FGM: Ayaan Hirsi Ali erklärt Genitalverstümmelung

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Die neuesten Nachrichten sind erfreulich, ein Schwurgericht in Michigan hat drei Personen, einschließlich zweier Ärzte wegen FGM, weiblicher Genitalverstümmelung angeklagt. Es ist die erste Anklage jemals in den Vereinigten Staaten und deshalb muss man anhand dieses Falls auf den schleichenden Missbrauch der Menschenrechte hinweisen, der viel zu lange möglich war. Die weibliche Genitalverstümmelung wurde absichtlich von denjenigen vertuscht, die dies praktizieren, oder die ihre Töchter in den Sommerferien ins Ausland bringen, damit sie dort verstümmelt werden und dies nicht unter die hiesigen Gesetze fällt.

 Quelle: sheikyermani
Übersetzt von EuropeNews

Die tollpatschigen Versuche von der New York Times und ähnlichen Medien, die über diese Sache berichtet haben, kultursensibel vorzugehen, werden das Ganze weiter unter der Decke halten. Die Chefredakteurin der Zeitschrift Health and Science schrieb dazu, dass die Bezeichnung „Beschneidung“ anstelle von weiblicher Genitalverstümmelung weniger „kulturell belastet“ sei und dass es helfen würde eine Brücke zu bauen zwischen denjenigen, die FGM praktizieren und denjenigen, die dagegen ankämpfen. In ihren Augen geht es um Afrika gegen den Westen.

 Als Afrikanerin, die Opfer einer FGM wurde und jetzt im Westen lebt, erlauben Sie mir bitte diese Brücke zu bauen, indem ich Ihnen erkläre über was wir wirklich sprechen, was wir unter dem schwammigen Begriff „Beschneidung“ subsumieren.

 Es gibt fünf Arten der weiblichen Genitalverstümmelung, die an Mädchen vorgenommen wird beginnend im Alter von fünf Jahren. Vier davon sind ohne jeden Zweifel Verstümmelungen und die andere soll eine Verstümmelung symbolisieren. Ich werde mit der harmlosesten Form beginnen.

 1. Die Kerbe.

Das Mädchen wird zu Boden gedrückt, ihre Beine werden auseinander geschoben und es wird eine Nadel benutzt um in ihre Klitoris zu picken. Dieser Schnitt ist ähnlich wie ein Blutzuckertest bei Diabetikern, es kommt Blut und man hält das Mädchen für ‚gereinigt‘. Oftmals wird eine kleine Party gefeiert, um diese Prozedur zu begehen.

 2. Die ‚weibliche Beschneidung‘.

Die zweite Methode in Bezug auf ihre Schwere wird oft mit der Beschneidung von Männern verglichen. Die Haut der Klitoris wird abgetrennt, in manchen Fällen wird die Spitze der Klitoris abgeschnitten. Auf diese Weise wird ein ansonsten normal funktionierendes Körperteil abgetrennt. Die Verunstaltung des Geschlechtsorgans eines kleinen Mädchens kann man mit dem Verstand als nichts anders bezeichnen als als Verstümmelung.

 3. Die intermediäre Fibulation.

Sie ist die dritte Form der FGM, bei der von der Klitoris so viel wie möglich herausgeschält und entfernt wird. Die inneren Schamlippen werden herausgeschnitten und die äußeren Schamlippen werden zusammengenäht, so dass nur noch zwei kleine Löcher für Urin und Menstruation offen bleiben. An Orten, wo dies ohne ‚medizinische Intervention‘ geschieht, sterben die Mädchen oft indem sie verbluten. Nachdem die Infibulation durchgeführt wurde, ist es unmöglich festzustellen was geschehen ist sobald das Mädchen wieder auf den Beinen stehen kann, aber Gynäkologen können deutlich sehen, dass Teile ihrer Genitalien entfernt und zusammengenäht wurden.

 Traurigerweise sind wir erst halb durch die Liste durch und es gibt noch schlimmere Formen der weiblichen Genitalverstümmelung. Zweifellos ist die detaillierte Beschreibung dieser Praktiken beunruhigend, aber es ist wichtig, dass wir offen darüber sprechen, was geschieht und uns nicht durch den Euphemismus zu retten versuchen, dass wir ja keinen beleidigen wollen.

 4. Die vollständige Infibulation.

Bei diesem vierten Typ der FGM werden die Klitoris und die inneren Schamlippen abgeschnitten, dasselbe passiert auch mit den äußeren Schamlippen, dann wird alles zugenäht. Wenn die Mädchen stehen, auch wenn die Beine geschlossen sind, dann kann man sehen, dass ihre Genitalien anders aussehen.

 5. Die vaginale Fixierung.

Bei diesem fünftem Typ der FGM, die nur selten in die Öffentlichkeit dringt, wird alles wie bei Typ vier ausgeführt, außerdem werden die Innenwände der Vagina aufgeschabt, um eine Blutung zu erzeugen, dann wird zugenäht. Die Füße des Mädchens werden zusammengebunden um so die beiden Seiten der Vagina durch Narbengewebe zu verschließen. Die Kinder können bei diese Prozedur sterben.

