VON DER LEYEN AUF NAZI-JAGD

Max Erdinger Foto: JouWatch

In der WELT gibt es heute einen aufschlußreichen Artikel über die Masterarbeit von Oberleutnant Franco A. Der Mann war wegen seines Doppellebens aufgeflogen. Er hatte sich als syrischer Kriegsflüchtling registrieren lassen und soll einen rechtsextremistischen Anschlag geplant haben.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article164193275/Die-voelkisch-rassistische-Masterarbeit-des-Franco-A.html

Von Max Erdinger

Zitat: „Im deutschen Soldatengesetz findet sich Vokabular, das so manchen Nationalisten und Rechtsextremen durchaus ansprechen dürfte. Da heißt es etwa, der Soldat verpflichte sich „Deutschland treu zu dienen“ und die „Freiheit des deutschen Volk tapfer zu verteidigen“. Von Gehorsam, ist die Rede, von Pflichten und Kameradschaft. Aber eben auch vom Grundgesetz.“ – Zitatende.

Umkehrschluß: Im deutschen Soldatengesetz findet sich Vokabular, das so manchen Internationalisten und Linksextremen absolut nicht ansprechen dürfte. Logischer Schluß: Internationalisten und Linksextreme in der Bundeswehr müssen schärfstens überwacht werden. Sie denken vermutlich gar nicht daran, Deutschland treu zu dienen und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, weil das eine verdammte Nazisauerei wäre.

Zitat: „Der kuriose wie schockierende Fall des 28-jährigen Oberleutnant Franco A., der einen ausländerfeindlich-motivierten Terroranschlag geplant haben soll und wohl monatelang ein Doppelleben als angeblicher syrischer Kriegsflüchtling führte, lässt Zweifel daran aufkommen, ob in der Bundeswehr tatsächlich konsequent gegen Verfassungsfeinde vorgegangen wird.“ – Zitatende.

Was ein richtiger Nationalist und Rechtsextremer ist, der macht sich weniger Sorgen darum, ob in der Bundeswehr konsequent gegen Verfassungsfeinde vorgegangen wird, sondern darum, ob die Bundeswehr nicht gegen Verfassungsfeinde außerhalb der Bundeswehr vorgehen sollte.

Zitat:“Franco A. Gesinnung fiel schon früher auf. Der 28-jährige Offenbacher, gegen den inzwischen die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt, fiel bereits vor Jahren durch völkisch-nationalistische Gesinnung auf. Folgen hatte das allerdings nicht. Es gab keine Disziplinarmaßnahmen, keinen Hinweis an den Militärischen Abschirmdienst (MAD), keinen Rauswurf aus der Truppe. Der „Welt“ liegt der Bericht des Gutachters vor, der im Januar 2014 die Masterarbeit von Franco A. auf wissenschaftliche Standards überprüft hat. Das Gutachten ließ schon damals wenig Zweifel daran, dass es sich bei Franco A. um einen Rechtsextremisten handelt.“ – Zitatende.

Wer einen Gutachter braucht, um Rechtsextremismus festzustellen, kann selbst nicht der Hellste sein. Und „wenig Zweifel“ sind immerhin geeignet, einen juristischen Grundsatz mit Verfassungsrang zu befolgen: In dubio pro reo. Wer beim Vorliegen von wenigen Zweifeln auf Maßnahmen verzichtet, handelt verfassungskonform. Was gibt es da zu meckern?

Zitat: „Am 11. September 2009 war Franco A. in die Deutsche Stabsgruppe im französischen Fontainebleau versetzt worden. Er begann daraufhin ein Studium der Staats- und Sozialwissenschaften an der renommierten französischen Militärschule Saint-Cyr. Rund vier Jahre später, Ende Dezember 2013, reichte er dort seine erste Masterarbeit ein. Das Dokument, das der „Welt“ vorliegt, ist rund 140 Seiten lang und trägt den Titel: „Politischer Wandel und Subversionsstrategie“. Gegliedert ist die Arbeit in drei Kapitel und mehrere Unterkapitel: Etwa „Diasporagruppen und Lobby“, „Genozid / Autogenozid“ oder „Der Niedergang von Kulturen“. – Zitatende.

Oh je. Wenn das mal nicht auf den ersten Blick schon nach Nazi aussieht? – „Der Niedergang von Kulturen“? Welcher vorbildliche Militärinternationalist würde sich schon mit einer solchen unerheblichen Thematik auseinandersetzen?

