Die drei großen Lügen der „Flüchtlingskrise“

Symbolfoto: BalkansCat/ Shutterstock
Horch, was kommt von draußen rein? Wird ja wohl kein "Flüchtling" sein. Symbolfoto: BalkansCat/ Shutterstock

Fangen wir doch gleich einmal bei der allergrößten Lüge dieser Krise an. Kleiner Tipp: es handelt sich nicht um den letzten Teil dieses Kompositums. Ja, die Menschen, die aus wirtschaftlich schlecht gestellten, unsicheren oder vom Bürgerkrieg geplagten Gebieten zu uns kommen, waren nach ihrem ersten Grenzübertritt in ein sicheres oder wirtschaftlich stabiles Land tatsächlich Flüchtlinge. Ab der nächsten Grenze waren sie Opportunisten. Ansonsten wären wir alle irgendwann mehr als einmal in unserem Leben Flüchtlinge gewesen. Aus dem immer lauter werdenden Szenenviertel aufs Land. Aus dem schlecht bezahlten Job in einen besser dotierten. Oder, wenn wir uns nachts in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr sicher fühlen, halt ins Taxi.

Von Karsten Kastelan

Eine Regisseurin aus dem Libanon erzählte mir mal von den „Flüchtlingen“ in ihrem Land und sagte, nicht ohne Spott, aber auch nicht ganz ohne Mitleid: „Das sind professionelle Flüchtlinge.“

Gut, der Libanon ist bei vielen die Endhaltestelle – eine Einwanderung ins israelische Sozialsystem scheint aus vielerlei Gründen nicht praktikabel. Andere Routen bieten da bessere Alternativen – und irgendwie scheinen sie immer dort zu enden, wo das Gras grüner, die Sozialleistungen höher und die Politiker und Gutmenschen einfältiger sind. Da inzwischen selbst die skandinavischen Staaten dies verstanden haben, heißt das Ziel Deutschland. Wo man immer noch von Flüchtlingen redet, wenn sie nach dem 12ten Grenzübertritt endlich den bestmöglichen Deal gefunden haben. Und wo man immer darauf hinweist, dass diese armen Menschen ja schließlich Ländern zu uns kommen, in denen Krieg, Gewalt und Hungersnöte herrschen.

Was nicht wirklich stimmt: sie kommen zu 99,9% aus Österreich, Polen, Frankreich, Tschechien, Belgien, Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz. Und unter den verbleibenden 0.1% sind vielleicht sogar zwei „Flüchtlinge“ aus Luxemburg, aber wohl eher durch Zufall, weil sie versehentlich über die Grenze gestolpert und orientierungslos weitergewandert sind. Der Rest kommt legal mit Visum, meist per Flugzeug, manchmal per Fähre.

Aber eigentlich dürfen nur sie widerspruchslos einen Asylantrag stellen – wobei sich das nicht zu Widersprechende auf den Antrag, nicht auf den Ausgang des Verfahrens bezieht. Man sollte es allen anderen nicht übel nehmen, dass sie ein besseres Leben suchen. Ihre Beweggründe machen sie aber nicht zu Heiligen, Facharbeitern oder wirklich politisch und individuell verfolgten Aktivisten.

Und gerade in einem Land wie Deutschland, in dem schon Sozialneid aufkommt, wenn man die Wohnung in Kreuzberg gegen ein Haus in Brandenburg tauscht, den besser dotierten Job annimmt und abends lieber in ein Taxi steigt, als sich dem öffentlichen Nahverkehr auszusetzen, sollte man auch hier eine klarere Sprache benutzen. Flüchtlinge sind sie sowieso schon lange nicht mehr. Und auch keine Immigranten, weil dies ein geordnetes Verfahren voraussetzt, bei dem der aufnehmende Staat prüft, ob diese neuen Bürger ihm und ihren neuen Mitbürgern auch potentiell nützen könnten. Sie sind illegal eingereiste Migranten – und im allerbesten Falle schutzbedürftig, was mich zu meinem nächsten Punkt führt.

Schutzbedürftig?

Selbstverständlich! Und das meine ich ernst. Egal wie und unter welchen Voraussetzungen diese Menschen zu uns gelangt sind: sie sollten weder erfrieren, noch hungern, noch ohne medizinische Versorgung sein. Man könnte dies auch als „subsidiären“ Schutz  bezeichnen – allerdings finden wir auch hier ein Wort, das seiner eigentlichen Bedeutung entfremdet wurde. Laut Konrad Duden und nachfolgender Belegschaft bedeutet das Wort „subsidiär“: „unterstützend, Hilfe leistend, behelfsmäßig, als Behelf dienend.“ So weit, so gut. Leider ist die Umsetzung in diesem, unserem Lande ein wenig über das Ziel hinausgaloppiert. Selbst der subsidiär Schutzsuchende wird in Deutschland auf unser (recht hohes) Niveau der sozial Schwachen angehoben und gleich auf das Fließband der möglichen Einbürgerung (auch Integration genannt) geschoben. Normalerweise nur für ein Jahr und Papi und Mami dürfen nicht gleich auf Staatskosten (nein, nicht deren Staat) nachkommen. Aber er wird für mindestens dieses Jahr (und die zwangsläufigen Folgejahre aufgrund ihm gerade erteilter Rechte) wirtschaftlich so ausgestattet, wie ein deutscher Staatsbürger des untersten Sozialniveaus.