 Es ist schwer für Menschen, die sich außerhalb dieser Gemeinschaft bewegen, die FGM praktiziert, zu verstehen was wirklich passiert. Ein Beispiel, das mir noch nach Jahren im Gedächtnis geblieben ist, war eine Frau in den Niederlanden, für die ich übersetzt hatte. Ich begleitete sie zu einem Gynäkologen, weil sie große Schwierigkeiten hatte beim Wasser lassen und bei der Menstruation. Sie zeigte dem Arzt ihre Genitalien, die nach dem fünften und schlimmsten Typ der FGM verstümmelt und vollständig entfernt worden waren. Der verblüffte Arzt fragte sie, ob sie sich verbrannt habe. Er konnte nicht glauben, dass man ihr so etwas absichtlich angetan hatte, er hatte angenommen sie habe einen schrecklichen Unfall gehabt. Aber es war kein Unfall.

 Wegen Frauen wie ihr habe ich die AHA Foundation gegründet, als Mittel um Frauen und Mädchen zu helfen den Graben zwischen den verschiedenen Welten und Kulturen zu schließen. Sie leben in den Vereinigten Staaten geschützt durch Gesetze und Verfassung, aber sie leiden unter dem Missbrauch der Menschenrechte, der hier hin importiert wurde.

 Das Ziel von FGM und aller ihrer Formen ist die Kontrolle der weiblichen Sexualität. Die Klitoris wird entfernt um physische Lust an Sex zu verhindern und die Libido zu reduzieren. In ihren schlimmsten Formen, bei der die Genitalien zugenäht werden, ist es das Ziel, die Jungfräulichkeit der Mädchen bis zur Hochzeitsnacht sicherzustellen. Viele Frauen müssen chirurgisch geöffnet werden (oder einfach mit einem Messer oder einer Rasierklinge) damit sie die Ehe vollziehen können. Die Konsequenzen der FGM sind andauernde psychische und physische Schäden von Infektionen bis zu Fisteln und sogar dem Tod.

 Sogar in ihrer mildesten Form, der ‚Stich‘ Prozedur, wird ein Mädchen von ihren nahestehenden Verwandten festgehalten, während ihr eine Nadel in ihre empfindlichsten Körperteile gestochen wird. Wenn dies geschehen ist, wird das Kind seiner Sexualität bewusst und sie kann ab jetzt eine Versuchung für den Mann darstellen. Sie kann die sogenannte ‚Familienehre‘ zerstören und sie muss sich auf eine bestimmte Weise verhalten, wenn sie unter Jungen ist um ihre Bescheidenheit zu zeigen.

 Die Debatte rund um die Stechprozedur, die es schon einmal gab und die abgeflaut war, kam letztes Jahr wieder auf durch einen Artikel im Journal of Medical Ethics. Die Autoren behaupteten, dass das Stechen der Vulva oder das Entfernen der Klitorishaut (FGM Formen 1 und 2) weniger schädlich seien und von liberalen Gesellschaften toleriert werden sollten. Diese Praxis, so schlugen sie vor, solle ethisch akzeptiert sein und keinen Gegensatz zu den Menschenrechten der Mädchen darstellen.

 Diese Akademiker argumentieren in der Tat wie die New York Times, wenn man die harmloseren Varianten von FGM als ‚Verstümmelung‘ bezeichnet, dies kulturell unsensibel sei und so ‚wichtige kulturelle Praktiken‘ dämonisiert würden. Dennoch wird die Bedeutung jener ‚wichtigen religiösen Praktiken‘ nicht mit ethischen Maßstäben betrachtet. Immer wieder behaupten Akademiker und politisch korrekte Apologeten, dass jeder Hinweis auf ‚Kultur‘ zurecht eine gute Sache sei und andere Bedenken überstimmen würden.

 Wenn man sieht wie widerwillig sie Kritik an kulturellen Praktiken sehen, anders als gegenüber den ‚mächtigen weißen Männern‘, will ich es für sie tun. Dieser ‚Stich‘ symbolisiert und kommuniziert den kleinen Mädchen, dass ihr natürlicher Status ein unreiner ist und dass Schmerz auf ihre Genitalien ausgeübt werden muss, damit sie in der Gesellschaft akzeptiert werden.

 FGM ist das Symptom eines schädlichen kulturellen Glaubens, dass Mädchen und Frauen sexuell rein, bescheiden sein müssen und dass ihr Körper nur dazu da ist um Kinder zu bekommen. Ob dies gerechtfertigt wird indem man ein Muslim ist, ein Ägypter, Inder, Jude, schwarz, eine Frau oder eine andere Kategorie, die das politische Identitätspantheon hervorgebracht hat, diese Ansicht ist nicht kompatibel mit liberalen Gesellschaften, die verkünden, sie stünden für die Menschenrechte ihrer Bürger.

 Ich fordere jeden, der Interesse hat, diese barbarische Prozedur, die in den Vereinigten Staaten stattfindet, zu stoppen, mit uns Kontakt aufzunehmen – www.ahafoundation.org 

 Ayaan Hirsi Ali ist Gründerin der AHA Foundation, die entstanden ist um Frauen und Mädchen vor solcher Art Missbrauch, wie ihn dieser Artikel beschreibt, zu schützen. Sie ist außerdem wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hoover Institut in Stanford.

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