Tag der Pressefreiheit: Ein Ranking und sein ideologischer Missbrauch

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Seit 1994 wird der „Internationale Tag der Pressefreiheit“ begangen. Jedes Jahr aufs Neue bietet er am 3. Mai Anlass, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie es um die freie Berichterstattung auf dem Globus bestellt ist. Hierzu veröffentlicht die französische Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ einen alljährlichen Index, der eine Rangliste von 180 Ländern beinhaltet. Wenig überraschend zieren auch 2016 China, Syrien, Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea das Ende der Liste. Deutschland hält sich tapfer unter den ersten 20 – gut genug, um es gerade noch in die beste Kategorie zu schaffen. Vor allem die Skandinavier und die Benelux-Staaten, aber auch Costa Rica und Jamaika liegen deutlich davor. Wesentlich schlechter als Deutschland schneiden hingegen Staaten ab, die man wohl eher weiter vorne vermutet hätte: Großbritannien, die USA und Frankreich – drei Länder, in denen sich der Journalismus eine Menge traut und große Freiheiten genießt, in denen aber konservative politische Strömungen erstarkt sind, die der überwiegenden Mehrheit der Journalisten ein Dorn im Auge sind. Hier zeigen sich die Unzulänglichkeiten der Methodik, die immer wieder auf Kritik stößt: Denn neben Einschränkungen der Medienvielfalt, der Unabhängigkeit oder der Recherchefreiheit wirken sich vor allem persönliche Ansichten auf das Ranking aus. Dazu gehören auch auf Journalisten gemeldete „Übergriffe“, wobei nicht unterschieden wird, ob es sich um eine Körperverletzung handelt oder um eine belanglose Pöbelei.

Von Ramin Peymani

Die auch von Menschenrechtsaktivisten und weiteren NGOs bestimmte Rangliste hat den faden Beigeschmack des Selbstreferentiellen

Für Deutschland reichen gut drei Dutzend Vorfälle am Rande von PEGIDA- und AfD-Demonstrationen, um sich auf Platz 16 wiederzufinden – gerade noch vor Namibia, wo auch gerne mal politischer Druck ausgeübt wird. Dabei obliegt es der Wahrnehmung des im Einzelfall Betroffenen, wie die entsprechende Rückmeldung an „Reporter ohne Grenzen“ ausfällt. Ein objektives Ranking ist damit ausgeschlossen, denn es liegt auf der Hand, dass Journalisten, die sich mit dem Ziel einer kritischen Berichterstattung auf eine Kundgebung Rechter begeben, schon die geringste Unfreundlichkeit als Beleg ihrer These werten, hier seien gefährliche Radikale am Werk. Umgekehrt dürften sich dieselben Reporter bei den Mai-Krawallen der Antifa von umherfliegenden Molotow-Cocktails und Wackersteinen nur allzu selten bedroht fühlen. Die auch von Menschenrechtsaktivisten und weiteren NGOs bestimmte Rangliste hat daher den faden Beigeschmack des Selbstreferentiellen. Die Filterblase weltweiter Medienschaffender mit links-grüner Affinität entwirft wohl bestenfalls in den Extrembereichen ein zuverlässiges Bild der Pressefreiheit. Wie bestellt wartete der Deutschlandfunk mit einer abenteuerlichen Falschmeldung über das Pressefreiheitsranking auf: Die USA seien in der Weltrangliste abgerutscht, informierte man die Radiohörer. Grund sei Donald Trump und „sein systematisches Verunglimpfen kritischer Medien“. Noch hinter Burkina Faso rangiere die ehemals „starke Stimme für die Freiheit der Presse“ auf Platz 43.

Die schönste Pressefreiheit nutzt nichts, wenn die Berichterstatter von ihr keinen Gebrauch machen wollen oder sie gar missbrauchen

An dieser Meldung stimmt nichts. Schon von schlampiger Recherche zu sprechen, wäre beschönigend. Hier werden wider besseres Wissen Unwahrheiten behauptet, um Hass auf den US-Präsidenten zu schüren und eigene ideologische Überzeugungen zur Nachricht zu machen. Denn erstens landen die USA im aktuellen Ranking auf Platz 41 vor Burkina Faso und zweitens sind sie keinesfalls abgerutscht, sondern haben sich von Platz 49 gleich um acht Ränge gegenüber dem Jahr 2015 verbessert. Vor allem aber stammt die Datenbasis für die Erhebung aus der Zeit, in der noch Barack Obama Präsident der USA war. Donald Trump trat sein Amt bekanntlich erst im Januar 2017 an. Offenbar legt der DLF den Begriff der Pressefreiheit für sich selbst sehr großzügig aus: Berichtet wird, was die Redaktion gerne als Wahrheit hätte – völlig egal, ob auch nur ein einziges Wort davon stimmt. Da kann man sich nur mit der Gewissheit trösten, dass die Reichweite unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegt. Und dennoch steht das Beispiel sinnbildlich für den Zustand der Medien in Deutschland. Zwar können wir uns rühmen, zu den Ländern mit größtmöglicher Pressefreiheit zu gehören, doch was nutzt dies, wenn zahlreiche Berichterstatter von ihr keinen Gebrauch machen wollen oder sie gar missbrauchen? Pressefreiheit ist ein hohes Gut, das jeden Tag neu verteidigt werden muss – auch gegen die scheinbar übermächtige Front von Journalisten, die sich auf einem Kreuzzug gegen Andersdenkende befinden.

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