses ‚europäische Standardwerk‘ fasse alle Methoden zusammen, mit denen im 15. Jahrhundert in Ravensburg die Klimakatastrophe bekämpft worden sei, sagte Podeswa am Donnerstag in Stuttgart. ‚Damals wurden Hunderte Frauen verbrannt und damit das Klima gerettet.‘ Seine Fraktion applaudierte ihm. Die Grünen-Abgeordnete Martina Braun sagte dazu: ‚Das ist wirklich unglaublich.’“

Bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt

Wahr ist an der dpa-Meldung, die begierig von den Mainstreamlern unter das Volk gekippt wurde, aufgrund stark verkürzter Wiedergabe sowie dem aus dem Zusammenhang gerissenen Gesagten so gut wie nichts. Eine waschechte „Fake News“ also. Tatsächlich nämlich sagte Podeswa in seiner Rede (im Video ab Minute 36), die sich  gegen die Grünen gewandt hatte und deren „ideologischen Irrsinn“ beim Thema Klimawandel im Focus hatte, am Donnerstag im Stuttgarter Landtag:

Dr. Rainer Podeswa (AfD) (Bild: Rainer Podeswa)

Ich will Ihnen aber gerne noch etwas zum Nachdenken geben und die Diskussion auch vorm historischen Hintergrund einmal reflektieren. […] Ich bleibe in Baden-Württemberg, und ich gehe nur einige wenige hundert Jahre zurück. Auch da gab es eine extreme, eine extreme Häufung extremer Wetterereignisse, mehrere Jahre hintereinander. […] Bis dass sich endlich, endlich eine Lösung abzeichnete und Wege aus der Krise gefunden wurden, hier in Baden-Württemberg. […] Ich empfehle Ihnen also das Buch, in dem diese Lösungsansätze alle zusammengefasst worden sind. Es ist in Speyer erschienen, 1486, und fasst die Methoden alle zusammen, mit der damals in Ravensburg die Klimakatastrophe bekämpft worden ist. Ich empfehle Ihnen, sich dieses europäische Standardwerk in der Stuttgarter Bibliothek auszuleihen. […] Den Populus-Titel, den kennen Sie […], es ist der ‚Hexenhammer‘. Die haben damals Hunderte von Frauen verbrannt und damit das Klima gerettet. Das sind die Ergebnisse einer öko-stalinistischen, schon wahnhaften Mission, die Sie in diesem Thema verfolgen. Wir von der AfD stehen für eine Klima-, für eine Wirtschafts- und eine Gesellschaftspolitik der Vernunft.“

T-Online: „Was bei uns gestern falsch gelaufen ist“

Das Nachrichtenportal von T-Online veröffentlichte am Freitag eine „Mea Culpa“- Meldung und erklärte sich als mutmaßlich einziges Nachrichtenmedium, wie es zu der – nun als falsch erkannten Schlagzeile – „AfD-Mann empfiehlt Frauenverbrennung gegen den Klimawandel „ kam.

„Wir haben uns bei der Arbeit ausschließlich auf eine Meldung der Deutschen Presse Agentur (dpa) verlassen und Inhalt und Richtigkeit nicht angemessen geprüft. Dabei haben wir unsere eigenen Ansprüche nicht erfüllt“, so der Erklärungsversuch. Abschließend wurde auch nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass man aber auf gar keinen Fall „gezielt eine Lüge“ verbreitet habe. Man habe halt einfach nur journalistisch unsauber gearbeitet. Und – ganz wichtig: „ t-online.de hat die Stellungnahme aus freien Stücken veröffentlicht und wurde von keiner Seite dazu aufgefordert oder gar dazu gezwungen“.

„Wenn man nichts findet das man durch den Dreck ziehen kann, dann verdreht man wahllos Aussagen“

Die AfD-Baden-Würtemberg will indes in der durch den Mainstream-Journalismus entstellen Rede keinen Zufall entdecken.

„Es ist Wahlkampf und wer die normative Ausrichtung der großen Medienhäuser kennt, dem ist klar, dass es so etwas wie neutrale Berichterstattung nur in Ausnahmefällen gibt, sicher aber nicht bei WELT, Süddeutsche, FAZ, TAZ und Co. Zu eng sind diese Blätter aus Eigeninteresse heraus mit der Politik immer enger zusammengewachsen (Förderung beim Redaktionsbau, Sondersteuerentlastung beim Mindestlohn, Werbeprojekte der Ministerien, etc.) und spielen im Superwahljahr den Steigbügelhalter der Etablierten, da wird alles aufgegriffen was dem Konkurrenten schadet… und wenn man nichts findet das man durch den Dreck ziehen kann, dann verdreht man mittlerweile offensichtlich schon so wahllos Aussagen, dass man gleich ganz ein Märchen hätte erfinden können. Die neueste Farce läuft gegen die AfD im Landtag von Baden-Württemberg“, so das mehr als ernüchternde Urteil über den aktuellen Zustand der Medien in unserem Lande. (BS)