Zitat: „Seine Vorgesetzten beauftragten (…) am 15. Januar 2014 einen unabhängigen Historiker (Fachgebiet Militärgeschichte und Sozialwissenschaften) mit einem Gutachten zu Franco A.s Masterarbeit. Nur drei Tage später war der Fachmann fertig und meldete seinen Befund an die Bundeswehr.„Um das Ergebnis vorwegzunehmen“, heißt es in der Vorbemerkung des Gutachtens. „Bei dem Text handelt es sich nach Art und Inhalt nachweislich nicht um eine akademische Qualifikationsarbeit, sondern um ein radikalnationalistischen, rassistischen Appell, den der Verfasser mit einigem Aufwand auf eine pseudo-wissenschaftliche Art zu unterfüttern sucht.“ – Zitatende.

Worin besteht die Pseudowissenschaftlichkeit von Franco A.s Masterarbeit?

Zitat: „Franco A. habe seine Arbeit offensichtlich „in Unkenntnis der mittlerweile jahrzehntelangen Historischen Nationalismusforschung“ geschrieben, so der Historiker. „In manchen Teilen liest sich der Text wie eine Gebrauchsanweisung für rassistische Propaganda“. – Zitatende.

Wir lernen: Masterarbeiten haben sich auf das Herunterrattern desjenigen zu beschränken, was die „jahrzehntelange historische Nationalismusforschung“ für salonfähig erklärt hat. Für nicht salonfähig hat die Nationalismusforschung den Nationalismus erklärt. Genauer: Daß Nationalismus per se ein Negativum sei, ist die Arbeitshypothese jedweder Nationalismusforschung von Anfang an. Die galt es zu unterfüttern. Kein Wunder, daß das Soldatengesetz den jahrzehntelangen historischen Nationalismusforschern gewaltig auf den Keks geht. „Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ ist aber auch sowas von nationalistisch. Überhaupt „deutsches Volk“: Es handelt sich um die Freiheit derjenigen, die schon länger hier leben. Günstigstenfalls. Merkels eigenwillige Definition von Volk unterstellt, verteidigt der Soldat tapfer die Freiheit aller „die Menschen“, die im Staatsgebiet der Bundesrepublik ihr Dasein fristen. Nach Merkel sind die alle miteinander das deutsche Volk. Das deutsche Volk besteht nämlich aus Menschen aller möglichen Nationalitäten. Deswegen heißt das deutsche Volk deutsches Volk: Weil alle, alle Afrikaner, alle Asiaten und alle Araber so deutsch sind wie Alfred Tetzlaff.

Zitat: „In der Emanzipation der Frau „sieht der Verfasser eine Gefährdung der Familie und damit ebenfalls eine gezielt herbeigeführte Schwächung des Volkes“, notierte der Gutachter. Durch gezielte Einwanderung, so heißt es auf Seite 102 der Masterarbeit, sei zudem ein „Genozid der Völker in Westeuropa“ im Gange. Franco A. nennt es gar „Autogenozid“. – Zitatende.

Keine Frage: In einem Land, in dem bereits der Wortlaut eines Soldatengesetzes dem Nationalisten behagt, gedeihen solche Ansichten. Im Grunde ist das Soldatengesetz nicht mit der Bundeswehr vereinbar. Genozid ist ja schon schlimm, aber Autogenozid erst?! Das ist ein Schlag ins Gesicht des jahrzehntelangen historischen Nationalismusforschers. Nationalismusforschung ist auf historischem Gebiet wahrscheinlich das, was auf medizinischem Gebiet die Krebsforschung ist. Nationalismusforschung ist eigentlich Antinationalismusforschung.

Es beißt aber die Maus kein´ Faden ab: Nationalismus hin oder her – die Inquisition war jetzt auch nicht das allerfreiheitlichste, was man sich vorstellen kann. Und wenn ein in Deutschland geduldeter Nationalismusforscher und Sozialwissenschaftler als Gutachter tätig wird, dann darf man wohl mit Fug und Recht von Gesinnungskontrolle und Inquisition reden. Die Liste desjenigen, was man in Deutschland nicht mehr sagen darf, wird von Tag zu Tag immer länger. „Die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ ist obsolet geworden. Welche Freiheit? Welches Volk?

Seltsam auch: Von dem rechtsextremistischen Anschlag, den der doppellebige Franco A. geplant haben soll, ist im Artikel nicht weiter die Rede. Das wäre aber das Interessante gewesen. Meine Prognose: Unter den gleichen dogmatischen Prämissen, unter denen heute die Nationalismusforschung brilliert, könnte Sozialdemokratismusforschung ein Beruf mit Zukunft werden. Als erstes müßte man die Redaktion der WELT (und andere) einmal genau unter die Lupe nehmen.

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