Macron und die Demokratie in der ZEIT

Max Erdinger Foto: JouWatch

Der parteilose Emmanuel Macron, 39, ist gestern zum neuen französischen Präsidenten gewählt worden. Seinen Sieg darf man durchaus bezeichnen als das endgültige Kidnapping einer vorher schon fragwürdig gewordenen Demokratie durch finanzstarke Global Players, die eine Agenda verfolgen, bei welcher irgendein Volkswillen nicht die geringste Rolle mehr spielt. Bekanntlich soll in der Demokratie alle Macht vom Volke ausgehen. Wenn man einem Volk die Illusion läßt, es ginge tatsächlich alle Macht von ihm aus, wähnt es sich noch immer in einer Demokratie. Auch ist ein illusionierendes Volk noch immer das Volk. Formal passt das schon alles, inhaltlich allerdings nicht mehr. Es gibt Fotos von Zeitschriftenständern in Paris letzte Woche, auf denen an die dreißig verschiedene Zeitschriften zum Verkauf angeboten wurden. Auf ausnahmslos allen war Emmanuel Macron auf dem Titel zu sehen. Gesegelt ist Macron als Gallionsfigur einer Bewegung mit der Bezeichnung „En marche!“. Auf Deutsch wäre das etwa zu übersetzen mit „Vorwärts!“ und auf Englisch mit „Move on!“. Moment – „Move on?“

„MoveOn.org ist eine 1998 entstandene Website und Nichtregierungsorganisation. Ihr Ziel ist nach eigenen Angaben die digitale Vernetzung von Menschen, die sich für progressive Politik einsetzen, und die Beeinflussung der politischen Akteure durch entsprechende Lobbyarbeit. (…) MoveOn.org startete 1998 mit einer Onlinepetition, welche sich gegen ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton aussprach. Auch wenn diese Forderung erfolglos blieb, wurden in den darauffolgenden Jahren weitere Kampagnen gestartet, die sich eines großen Anklangs erfreuten, beispielsweise gegen den Irak-Krieg im Jahr 2003.

Seit 2000 unterstützt MoveOn ausgewählte Kandidaten im Präsidentschaftswahlkampf, vornehmlich solche der Demokratischen Partei. 2012 waren nach eigenen Angaben über 7 Millionen Menschen via MoveOn.org aktiv. (…) Die Organisation geriet besonders in die Kritik, als während des Präsidentschaftswahlkampfs in einem Film George W. Bush mit Adolf Hitler verglich. ( … )Vor allem von konservativer Seite wird MoveOn immer wieder vorgeworfen, ausschließlich Lobbyarbeit für die Demokratische Partei zu betreiben. (…) Der Finanzmagnat George Soros und seine Frau spendeten 1,46 Millionen US-Dollar für MoveOn.org. Peter B. Lewis, Chef der Progressive Corporation, gab 500.000 US Dollar. Moveon.org selbst trat wiederum 2007 als Geber bei der Gründung der Aktivistenplattform Avaaz auf.“ – Quelle: Wikipedia

Heute, einen Tag nach seiner Wahl, äußerte sich Macron bereits dahingehend, daß er mit dem Gedanken spiele, sein Wahlvehikel zu verlassen und den Vorsitz von „En marche!“ niederzulegen. „En marche!“ hat ausgedient und man darf seinen Kopf verwetten, daß von „En marche!“ in Zukunft immer weniger zu hören sein wird. In naher Zukunft wird sich niemand mehr an diese „Bewegung“ erinnern. Die Marionette der Global Players wäre dann der erste nationale Präsident jemals, der einer Agenda gehorcht, auf die das Volk, von dem er gewählt worden ist, keinerlei Einfluß mehr hat. Es ist kein Zufall, daß Macron und „En marche!“ vor knapp zwei Jahren erst vom Himmel gefallen sind, zu einer Zeit, als sich abzeichnete, daß innerhalb des französischen Parteiensystems ein Sieg Marine Le Pens kaum noch zu verhindern sein dürfte.

Die Global Players mussten einen Rettungsanker für ihre Agenda entwerfen, der von außerhalb des etablierten Parteiensystems kam. Macron ist dieser Rettungsanker. Er wurde nach allen Regeln der psychologischen Massenbeeinflussung zum Star aufgebaut. Macron war vorher unauffälliger Berater des verhassten Sozialisten Hollande und Investmentbanker für Rothschild. Seine Loyalität gilt keinesfalls dem französischen Volk, sondern seinen Puppenspielern und deren globalistischer Agenda. Macron ist eine Marionette, auf deren Handeln das französische Volk keinerlei Einfluß mehr hat. Mit Macron wurde die Demokratie in Frankreich endgültig gar zur Fassade degradiert, ohne daß man deswegen sagen könnte, der Mann sei nicht gewählt worden. Freilich wurde er gewählt!