Ich wiederhole: so weit unten ist das nicht. Noch nicht, da ein funktionierendes Sozialsystem immer ein Nullsummenspiel darstellt. Für jede Person, die etwas umsonst oder günstiger bekommt, muss eine andere Person entweder mehr bezahlen oder weniger bekommen. Ein kleines Beispiel: ein Freund von mir, der ungefähr dreimal so viel wiegt wie ich, beschwert sich über die engen Sitze in der Economy Klasse der Deutschen Bahn. Und findet es unfair, dass er für die erste Klasse mehr zahlen müsse. Ja, man könnte der Deutschen Bahn gewisse Standards vorschreiben, so dass alle Sitze nun breiter sein müssen. Ohne Aufschlag. Dies würde aber auch die Preise für die Bahnfahrt für alle teurer machen, da man entweder Sitzplätze pro Zug verringert oder weitere Wagen ankoppelt. Ich komme mir fast schon dämlich dabei vor, das erklären zu müssen – aber im heutigen Deutschland ist dies wohl, leider, notwendig: was immer Du einem anderen Menschen gibst, musst Du einem anderen Menschen wegnehmen. Zu viele unserer Mitbürger glauben immer noch, dass da ein böser Pharmakonzern zur Kasse gebeten werden könnte oder sollte. Was, mit Verlaub, noch blöder ist, als Donald Trumps Forderung, dass Mexiko für die trumpsche Mauer zahlt. Lektion hier? Schutz: ja. Aber auch nicht mehr.

Facharbeiter?

Es wird immer so getan, als seien nur die gut gebildeten, weltoffenen Menschen nach Deutschland „geflüchtet“ (siehe Punkt I). Und dies wurde von den Medien (öffentlich rechtlich und privat) leider auch so bebildert und kolportiert. Dass dem nicht so ist, sehen wir täglich in den Schlagzeilen, aber auch in den Arbeits- und Kriminalitätsstatistiken. Ein gut gebildeter Flüchtling (Ausführungszeichen diesmal bewusst weggelassen), kommt weder im Schlauchboot übers Meer noch mit einer Aldi-Tüte in Ungarn an die Grenze. Und auch nicht ohne seine Familie. Und selten aus den Krisengebieten in (beispielsweise) Syrien, die schon immer tiefe Provinz waren und von Clans regiert wurden – wenn auch mit Assads Duldung.

Wer hier hauptsächlich ankam, waren nicht die politischen Dissidenten (also diejenigen, denen man Asyl gewähren sollte), sondern hauptsächlich junge Männer ohne Bildung, die aber wundersamerweise über die paar Tausend Euro verfügten, um Schlepper zu bezahlen. Welche Personengruppe hat keine Bildung, nichts zu verlieren (außer polizeilicher Verfolgung) und viel Bargeld in der Tasche? Genau! Unsere „Flüchtlinge“ entsprechen demografisch ziemlich genau der Zielgruppe, von der meine Freunde im Mittleren Osten sagen, dass sie sehr dankbar sind, dass diese nicht mehr an den Straßenecken herumlungern.

Nein, nicht jeder Flüchtling ist ein Krimineller. Aber wenn man eine Bevölkerungsgruppe mit dem Höchstanteil an Kriminellen hätte aufnehmen wollen, hätte es besser nicht hinhauen können. Männlich, unter 30, keine oder kaum Bildung, dicke Rolle an Banknoten in der Tasche – zumindest bei Reiseantritt. Terror und Islam hebe ich mir für einen späteren Text auf – allein diese Eckdaten sind schon erschreckend genug. Und wir glauben, dass wir mit einer Schulpflicht für Analphabeten bis 25 dies lösen können? Können wir wahrscheinlich. Zumindest so, dass sie mit 25 keinen Übersetzer beim Jobcenter mehr benötigen. Aber das war doch wohl nicht das Ziel – insbesondere, weil wir es gebildeten Menschen aus denselben Ländern so schwer machen, ein Arbeitsvisum zu bekommen.

Dass man gern die Augen vor dem verschließt, was einem politisch nicht passt, ist nun wahrlich nichts Neues. Aber hier liegt das Fünkchen Wahrheit bei dem Vorwurf an eine „Lügenpresse“ – ein Vorwurf, den ich als hauptberuflicher Journalist etablierter Medien lange abgelehnt habe und immer noch ablehne. Aber auch das Auslassen der Wahrheit ist eine Lüge – und das ist so bekannt, dass sich fast jeder Ehetherapeut den Spruch lateinisch übersetzen, in Stein meißeln und an die Wand nageln könnte.

Der erste Schritt zur Lösung eines Problems, ist anzuerkennen, dass es überhaupt ein Problem gibt. Beginnen wir, endlich einmal, mit der Sprache.

„Flüchtling“, „Schutzbedürftig“ und „Facharbeiter“ sind Begriffe, die nur in diese Diskussion gehören, wenn sie sachlich korrekt sind. Aber dann muss die Messlatte auch ein wenig höher gelegt werden. „Das sind alles Flüchtlinge, Schutzbedürftige und [zukünftige] Facharbeiter“ gehört aber leider in die Kategorie „Es war einmal, vor leider nicht zu langer Zeit.“

Ein rationaler Diskurs über die vorherige und möglicherweise zukünftige Aufnahme von Migranten ist nicht falsch; er ist sogar vonnöten. Aber dann bitte mit der korrekten Wortwahl. Und nachvollziehbaren demografischen Zahlen und Prognosen.

Aber wir sind ja nicht vollständig belogen worden. „Es wird spannend“, sagte uns die Politik. Und uns wurde außerdem mitgeteilt, dass Deutschland sich verändern würde.

Leider korrekt!

Symbolfoto: BalkansCat/ Shutterstock
„Karsten Kastelan schreibt seit 26 Jahren über Filme, Fernsehserien und die Industrie, die dahinter steht. Er war Jurymitglied bei prestigeträchtigen Filmfestivals in Dubai, London, Palm Springs, Kairo und München. Zu politischen Themen äußert er sich erst seit 2015.“

 

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