Der Medienkasper

Foto: Dim Dimich/Shutterstock

Drei Meldungen in einer …

Erste Meldung:

Brüssel – EU-Kommissionspräsident Juncker freut sich über den Wahlsieg von Emmanuel Macron. Der junge Emporkömmling habe den „Populisten den Wind aus den Segeln genommen“, sei überzeugter Europäer und habe Visionen. „Hand in Hand“ wolle er mit Macron zusammenarbeiten. (dts)

Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

Nach der ersten kommt die zweite Meldung – und nach dem Kommissionspräsidenten der EU-Parlamentspräsident:

Berlin EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani begrüßte die Wahl Macrons. Der junge Emporkömmling sei proeuropäisch. Man müsse tun, was Macron sagt, nämlich, so Tajani: „Sofort damit beginnen, die Europäische Union zu verändern.“ Auf der Liste der vorzunehmenden Änderungen stünden eine Linderung der Arbeitslosigkeit, der Kampf gegen den Terrorismus, eine Regulierung der Zuwanderung und darum, daß Europäer mehr für Afrika tun. Außerdem hat der EU-Parlamentspräsident eingeladen, eine Rede vor dem Europäischen Parlament zu halten. Macron spiele bei den notwendigen Veränderungen „eine Schlüsselrolle“, so Tajani.(dts)

Traute Eintracht also zwischen dem Kommissions- und dem Parlamentspräsidenten der EU. Beide sind ausgewiesene Macron-Fans.

Nun zur dritten Meldung, die uns eindrücklich zeigt, was ein Medienkasper ist.

Berlin – Der Vizepräsident des Europaparlaments, Alexander Graf Lambsdorff, (FDP), ruft die EU dazu auf, Macron im Amt zu unterstützen. Er erhoffe sich eine Stärkung der FDP. Es sei bemerkenswert, so Lambsdorff, daß die Franzosen sich sowohl von Sozialisten als auch von Konservativen abgewandt hätten, um es mit einem jungen, frischen und liberalen Kandidaten zu versuchen. Die Niederländer hätten es mit der Wahl Mark Ruttes auch schon so gemacht. Das gebe Hoffnung für die FDP. Die habe mit Patrick Lindner – (Entschuldigung!) – Christian Lindner ebenfalls einen jungen, frischen und liberalen Kandidaten. (dts)

Und fertig ist das Kasperletheater. Juncker und Tajani freuen sich zwar schon, doch Lambsdorff startet trotzdem einen Aufruf zur Solidarität der EU mit Macron. Früher nannte man so einen Aufruf „Eulen nach Athen tragen“. Wichtig war halt, daß in dem ganzen Freudentaumel bei der EU der Name des Liberalen Lambsdorff nicht ungenannt bleibt. Für die öffentliche Wahrnehmung seiner eminenten Wichtigkeit wäre es kontraproduktiv gewesen, hätte er sich den Worten Junckers und Tajanis lediglich angeschlossen. Ein Lambsdorffscher „Aufruf“ mußte her, damit es auf den ersten Blick so aussieht, als hätte vor ihm noch keiner das gewollt, wozu der Liberale Lambsdorff aufgerufen hat. Juncker? – Ja. Tatjani? – Auch. Aber der Lambsdorff erst! Dabei ist es so einfach: Wenn man nur Vize ist, kann man sich nicht einfach still und leise freuen, weil das niemand bemerkt. Wer in der zweiten Reihe sitzt, der muß rufen. Gibt es eigentlich den liberalen Hashtag #Aufruf schon? Ich meine: #Aufschrei gab es ja schon mal wegen eines Liberalen. Das war damals, als Rainer Brüderle seinen Aufruf zum Dirndltragen startete und dabei an die völlig Falsche geraten ist.

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