Es bewahrheitet sich nur, was meinereiner und viele andere seit Jahrzehnten immer wieder warnend eingewendet haben: Eine Demokratie braucht Demokraten, nicht indoktriniertes, massenmedial gesteuertes Stimmvieh. Das muß deswegen so sein, damit die Demokratie nicht von außen gegen die Interessen des eigentlichen Souveräns instrumentalisiert werden kann. Demokraten müssen informiert sein, wenn sie als Demokraten fungieren sollen. „Gefällt mir/Gefällt mir nicht“ oder „Mag ich/Mag ich nicht“ sind keine relevanten Kriterien in der Demokratie. Nach genau diesen Kriterien ist Macron aber gewählt worden. Macron wurde gewählt in einem System, welches sich, wie die Bundesrepublik auch, von einer Bürgerdemokratie längst zur gescripteten Politshow verwandelt hat. Politik hat in ihrer medialen Darstellung mit der Realität nichts mehr -, mit Politentertainment hingegen alles zu tun.

In der ZEIT, dem intellektualistischen Modejournal für dekadenten Politlifestyle, gibt es heute einen regelrecht widerwärtigen Jubelkommentar von Steffen Dobbert. Titel: „En marche, Europa!“

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-05/frankreich-wahl-emmanuel-macron-europa-frankreich-weckruf-eu
Zitat: „Verdammt EU-begeistert: Emmanuel Macrons Wahlsieg ist gut für Frankreich und für Europa ein Weckruf. Der neue Präsident wird die Debatte um eine Erneuerung der EU prägen.“ – Zitatende.

Ein Weckruf! Wissen alle, was gemeint ist? Ein Weckruf? Was, bitteschön, ist die inhaltliche Qualität von „Weckruf“, Dobbert? Hättest du geschrieben, Macrons Wahlsieg sei ein Marmeladenglas für Europa, wäre ich jetzt genau so schlau. Weckruf? Wer weckt wen wann warum und wofür?

Zitat: „So sieht’s also aus: Der neue Präsident Frankreichs ist weder links noch rechts, noch keine 40, ohne Partei im Rücken und verdammt EU-begeistert. Wann gab’s das zuletzt? Noch nie. Ist das gut? Ja, aber hallo!“ – Zitatende.

Wann gab es das zuletzt, daß einer mit Anstand, Intelligenz und Aufrichtigkeit für die ZEIT geschrieben hat? Mach´Sachen, Dobbert: Ist der Mann weder links noch rechts, einmal abgesehen davon, daß deine Definition von „rechts“ sowieso grundverkehrt ist, solange sie nicht mit „braunlinks“ übersetzt wird? Hat er keine Partei hinter sich? Ist eine Partei erst dann Partei, wenn man sie als solche bezeichnet? Hat „En marche!“ funktioniert wie eine Partei – ja oder nein? – Na also. Worauf fußt also deine dämliiche Begeisterung? Doch wohl darauf, daß die Funktion „Partei“ durch die Funktion „Bewegung“ ersetzt worden ist. Das erinnert an einen alten Werbeslogan: Aus Raider wird jetzt Twix, sonst ändert sich nix.

Der Unterschied ist lediglich, daß man eine Bewegung, die man als Wahlvehikel benutzt hat, leichter wieder loswird, wenn sie ausgedient hat, als eine etablierte Partei. Einer Merkel kann man immerhin noch vorwerfen, daß sie die politischen Grundmauern der CDU geschleift hat. Warum? Weil die CDU immer noch existent ist! Einem Macron wird man dergleichen nicht vorwerfen können, wenn er zwar Präsident ist, seine „Bewegung“ als Wahlfunktionspartei aber längst verschwunden sein wird. Du jubelst hier doch einer Marionette zu, die man zwar (noch?) nicht als einen Diktator bezeichnen kann, deren Agenda jedoch, anders als bei jeder Partei, nicht mehr in Übereinstimmung gebracht zu werden braucht mit nachzulesenden Parteiprogrammen.

Was Macrons Programm ist, kann sich der Interessierte anhand hunderter Quellen im Internet selbst zusammensuchen, anstatt auf ein simples Parteiprogramm zu verweisen, das in einer einzigen Broschüre zusammengefasst wäre. Die Ergebnisse, zu denen dann jeder Einzelne kommt, sind mehr denn je einzusortieren unter Meinung, anstatt unter Faktum. Ja, aber hallo – geht´s noch?

Zitat: „Emmanuel Macron ist der jüngste Anführer der Franzosen seit Napoleon.“ – Zitatende.

Gut, daß dir das „An-“ vor „-führer“ noch eingefallen ist. Nein, Macron ist nicht der Anführer der Franzosen, sondern ihr Verführer. Die erste, grundsätzliche Verführung ist dieser Marionette bereits geglückt. Die Franzosen haben nach einer beispiellosen Medienkampagne für einen 39-jährigen, vergleichsweise Unbekannten sich dazu verführen lassen, ihre „Macht des Volkes“ abzutreten an eine diffuse, extranationale Organisation, die nur noch einigermaßen zutreffend unter dem Begriff „Soros“ zu identifizieren ist. Für „Soros“ ist Frankreich aber nicht der Rahmen, sondern lediglich ein globales Puzzleteil.

