Die Leitkultur-Debatte als Leithammelmisere

Die Forderung nach einer deutschen Leitkultur will man dem Innenminister im aufgewirbelten Blätterwald nicht so leicht durchgehen lassen. Zu auffällig ist die zeitliche Nähe zu den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen am nächsten und übernächsten Sonntag. Und wie selbstverständlich stößt auch der Begriff an sich wiederum auf weit verbreitete Ablehnung.

Von Klaus Barnstedt

Als Leithammel für ein Leitkulturstatement der CDU muß Innenminister de Maizière herhalten. All die mundtot gemachten Migrationskritiker sollen Mutti demnächst nicht von der Fahne gehen. Mit Hilfe dieser Arbeitsteilung umgeht es die Kanzlerin und Regierungschefin, sich mit einer eigenen, nachvollziehbaren Aussage zur Identitätsproblematik ihres Volkes zu äußern und aus ihrem wabernden Theaternebel hervorzutreten.

Ihre Behauptung „Das Volk ist jeder, der in diesem Lande lebt.“, ist mit einem Leitkulturdenkanstoß aus ihrem Munde schlichtweg nicht kompatibel.

Leitkultur – Schon wieder oder immer noch?

Auffällig ist nur, mit welcher Leidenschaft zum Sezieren die Mainstreamjournaille und viele Parteikonkurrenten über diesen totgeglaubten Begriff herfallen. Da wird untersucht, gewogen und befunden, die Nase gerümpft und halbwegs positiv Erscheinendes letztlich doch verworfen.

Ganz nebenbei wird auch ein wenig Ursachenforschung betrieben. Etwas Unordnung im Lande muß ja schließlich vorliegen, wenn der Begriff der Leitkultur immer wieder hochkommt.

Außerdem soll der Ausdruck laut Wikipedia auch noch von einem ziemlich Unverdächtigen ins Leben gerufen worden sein, und zwar von dem Islamkritiker Bassam Tibi, einem aus Syrien stammenden Hochschullehrer.

Leitkultur ist ein Begriff, der von dem Politologen Bassam Tibi in die politikwissenschaftliche Debatte eingeführt wurde, um einen gesellschaftlichen Wertekonsens zu beschreiben. Seit dem Jahr 2000 wird der Begriff in veränderter Weise in der politischen Diskussion im Zusammenhang mit dem Themenkomplex Zuwanderung und Integration von Einwanderern, bzw. als Gegenbegriff zum Multikulturalismus verwendet.

 https://de.wikipedia.org/wiki/Leitkultur

 2015 und 2016 kritisierte er (Bassam Tibi) die deutsche Flüchtlingspolitik als zu euphorisch, naiv und konzeptlos.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bassam_Tibi

Die unterlassenen Klarstellungen

Wie wäre es, wenn sich die (g)eifernden politischen Gegner und Kommentatoren der Mainstreampresse auch einmal mit anderen aktuellen Begriffen so intensiv auseinandersetzen würden? Beispielsweise mit dem Ausdruck „Flüchtling“?

Es ist schon merkwürdig, mit welcher Selbstverständlichkeit dieses Wort auf unterschiedlichste Personengruppen angewendet wird, die aus verschiedensten Beweggründen aufgebrochen sind, um in Deutschland zu landen!

Frei schwebende gesellschaftliche Begriffe nicht näher zu bestimmen oder bestimmen zu wollen, kann nur mit offenen, versteckten oder selbst auferlegten Kontrollmechanismen erklärt werden. Wie ist es möglich, dass eine ganze Bandbreite von überwiegend jungen Männern, angefangen von traumatisierten Schutzsuchenden über Wohlstandsflüchtlinge, fluchterfahrene Sozialschmarotzer mit Mehrfachidentität bis hin zu potentiellen und tatsächlichen Attentätern unter einem einzigen Begriff zusammengefasst werden! Wie können alle solchermaßen ins Land einfallenden Personengruppen ganz einfach „Flüchtlinge“, gern auch „Zuwanderer“ genannt werden?

Sogleich müsste sich die nächste kritische Prüfung einer mitschwingenden Behauptung anschließen. Inwiefern erleben wir überhaupt eine „Zuwanderung“ und nicht etwa eine fremdbestimmte Einschleusung von Menschenmassen?

In dem gestrigen „Zeit-Online“-Artikel zur neuerlichen Leitkulturdebatte wird beispielsweise genau dieser Begriff der „Zuwanderung“ völlig unreflektiert und kritiklos verwendet:

„Zuwanderung (hat) seit Beginn der Flüchtlingskrise zu einer erheblichen Verunsicherung in Deutschland geführt, selbst in sehr aufgeschlossenen Kreisen. Was gilt bei uns noch? Was darf man denken und noch laut sagen?, fragen sich viele.“

Ob diese Fragen ihre Berechtigung haben, weil es sich gar nicht um eindeutige „Zuwanderung“ handelt, das fragt sich „Die Zeit“ natürlich nicht! Mit den ‚vielen’ Besorgten will man sich ja keinesfalls gemein machen!

Auch der Begriff „Integration“ schreit längst nach einer unvoreingenommenen, öffentlich zu diskutierenden Betrachtung. Wie gut oder schlecht haben sich die schon länger hier Lebenden aus anderen Kulturkreisen in unsere Gesellschaft integriert? Und was ist daraus abzuleiten, dass ein großer Teil von ihnen in Parallelgesellschaften lebt und eine Begeisterung für autokratische Führermentalitäten aufbringt? (Siehe die überproportional hohe Zahl der Erdogan-Unterstützer hierzulande und die Angehörigen der Grauen Wölfe.) Welche Schlussfolgerungen für eine sich abzeichnende eher unwahrscheinliche Integration der vielen „Einwanderungswilligen“ müssen daraus gezogen werden?

Banalisierung von Islamkritik

„Wir sind nicht Burka.“, heißt es ganz beiläufig in de Maizières Thesenpapier zur Leitkultur.

Bei diesem kleinen Seitenhieb im Bildzeitungsduktus wittert „Zeit-Online“ schon gleich Islamophobie. Als hätte der Innenminister es sich gerade noch verkniffen, zu sagen: „Wir sind außerdem nicht Burkini, wir sind nicht Kopftuch und mit einer deutschen Leitkultur sind wir auch nicht Islam.“

Die Erwiderung der „Zeit“ besteht darin, auch hier pauschal vorzugehen und die Hand schützend über den Islam zu halten, „mit dem viele der Ängstlichen ihre Sorge vor einer angeblichen ‚kulturellen Überfremdung’ verbinden.“

Da können noch so viele Islamkenner vor der Gefährlichkeit dieser Religionsideologie warnen, es wird einfach bagatellisierend der Persilschein gezückt und die Forderung erhoben, „falsche Ängste abzubauen“.

Leider fehlt der Hinweis, was Islamgläubige ganz massiv abbauen müssen, damit deren Integration in ein führendes, westliches Land mit einer Jahrhunderte langen Hochkultur gelingen kann.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-05/leitkultur-thomas-de-maiziere-integration-regeln-debatte

Foto: Collage

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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