Zitat: „Zur Erinnerung: Ende 2015, als der Ausnahmezustand in Frankreich erklärt wurde, da war der Ausnahme-Politiker Macron noch ein Unbekannter auf internationaler Bühne.“ – Zitatende.

Mein Reden, Dobbert! Ende 2015, als der Ausnahmezustand in Frankreich erklärt wurde, sah es so aus, als würde die nächste Präsidentenwahl innerhalb des etablierten Systems stattfinden. Es sah ganz danach aus, als würde Marine Le Pen diese Wahl gewinnen. Mit einem Taschenspielertrick, wie dem, dem französischen Volk einen jungen, frauenaffinen Beau zu präsentieren, den man politisch wegen seiner Fähigkeit zur Produktion nichtssagender, merkelischer Sprechblasen zum Star aufbauen würde, hat Ende 2015 tatsächlich niemand gerechnet.

Zitat: „Aber ein Zurück in die Vergangenheit gab es noch nie. Geschichte entwickelt sich immer zusammen mit dem Fortschritt. Macron hat genau das erkannt und einen neuen Politikstil daraus entwickelt.“ – Zitatende.

Falsch, Dobbert, ganz falsch! Es gibt ein Zurück in die Vergangenheit, wenn man sie historisch unter „Wahl“ kategorisiert. Hitler wurde als 44-Jähriger demokratisch zum Reichskanzler gewählt. Wir wissen nur zu genau, was danach aus „Reichskanzler“ wurde – und was aus „Demokratie“. So blind kann man doch nicht sein?

Zitat: „Die EU hat bald eine erneuerte deutsch-französischen Achse, die sich dem Projekt Zukunft widmen wird. Wo das hinführt, weiß heute noch niemand. Während der Fahrplan für einen Brexit in den EU-Verträgen genau beschrieben steht, steht nirgends im EU-Recht, ob und wie die EU erneuert werden darf. Die Zeit dafür ist allerdings jetzt. Und der Mann, der dafür werben wird, ist der neue französische Präsident. Mal sehen, was Emmanuel Macron daraus macht.“ – Zitatende.

Aufpassen jetzt, Dobbert, hier Nachhilfe. Erstens: Projekte, bei denen keiner weiß, wo sie hinführen sollen, sind keine Projekte, sondern blinder Aktionismus. Zweitens: Macron macht daraus gar nichts. Mit Macron ist es wie mit deinem Suppenlöffel. Nicht dein Suppenlöffel macht den Teller leer, sondern du machst mit deinem Suppenlöffel den Teller leer. Macron ist der Suppenlöffel von „Soros“. Und „Soros“ hat keine Sau gewählt. Macron ist die Marionette, die innerhalb des Puppentheaters den Spitznamen „Demokratieabschaffer“ hat. Das ist seine Aufgabe und sonst nichts. Im Übrigen dürfte es auch dir schon aufgefallen sein, daß nicht ein Funktionär der Eurokraten von irgendeinem europäischen Volkssouverän in sein Amt hineingewählt worden ist. Dein komischer „Weckruf für Europa“ weckt alles mögliche, keinesfalls aber einen demokratischen Souverän. Hier noch einmal, extra für dich, Dobbert – Zitat: „The logo of one of Soros’ agitator associations, entitled Move On, translates into French as En marche!, the name of Macron’s new party. Macron’s recently deceased financier Henry Hermand was close to Soros. Francois Asselineau has suggested that Macron is a Soros surrogate.“
(Übersetzung: Das Logo einer von Soros´ Agitationsorganisationen läuft unter „Move on!“ und heißt ins Französische übersetzt „En marche!“. Das ist der Name von Macrons neuer Partei (Anm.: Sic!Partei! Macron gilt offiziell aber als parteilos, weil seine Partei sich Bewegung nennt!). Macrons kürzlich verstorbener Finanzier Henry Hermand war sehr speziell mit Soros. Francois Asselineau behauptete, daß Macron ein Soros-Surrogat ist.)

http://freewestmedia.com/2017/02/15/soros-pouring-money-into-google-macron-to-stop-le-pen/

Macrons einzige Aufgabe ist es, den europäischen Nationalstaat zu schleifen, hier zufällig Frankreich, weil dort eben gewählt worden ist. Sollte es zukünftig noch mehr europäische Nationen geben, in denen die Machtübernahme durch „rechtspopulistische“ Politiker ernsthaft zu „befürchten“ ist, wird es auch wieder neue „Macrons“ geben. Die heißen dann halt beispielsweise Meier, Corleone oder van der Bank, funktionieren aber genauso wie ein „Macron“. Macrons Aufgabe ist es ausdrücklich nicht, Positives für die Franzosen zu bewirken, sondern vielmehr, den französischen Demokraten und die französische Nation obsolet zu machen. Es wird sich der Begriff „Macronismus“ etablieren und er wird verwendet werden, um den Umstand zu beschreiben, daß Wahlen zu einer scheindemokratischen Veranstaltung mutieren, um den Freunden von Demokratiesimulation und Politentertainment eine Realität vorzugaukeln, die längst zur Matrix geworden ist. Nichts zu danken!